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Deutsch Italienisch Interpretation:

Zweiter Gesang: Zusammenfassung und Deutung

Die Fackel senkte Sol zum Horizont,
Der mit dem höchstn Grad im Mittagskreise
Jerusalem bedeckt, jetzt unbesonnt

Die Verse sind unter Umständen nicht so übersetzt, dass klar wird, was Dante meinte. Im Orginal lauten sie so.

Già era ‘l sole a l'orizzonte giunto
lo cui meridian cerchio coverchia
Ierusalèm col suo più alto punto;

Schon hatte die Sonne den Horizont erreicht
dessen Meridian Jerusalem
Am höchsten Punkt überragt

Dante stellt sich die Welt als Kugel vor, an deren höchstem Punkt sich auf der einen Seite Jerusalem befindet, auf der anderen Seite der Läuterungsberg. Jerusalem und der Läuterungsberg liegen also auf demselben Meridian (Meridiane sind Längenkreise, stehen also im rechten Winkel zum Äquator). So gesehen ist also der Horizont aus der Perspektive des Läuterungsberges und aus der Perspektive Jerusalems derselbe. Wenn die Sonne im Horizont von Jerusalem verschwindet, taucht sie im Horizont des Läuterungsberges auf. Bei den nächsten beiden Terzinen wird es reichlich kompliziert, genauer gesagt, der Autor durschaut nicht mehr, was uns der Dichter mit seinem Werk sagen will. Sollte es jemand wissen, möge er mir ein E-Mail schreiben, infos@infos24.de.

Dem ähnlich kam jetzt auf der glatten Welle
Oh säh ich’s wieder einst – ein Licht geflogen,
Wie nie ein Vogel flog mit solcher Schnelle

Es folgt ein langer Abschnitt, der einen Engel beschreibt, der wiederum mit seinen Flügeln ein Boot sowohl antreibt, als auch als Segel oder als Propeller verwendet und mit diesen Flügeln das Boot auch steuert. Allerdings sehen wir diesen Zusammenhang erst am Ende.

Als er erschien am grünen Uferkranze
Auf einem Schiff, so leicht, behend und flink
Dass keine Spur es ließ im Wellenkreise

Von dessen Stirne Seligkeit ausging
Der Fährmann auf dem Heck des Fahrzeugs stand,
Das mehr als hundert Geister wohl umfing

Da von des Fährmanns Stirn Seligkeit ausging, kann wohl nur der Engel selbst dieser Fährmann sein. Nachdem die alle das Boot verlassen haben, stehen sie desorientiert am Strand und in der Meinung, dass Dante und Vergil den Weg wüssten, fragen sie diese nach dem Weg zum Läuterungsberg, worauf Vergil ihnen erklärt, dass auch sie selbst erst vor kurzem angekommen seien. Dante erkennt, nachdem dieser ihn anspricht, seinen Freund Casella wieder.
Überliefert ist über diesen Casella wenig. Er starb zwischen dem 13. Juli 1282 und dem Ostersonntag 1300. Das erste Datum ergibt sich aus der Tatsache, dass er zu diesem Zeitpunkt noch lebte, weil er an diesem Tag wegen nächtlichen Umherwanderns mit einer Geldstrafe belegt wurde. Das zweite Datum ergibt sich aus der Tatsache, dass Dante fiktiv an diesem Tag den Fuß des Läuterungsberges erreicht. Wenn er also den Tod des Freundes nicht vorverlagert hat, muss er zu diesem Zeitpunkt bereits tot gewesen sein. Casella hatte einige Gedichte Dantes vertont. Auf Bitten Dantes singt er eine dieser Kompositionen.
Wir erfahren noch, dass er nicht sofort übergesetzt wurde, und erst nachdem Papst Bonifaz VIII 1299 für das Jahr 1300 Ablass gewährte, wurde er auch, wie alle anderen kritischen Fälle auch, übergesetzt. Der geschichtliche Hintergrund selbst wird im Text nicht erwähnt. Wir müssen also wissen, dass die Päpste doch einen bedeutenden Einfluss im Jenseits ausüben. Da dieser Gesang aber die Lauschenden davon abhält, den Läuterungsberg zu besteigen und so geläutert zu werden, greift Cato ein.

