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Deutsch Italienisch Interpretation:
   Fünfter Gesang:
   Zusammenfassung und Deutung

DER LÄUTERUNGSBERG: V Gesang PURGATORIO: V CANTO
Schon trug mich, in des Führers Spuren steigend,
Mein Fuß hinfort von jener müden Schar,
Als einer, mit dem Finger auf mich zeigend,
Io era già da quell' ombre partito,
e seguitava l'orme del mio duca,
quando di retro a me, drizzando 'l dito,
Mir nachrief: „Seht den einen doch – fürwahr!
Er lässt das Licht nicht durch – wirft einen Schatten
Und tut, als wär er noch lebendig gar!“
una gridò: «Ve' che non par che luca
lo raggio da sinistra a quel di sotto,
e come vivo par che si conduca!».
Als meine Ohren dies vernommen hatten,
Sah ich, umdrehend mich, nachspähen m i r ,
Dem S c h a t t e n und dem L i c h t die Schläfrigmatten.
Li occhi rivolsi al suon di questo motto,
e vidile guardar per maraviglia
pur me, pur me, e 'l lume ch'era rotto.
„Was hast du? Was umstrickt die Seele dir,“
Mahnte der Meister, „dass du säumst zu gehen?
Was kümmert’ s dich, was andre tuscheln hier?
«Perché l'animo tuo tanto s'impiglia»,
disse 'l maestro, «che l'andare allenti?
che ti fa ciò che quivi si pispiglia?
Mir nach! und lass die Leute redend stehen –
Du sei ein starker Turm, dem seine Zinnen
Nicht beugen kann des Sturmwinds brausend Wehen.
Vien dietro a me, e lascia dir le genti:
sta come torre ferma, che non crolla
già mai la cima per soffiar di venti;
Denn der wird nimmermehr das Ziel gewinnen,
Der von Gedanken sieht sich überschwommen,
Die kraftauflösend durcheinanderrinnen.“
ché sempre l'omo in cui pensier rampolla
sovra pensier, da sé dilunga il segno,
perché la foga l'un de l'altro insolla».
Was sollt ich sagen als: ich werde kommen?
Ich sprach’ s und fühlte schon auf meinen Wangen
Die Glut, die oft mag zur Verzeihung frommen.
Che potea io ridir, se non «Io vegno»?
Dissilo, alquanto del color consperso
che fa l'uom di perdon talvolta degno.
Indes kam quer den Berghang hergegangen
Ein Haufe Volkes, höher als wir gingen,
Die Vers für Vers das Miserere sangen.
E 'ntanto per la costa di traverso
venivan genti innanzi a noi un poco,
cantando 'Miserere' a verso a verso.
Als die auch sahn, dass sich bei mir verfingen
Die Strahlen und ich undurchsichtig sei,
Da ward ein langes heisres Ah !! ihr Singen.
Quando s'accorser ch'i' non dava loco
per lo mio corpo al trapassar d'i raggi,
mutar lor canto in un «oh!» lungo e roco;
Und wie als Abgesandte liefen zwei –
Wer wir denn wären? staunend zu erfragen –
Den Berghang nieder bis zu uns herbei.
e due di loro, in forma di messaggi,
corsero incontr' a noi e dimandarne:
«Di vostra condizion fatene saggi».
Da rief Virgil: „Kehrt um! und lasst euch sagen,
Euch und den andern, die geschickt euch hatten,
Dass dessen Glieder wirklich Fleisch noch tragen!
E 'l mio maestro: «Voi potete andarne
e ritrarre a color che vi mandaro
che 'l corpo di costui è vera carne.
Und wundert ihr euch über seinen Schatten,
So wisst: durch ihn könnt ihr das Heil erreichen;
Drum soll man ihm willkommnen Gruß erstatten!“ –
Se per veder la sua ombra restaro,
com' io avviso, assai è lor risposto:
fàccianli onore, ed esser può lor caro».
Am Himmel sah ich nie, dem mondesbleichen,
Sternschnuppen rascher das Gewölk durchziehn,
Noch im August ein Wetterleuchten streichen,
Vapori accesi non vid' io sì tosto
di prima notte mai fender sereno,
né, sol calando, nuvole d'agosto,
Als dieses Paar bergauf zu stürmen schien,
Um oben mit den andern umzudrehen
Und rückzueilen, wie Geschwader fliehn.
che color non tornasser suso in meno;
e, giunti là, con li altri a noi dier volta,
come schiera che scorre sanza freno.
Da sprach Virgil: „Jetzt kommt, dich anzuflehen
Ein ungezählter Schwarm – hör sie nur an,
Doch denk beim Hören auch ans Weitergehen!“ –
«Questa gente che preme a noi è molta,
e vegnonti a pregar», disse 'l poeta:
«però pur va, e in andando ascolta».
