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Deutsch Italienisch Interpretation:
   Sechster Gesang:
   Zusammenfassung und Deutung

DER LÄUTERUNGSBERG: VI Gesang PURGATORIO: VI CANTO
Wenn Würfelspieler sich vom Tisch entfernen,
Bleibt der Verlierer sitzen meist verdrießlich
Und würfelt für sich selbst noch, um zu lernen.
Quando si parte il gioco de la zara,
colui che perde si riman dolente,
repetendo le volte, e tristo impara;
Den aber, dem der Würfel fiel ersprießlich,
Umschwärmen alle beim Nachhausegange:
Der winkt, der fleht, am Rock zupft man ihm schließlich,
con l'altro se ne va tutta la gente;
qual va dinanzi, e qual di dietro il prende,
e qual dallato li si reca a mente;
Er hört nach hier und dort und säumt nicht lange,
Und wem die Hand er drückte, macht sich fort –
Und so kauft er sich los vom lästgen Drange.
el non s'arresta, e questo e quello intende;
a cui porge la man, più non fa pressa;
e così da la calca si difende.
So stand ich in dem dichten Schwarme dort
Und hörte rechts das Bitten, links das Klagen,
Durch Trost mich lösend und Verheißungswort.
Tal era io in quella turba spessa,
volgendo a loro, e qua e là, la faccia,
e promettendo mi sciogliea da essa.
Hier war der Aretiner, den erschlagen
Des Ghin di Tacco grimme Rächerhand,
Dort jener, der ertrank im raschen Jagen;
Quiv' era l'Aretin che da le braccia
fiere di Ghin di Tacco ebbe la morte,
e l'altro ch'annegò correndo in caccia.
Novello, händeringend vor mir stand,
Auch der Pisaner kam, an dessen Leiche
Man den Marzucco seelengroß erfand;
Quivi pregava con le mani sporte
Federigo Novello, e quel da Pisa
che fé parer lo buon Marzucco forte.
Graf Orso, und die Seele, die vorm Streiche
Missgünstigen Grolls – wie sie’s benannt – geschieden,
Nicht dass Verbrechen ihr zur Schuld gereiche:
Vidi conte Orso e l'anima divisa
dal corpo suo per astio e per inveggia,
com' e' dicea, non per colpa commisa;
Pier della Broccia ist’s; mag drum hienieden
Sich zeitig vorsehn die Brabanterin,
Dass einst nicht schlimmre Brut ihr stört den Frieden!
Pier da la Broccia dico; e qui proveggia,
mentr' è di qua, la donna di Brabante,
sì che però non sia di peggior greggia.
Befreit nun von den Schatten, deren Sinn
Auf’ s Bitten nur, für sie zu bitten, steht,
Dass Heiligung bald werde ihr Gewinn –
Come libero fui da tutte quante
quell' ombre che pregar pur ch'altri prieghi,
sì che s'avacci lor divenir sante,
Sprach ich: „O du mein Licht, was d i e erfleht,
Verwirfst du irgendwo, da du geschrieben:
Des Himmels Ratschluss beuge kein Gebet!
io cominciai: «El par che tu mi nieghi,
o luce mia, espresso in alcun testo
che decreto del cielo orazion pieghi;
Doch dazu seh ich just dies Volk getrieben –
Soll demnach nur vergeblich sein ihr Hoffen?
Ist unklar mir vielleicht dein Wort geblieben?“
e questa gente prega pur di questo:
sarebbe dunque loro speme vana,
o non m'è 'l detto tuo ben manifesto?».
Drauf er: „Was ich geschrieben, das liegt offen,
Und jenen wird die Hoffnung nicht zuschanden,
Wenn du erst des Zitates Sinn getroffen.
Ed elli a me: «La mia scrittura è piana;
e la speranza di costor non falla,
se ben si guarda con la mente sana;
Des Urteils strenger Spruch blieb doch vorhanden.