Und wir lustwandelnd hochentzückt!
Dem Sange nach – Sieh! Da hörten wir den Alten
Der mahnend rief:“Was ist´s, das euch berückt,

Nachlässige, und den Eifer lässt erkalten?
Eilt auf den Berg, die Rinden abzustreifen,
Die Gottes Anblick euch noch vorenthalten!

DER LÄUTERUNGSBERG: II Gesang PURGATORIO: II CANTO
Die Fackel senkte Sol zum Horizont,
Der mit dem höchsten Grad im Mittagskreise
Jerusalem bedeckt, jetzt unbesonnt.
Già era 'l sole a l'orizzonte giunto
lo cui meridïan cerchio coverchia
Ierusalèm col suo più alto punto;
Sol gegenüber kam vom Ganges leise
Die Nacht mit ihrer Wage schon gegangen,
Die ihr den Sieg entreißt nach alter Weise,
e la notte, che opposita a lui cerchia,
uscia di Gange fuor con le Bilance,
che le caggion di man quando soverchia;
So dass Auroras zarte Rosenwangen
Vor unserm Blick, als ob sie Alter dorrte,
Schon mählich zu vergilben angefangen.
sì che le bianche e le vermiglie guance,
là dov' i' era, de la bella Aurora
per troppa etate divenivan rance.
Wir standen noch an blauer Meeresborte,
Wie jemand zweifelt, welchen Weg er nimmt;
Schon eilt der G e i s t , noch weilt der L e i b am Orte!
Noi eravam lunghesso mare ancora,
come gente che pensa a suo cammino,
che va col cuore e col corpo dimora.
Und sieh, wie oftmals, eh der Morgen glimmt,
Aus Nebeldünsten Mars in roter Helle
Tief auf dem abendlichen Wasser schwimmt,
Ed ecco, qual, sorpreso dal mattino,
per li grossi vapor Marte rosseggia
giù nel ponente sovra 'l suol marino,
Dem ähnlich kam jetzt auf der glatten Welle –
O säh ich’s wieder einst – ein Licht geflogen,
Wie nie ein Vogel flog mit solcher Schnelle.
cotal m'apparve, s'io ancor lo veggia,
un lume per lo mar venir sì ratto,
che 'l muover suo nessun volar pareggia.
Denn als ich kaum das Haupt zurückgebogen
Ein wenig, um den Führer zu befragen,
Stands größer schon und heller auf den Wogen.
Dal qual com' io un poco ebbi ritratto
l'occhio per domandar lo duca mio,
rividil più lucente e maggior fatto.
Und jetzt auch sah ich etwas Weißes ragen
Zu beiden Seiten, das nach unten fort
In gleichem Glanz sich schien zu übertragen.
Poi d'ogne lato ad esso m'appario
un non sapeva che bianco, e di sotto
a poco a poco un altro a lui uscìo.
Schwieg erst mein Führer, als das Weiße dort
Beim Nahen wie ein Flügelpaar erschien –
Erkennend jetzt den Fährmann, scholl sein Wort:
Lo mio maestro ancor non facea motto,
mentre che i primi bianchi apparver ali;
allor che ben conobbe il galeotto,
„Geschwind! und beuge dich mit beiden Knien
Vor Gottes Engel! Falte deine Hände!
Bald siehst du solcher Diener mehr wie ihn.
gridò: «Fa, fa che le ginocchia cali.
Ecco l'angel di Dio: piega le mani;
omai vedrai di sì fatti officiali.
Sieh! stolz verschmäht er, was der Mensch erfände:
Kein Ruder braucht er! Seine Schwingen tragen
Als Segel ihn zum fernesten Gelände.
Vedi che sdegna li argomenti umani,
sì che remo non vuol, né altro velo
che l'ali sue, tra liti sì lontani.
Schau, wie sie prächtig auf ins Blaue ragen,
Die Luft durchstreichen – nie wird sein Gefieder
Gleich sterblichem Veränderung beklagen!“ –
Vedi come l'ha dritte verso 'l cielo,
trattando l'aere con l'etterne penne,
che non si mutan come mortal pelo».
Und näher kam und heller strahlte wieder
Der Vogel Gottes, dass ich, von dem Glanze
Beinah geblendet, schlug die Augen nieder,