„O Seele, die zum Heile pilgern kann
Im Leibe, der sie trägt seit Kindesbeinen,
Hemm deine Schritte!“ – so das Volk begann.
«O anima che vai per esser lieta
con quelle membra con le quai nascesti»,
venian gridando, «un poco il passo queta.
„Schau her! vielleicht erkennst du unser einen,
Heimwärts von ihm ein grüßend Wort zu tragen!
Ach, statt zu weilen, eilst du – kennst du keinen?
Guarda s'alcun di noi unqua vedesti,
sì che di lui di là novella porti:
deh, perché vai? deh, perché non t'arresti?
Uns alle hat dereinst Gewalt erschlagen,
Der Sünden bis zum Tode uns erfreuend,
Wo wir gewitzigt sahn den Himmel tagen.
Noi fummo tutti già per forza morti,
e peccatori infino a l'ultima ora;
quivi lume del ciel ne fece accorti,
So starben wir – verzeihend und bereuend,
Mit Gott versöhnt; ihn zu erschauen schafft
Uns Sehnsucht nun, dem Herzen Pein erneuend.“ –
sì che, pentendo e perdonando, fora
di vita uscimmo a Dio pacificati,
che del disio di sé veder n'accora».
„Mein Auge prüfte euch gewissenhaft,
Doch kenn ich niemand! aber was euch quälet,
Wonach ihr schmachtet: glückt es meiner Kraft,
E io: «Perché ne' vostri visi guati,
non riconosco alcun; ma s'a voi piace
cosa ch'io possa, spiriti ben nati,
Ich tu’ s!“ rief ich, „so wahr mir auserwählet
Solch Führer hier, so wahr mich, jenen Frieden
Von-Welt-zu-Welt zu suchen, Gott gestählet!“
voi dite, e io farò per quella pace
che, dietro a' piedi di sì fatta guida,
di mondo in mondo cercar mi si face».
Und einer sprach: „Dass du’s vollführst hienieden,
Vertrauen wir dir ohne Eid, wird nur
Beim Wollen dir kein Hindernis beschieden.
E uno incominciò: «Ciascun si fida
del beneficio tuo sanza giurarlo,
pur che 'l voler nonpossa non ricida.
Drum, da ich grade spreche: führt die Spur
Auf Erden dich zur Landschaft, in der Mitte
Von Karlos Reiche und Romagnas Flur,
Ond' io, che solo innanzi a li altri parlo,
ti priego, se mai vedi quel paese
che siede tra Romagna e quel di Carlo,
So schenke mir Gewährung dieser Bitte:
Fano soll fromm für mich die Hände falten,
Dass ich die Läutrung schwerer Schuld erstritte.
che tu mi sie di tuoi prieghi cortese
in Fano, sì che ben per me s'adori
pur ch'i' possa purgar le gravi offese.
Dort stamm ich her – die tiefen Wundenspalten
Jedoch, draus meines Lebens Strom verblutet,
Hab ich in Antenorens Schoß erhalten,
Quindi fu' io; ma li profondi fóri
ond' uscì 'l sangue in sul quale io sedea,
fatti mi fuoro in grembo a li Antenori,
Wo ich Verrat am wenigsten vermutet,
Den der von Este wider mich gesponnen;
Sein Hass hat mehr als billig sich gesputet!
là dov' io più sicuro esser credea:
quel da Esti il fé far, che m'avea in ira
assai più là che dritto non volea.
Doch wär ich gegen Mira hin entronnen,
Als man mich überfiel an Oriacs Tor,
Ich schlürfte heut noch aus des Lebens Bronnen.
Ma s'io fosse fuggito inver' la Mira,
quando fu' sovragiunto ad Orïaco,
ancor sarei di là dove si spira.
Zum Sumpfe lief ich, wo mich Schlamm und Rohr
Hilflos zu Falle brachten – sprudelnd sprangen
Die Bäche meines Bluts auf’ s dunkle Moor.“ –
Corsi al palude, e le cannucce e 'l braco
m'impigliar sì ch'i' caddi; e lì vid' io
de le mie vene farsi in terra laco».
Ein andrer sprach: „“Soll je sich dein Verlangen
Erfüllen, das zum Berg dich hergelenkt,
Dein Mitleid kürze dann auch mir das Bangen.
Poi disse un altro: «Deh, se quel disio
si compia che ti tragge a l'alto monte,
con buona pïetate aiuta il mio!
Giovanna nicht und niemand sonst gedenkt
Buonconts von Montefeltro – trauernd klagen
Muss ich deshalb, die Stirn in Leid gesenkt.“ –
Io fui di Montefeltro, io son Bonconte;
Giovanna o altri non ha di me cura;
per ch'io vo tra costor con bassa fronte».