Wenn fromme Glut im Nu auch das bescherte,
Wozu sich alle hier aus Pflicht verbanden.
ché cima di giudicio non s'avvalla
perché foco d'amor compia in un punto
ciò che de' sodisfar chi qui s'astalla;
Dort aber, wo ich jenen Grundsatz lehrte,
Entsühnte niemals ein Gebet die Sünden,
weil Gott sich taub von diesen Betern kehrte.
e là dov' io fermai cotesto punto,
non s'ammendava, per pregar, difetto,
perché 'l priego da Dio era disgiunto.
Doch solche tiefen Zweifel zu ergründen,
Lass ab! solange s i e nicht deinem Geist
Aus ewger Wahrheit wird ein Licht entzünden.
Veramente a così alto sospetto
non ti fermar, se quella nol ti dice
che lume fia tra 'l vero e lo 'ntelletto.
Ich meine Beatricen – wie du weißt;
Glückselig, lächelnd, wirst du bald sie sehen,
Wie dieses Berges Gipfel dir’ s verheißt!“ –
Non so se 'ntendi: io dico di Beatrice;
tu la vedrai di sopra, in su la vetta
di questo monte, ridere e felice».
„O Herr,“ bat ich, „dann lass uns schneller gehen,
Noch fühl ich unermüdet mich und rege,
Doch Schatten seh ich schon vorm Berge stehen.“
E io: «Segnore, andiamo a maggior fretta,
ché già non m'affatico come dianzi,
e vedi omai che 'l poggio l'ombra getta».
Und er: „Noch lass uns gehn auf diesem Wege,
Solang ihn uns das Zwielicht lässt erkennen,
Doch Überraschung bringen noch die Stege.
«Noi anderem con questo giorno innanzi»,
rispuose, «quanto più potremo omai;
ma 'l fatto è d'altra forma che non stanzi.
Denn eh du oben, wird aufs neu entbrennen
Die Sonne, die sich birgt schon hinterm Strand,
Und ihre Strahlen kannst du nicht mehr trennen.
Prima che sie là sù, tornar vedrai
colui che già si cuopre de la costa,
sì che ' suoi raggi tu romper non fai.
Doch schau die Seele dort! die wie gebannt
Hierher blickt – einsam steht sie, auf uns achtend;
Der nächste Weg ist ihr gewiss bekannt.“
Ma vedi là un'anima che, posta
sola soletta, inverso noi riguarda:
quella ne 'nsegnerà la via più tosta».
Wir nahten uns: wie stolz doch und verachtend,
Edle Lombardenseele, saßest du,
Gemessenen Blicks uns würdevoll betrachtend!
Venimmo a lei: o anima lombarda,
come ti stavi altera e disdegnosa
e nel mover de li occhi onesta e tarda!
Wir waren da: er rief kein Wort uns zu,
Sah uns gelassen fördern unsre Schritte,
dem Löwen gleich in unnahbarer Ruh!
Ella non ci dicëa alcuna cosa,
ma lasciavane gir, solo sguardando
a guisa di leon quando si posa.
Da trieb Virgil es doch, mit kurzem Tritte
Sich ihm zu nahn: er mög uns Weisung geben
Zum nächsten Pfad – doch stumm blieb er der Bitte,
Pur Virgilio si trasse a lei, pregando
che ne mostrasse la miglior salita;
e quella non rispuose al suo dimando,
Vielmehr u n s fragend jetzt nach Land und Leben –
Doch als Virgil kaum „Mantua“ angefangen,
Sah ich den Schatten blitzschnell sich erheben,
ma di nostro paese e de la vita
ci 'nchiese; e 'l dolce duca incominciava
«Mantüa…», e l'ombra, tutta in sé romita,
Der still erst tiefem Sinnen nachgehangen.
Er rief: „Sohn Mantuas, ich bin Sordell,
Dein Landsmann!“ - worauf beide sich umschlangen. –
surse ver' lui del loco ove pria stava,
dicendo: «O Mantoano, io son Sordello
de la tua terra!»; e l'un l'altro abbracciava.