„Welch Zufall,“ rief ich aus, „hat dich verschlagen,
Welche Gewalt so weit vom Campaldin,
Dass heut noch keiner weiß dein Grab zu sagen?“ –
E io a lui: «Qual forza o qual ventura
ti travïò sì fuor di Campaldino,
che non si seppe mai tua sepultura?».
„Ach,“ sprach ich drauf, „den Fuß des Casentin
Durchquert ein Fluss, Archian, der seine Quelle
Beim Kreuz hat oberhalb des Apennin.
«Oh!», rispuos' elli, «a piè del Casentino
traversa un'acqua c'ha nome l'Archiano,
che sovra l'Ermo nasce in Apennino.
Wo er den Namen an des Arno Schwelle
Verliert, dort floh ich hin, den Hals durchstochen,
Und färbte mit dem Blute Sand und Welle.
Là 've 'l vocabol suo diventa vano,
arriva' io forato ne la gola,
fuggendo a piede e sanguinando il piano.
Nacht ward’ s um mich – doch eh mein Blick gebrochen,
Rief ich die Jungfrau an – dann fiel ich nieder –
Und meine Hülle blieb dort ungerochen.
Quivi perdei la vista e la parola;
nel nome di Maria fini', e quivi
caddi, e rimase la mia carne sola.
Das ist die Wahrheit, sag der Welt es wieder!
Schon trug ein Engel mich – doch blitzesschnelle
Fuhr Satan her und schrie: ‚Weil ihm die Lider
Io dirò vero, e tu 'l ridì tra ' vivi:
l'angel di Dio mi prese, e quel d'inferno
gridava: "O tu del ciel, perché mi privi?
Ein Tränlein netzt, willst du zur Himmelszelle,
Beraubend mich, sein ewig Teil erheben?
So büße denn der L e i b an dessen Stelle! –
Tu te ne porti di costui l'etterno
per una lagrimetta che 'l mi toglie;
ma io farò de l'altro altro governo!".
Du weißt, dass Dünste, die im Luftmeer schweben,
Oft kältre Schichten treffen, und alsdann
In Regenform zur Erde wieder streben –
Ben sai come ne l'aere si raccoglie
quell' umido vapor che in acqua riede,
tosto che sale dove 'l freddo il coglie.
Drum paarte Satan, der stets Böses sann,
Bosheit mit List, um Sturm und Dunst zu wecken,
Wie seine angeborne Kraft es kann.
Giunse quel mal voler che pur mal chiede
con lo 'ntelletto, e mosse il fummo e 'l vento
per la virtù che sua natura diede.
Und als die Sonne sank zum Meeresbecken,
Sah man von Pratomagna sich die Fläche
Bis zum Gebirgsstock schwarz mit Dunst bedecken,
Indi la valle, come 'l dì fu spento,
da Pratomagno al gran giogo coperse
di nebbia; e 'l ciel di sopra fece intento,
Dass keine Wolke war, die nicht zerbreche
Und Wasser gösse in des Erdreichs Spalten;
Und was der Grund nicht schluckte, wurden Bäche,
sì che 'l pregno aere in acqua si converse;
la pioggia cadde, e a' fossati venne
di lei ciò che la terra non sofferse;
Bis auch die größern Flüsse überwallten
Und zu des königlichen Stromes Schoß
Die Fluten schossen, dass es gab kein Halten.
e come ai rivi grandi si convenne,
ver' lo fiume real tanto veloce
si ruinò, che nulla la ritenne.
So fand der Archian mich starr und bloß
Als Leichnam – stob zum Arno mit dem Funde
Und wusch das armverschränkte Kreuz mir los,
Lo corpo mio gelato in su la foce
trovò l'Archian rubesto; e quel sospinse
ne l'Arno, e sciolse al mio petto la croce
Das ich geschlagen in der Todesstunde,
Wälzte hinstrudelnd weiter seine Beute
Und barg sie endlich tief im schlammgen Grunde!“ –
ch'i' fe' di me quando 'l dolor mi vinse;
voltòmmi per le ripe e per lo fondo,
poi di sua preda mi coperse e cinse».
Die dritte Seele, die mein Hiersein freute,
Bat mich: „Wenn du zur Welt erst heimgekommen,
Und Rast und Mühsal dir Erquickung streute,
«Deh, quando tu sarai tornato al mondo
e riposato de la lunga via»,
seguitò 'l terzo spirito al secondo,
So lass dein Mitleid auch der Pia frommen,
Der Siena Leben gab, Maremma Tod,
Wie jener weiß, der mich zum Weib genommen
«ricorditi di me, che son la Pia;
Siena mi fé, disfecemi Maremma:
salsi colui che 'nnanellata pria
Und mir den Ring zur Doppelehe bot!“ disposando m'avea con la sua gemma».
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