Weh dir, Italien! Sklavin! Schmerzensquell!
Du Schiff, vom Sturm umbrandet, ohne Steuer!
Nicht der Provinzen Herrnhaus, nein, Bordell!
Ahi serva Italia, di dolore ostello,
nave sanza nocchiere in gran tempesta,
non donna di province, ma bordello!
Wie schnell doch fing die edle Seele Feuer
Beim süßen Klange schon aus ihrem Lande,
Den Stadtgenossen grüßend, der ihr teuer!
Quell' anima gentil fu così presta,
sol per lo dolce suon de la sua terra,
di fare al cittadin suo quivi festa;
Und du? – Es stehn die Lebenden im Brande
Des Aufruhrs, um sich wechselweis zu morden,
Umschirmt von e i n e m Wall und Grabenrande!
e ora in te non stanno sanza guerra
li vivi tuoi, e l'un l'altro si rode
di quei ch'un muro e una fossa serra.
Unselge, such an deinen Küstenborden,
schau in dich selbst: birgt e i n e n Ort dein Schoß,
Dem holden Friedens Frucht zuteil geworden?
Cerca, misera, intorno da le prode
le tue marine, e poi ti guarda in seno,
s'alcuna parte in te di pace gode.
Was hilft dir’ s – da dein Sattel reiterlos –
Dass Justinian dir ausgeflickt die Zügel?
Wär’s nie geschehn, die Schmach wär minder groß!
Che val perché ti racconciasse il freno
Iustinïano, se la sella è vòta?
Sanz' esso fora la vergogna meno.
Du hättest längst ergebnen Sinns im Bügel,
O Volk, den Cäsar reiten lassen sollen –
Doch Gottes Wort missdeutet dein Geklügel.
Ahi gente che dovresti esser devota,
e lasciar seder Cesare in la sella,
se bene intendi ciò che Dio ti nota,
Seit ihr habt die Kandare sparen wollen
Und in den Zaum der Bestie fielt vermessen,
Will störrisch sie nicht mehr Gehorsam zollen!
guarda come esta fiera è fatta fella
per non esser corretta da li sproni,
poi che ponesti mano a la predella.
O, deutscher Albert, hast du es vergessen,
Dem Gaul, der täglich tobt in wildrer Wut,
Den Schenkel kräftig um den Bug zu pressen?
O Alberto tedesco ch'abbandoni
costei ch'è fatta indomita e selvaggia,
e dovresti inforcar li suoi arcioni,
Der Himmel züchtge dich und all dein Blut
Gerecht und offensichtlich, nach Erwarten,
Dass, wer dir nachfolgt, klug sei auf der Hut.
giusto giudicio da le stelle caggia
sovra 'l tuo sangue, e sia novo e aperto,
tal che 'l tuo successor temenza n'aggia!
Herrschsüchtig, gleich dem Vater, klagt des harten
Geschickes wegen euch Italien an,
Veröden ließet ihr des Reiches Garten!
Ch'avete tu e 'l tuo padre sofferto,
per cupidigia di costà distretti,
che 'l giardin de lo 'mperio sia diserto.
Komm! sieh Montecchi, sorglos-träger Mann,
Monaldi, Filippeschi, Capuletten,
Voll Not schon jene, die im Sorgenbann!
Vieni a veder Montecchi e Cappelletti,
Monaldi e Filippeschi, uom sanza cura:
color già tristi, e questi con sospetti!
Grausamer, komm und mach sie frei der Ketten!
Komm her und sieh dein adlig Volk verzagen
Und sprich: ob Santafior sich kann erretten?
Vien, crudel, vieni, e vedi la pressura
d'i tuoi gentili, e cura lor magagne;
e vedrai Santafior com' è oscura!
Komm her! sieh deine Roma weinend klagen,
Komm, hör die Witwe flehen Tag und Nacht:
„Kannst du mir, Cäsar, deinen Schutz versagen?“
Vieni a veder la tua Roma che piagne
vedova e sola, e dì e notte chiama:
«Cesare mio, perché non m'accompagne?».
Sieh, wie dein Volk die Liebe glücklich macht!
Und können w i r kein Mitleid dir erregen,
Komm, dass dir eigner Leumund Scham entfacht!
Vieni a veder la gente quanto s'ama!
e se nulla di noi pietà ti move,
a vergognar ti vien de la tua fama.
Und – frag ich, höchster Jahve, zu verwegen? –
Du, der für uns gekreuzigt ward auf Erden:
Wo blickst du hin? gerecht sonst und voll Segen!
E se licito m'è, o sommo Giove
che fosti in terra per noi crucifisso,
son li giusti occhi tuoi rivolti altrove?
Wie? oder soll in Zukunft aus Beschwerden
Durch deinen Rat – geheim in seinen Zielen
Und unerforschbar – d o c h uns Rettung werden?
O è preparazion che ne l'abisso
del tuo consiglio fai per alcun bene
in tutto de l'accorger nostro scisso?
Von Zwingherrn wimmelt Welschland – ja von vielen!
Wo jeder Bauer zur Partei zu schwören
Sich drängt, um als Marcell sich aufzuspielen!
Ché le città d'Italia tutte piene
son di tiranni, e un Marcel diventa
ogne villan che parteggiando viene.
Freu dich, o mein Florenz! D i c h kann empören
Mein Vorwurf nicht, da er dich nicht berührt,
Dank deinem Volk, das Weisheit nur will hören!
Fiorenza mia, ben puoi esser contenta
di questa digression che non ti tocca,
mercé del popol tuo che si argomenta.
Gerechtigkeit hegt mancher, doch man spürt
Zu spät den Schuss, denn Vorsicht spannt den Bogen –
Im Munde aber wird sie brav geführt!
Molti han giustizia in cuore, e tardi scocca
per non venir sanza consiglio a l'arco;
ma il popol tuo l'ha in sommo de la bocca.
Wenn Staatsgeschäften viele sich entzogen,
So schreit dein Volk bereits, eh andre fragen -:
„Ich unterziehe mich!“ – drum lass die Wogen
Molti rifiutan lo comune incarco;
ma il popol tuo solicito risponde
sanza chiamare, e grida: «I' mi sobbarco!».
Verdienter Freude hoch und höher schlagen:
Reich bist du, friedlich - ach! Und voll Verstand!
Ob ich mich täusche, der Erfolg wird’s sagen!
Or ti fa lieta, ché tu hai ben onde:
tu ricca, tu con pace e tu con senno!
S'io dico 'l ver, l'effetto nol nasconde.
Athen und Sparta, ehrenvoll genannt
Als der Gesetze helle Ruhmessonnen,
Darf eine lösen dir der Schuhe Band,
Atene e Lacedemona, che fenno
l'antiche leggi e furon sì civili,
fecero al viver bene un picciol cenno
Dir? die so manchen feinen Plan gesponnen,
Der, wenn er im Oktober fertig war,
Schon im November zu vergehn begonnen!
verso di te, che fai tanto sottili
provedimenti, ch'a mezzo novembre
non giugne quel che tu d'ottobre fili.
Alles erneutest du – und immer dar ;
Was heut gebaut, ward morgen eingerissen:
Amt, Münzfuß, Recht, Gesetz – und Sitte gar!
Quante volte, del tempo che rimembre,
legge, moneta, officio e costume
hai tu mutato, e rinovate membre!
Blick rückwärts, dann wirst selbst du sehn und wissen,
Sehn: dass du gleich der Kranken dich verhältst,
Die Schutz vor Schmerz auf schlummerlosem Kissen
E se ben ti ricordi e vedi lume,
vedrai te somigliante a quella inferma
che non può trovar posa in su le piume,
Vergeblich sucht und hin und her sich wälzt! ma con dar volta suo dolore scherma.
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