Poi, come più e più verso noi venne
l'uccel divino, più chiaro appariva:
per che l'occhio da presso nol sostenne,
Als er erschien am grünen Uferkranze
Auf einem Schiff, so leicht, behend und flink,
Dass keine Spur es ließ im Wellentanze. –
ma chinail giuso; e quei sen venne a riva
con un vasello snelletto e leggero,
tanto che l'acqua nulla ne 'nghiottiva.
Von dessen Stirne Seligkeit ausging,
Der Fährmann auf dem Heck des Fahrzeugs stand,
Das mehr als hundert Geister wohl umfing.
Da poppa stava il celestial nocchiero,
tal che faria beato pur descripto;
e più di cento spirti entro sediero.
„Als Israel floh aus Ägyptenland“,
So hob einstimmig an der Chor zu singen,
Wie aus dem Psalter Davids wohlbekannt.
'In exitu Isräel de Aegypto'
cantavan tutti insieme ad una voce
con quanto di quel salmo è poscia scripto.
Drauf eilten alle, an das Land zu dringen,
Und er, sie segnend mit dem Kreuz, entwich
Schnell, wie er kam, auf seinen weißen Schwingen.
Poi fece il segno lor di santa croce;
ond' ei si gittar tutti in su la piaggia:
ed el sen gì, come venne, veloce.
Der Schar, die hier verblieb, schien wunderlich
Und fremd der Ort, sie spähte unentschlossen,
Als sähe sie, was Niegeschautem glich.
La turba che rimase lì, selvaggia
parea del loco, rimirando intorno
come colui che nove cose assaggia.
Die Sonne schleuderte nun unverdrossen
Die goldnen Lanzen aus des Himmels Mitte,
Dass schon der Steinbock floh vor den Geschossen.
Da tutte parti saettava il giorno
lo sol, ch'avea con le saette conte
di mezzo 'l ciel cacciato Capricorno,
Da scholl zu uns der Angekommnen Bitte,
Als sie uns sahn: „Wenn euch der Weg bekannt,
So sagt: wie lenken wir zum Berg die Schritte?“ –
quando la nova gente alzò la fronte
ver' noi, dicendo a noi: «Se voi sapete,
mostratene la via di gire al monte».
„Ihr irret, wenn ihr wähnt, dass dieser Strand
Uns etwa Heimat sei,“ sprach mein Virgil,
„Wir sind gleich euch Fremdlinge hierzuland,
E Virgilio rispuose: «Voi credete
forse che siamo esperti d'esto loco;
ma noi siam peregrin come voi siete.
Und kurz vor euch erst kamen wir zum Ziel,
Doch auf so rauhen mühsalsreichen Fahrten,
Dass dieser Berg dagegen Kinderspiel.“
Dianzi venimmo, innanzi a voi un poco,
per altra via, che fu sì aspra e forte,
che lo salire omai ne parrà gioco».
Als jene meinen Atemzug gewahrten,
Der ihnen, dass ich lebe, klar bewies,
Die Mienen blassen Schreck drob offenbarten.
L'anime, che si fuor di me accorte,
per lo spirare, ch'i' era ancor vivo,
maravigliando diventaro smorte.
Wie Neugier oft entgegenströmen ließ
Das Volk den Boten, die den Ölzweig bringen,
Ob sich’s dabei auch drängte oder stieß –
E come a messagger che porta ulivo
tragge la gente per udir novelle,
e di calcar nessun si mostra schivo,
So die beglückten Seelen: alle hingen
Am Antlitz mir, wobei sie schier vergaßen,
Dass sie, um schön zu werden, weiter gingen.
così al viso mio s'affisar quelle
anime fortunate tutte quante,
quasi oblïando d'ire a farsi belle.
Und eine Seele, zärtlich-übermaßen,
Trat vor, mich innig an der Brust zu halten,
Dass meine Sinne gleichen Wunsch besaßen.
Io vidi una di lor trarresi avante
per abbracciarmi, con sì grande affetto,
che mosse me a far lo somigliante.
O sichtbare, doch haltlose Gestalten!
Dreimal um sie sich meine Hände schlangen,
Sie dreimal um ein Luftgebild zu falten.
Ohi ombre vane, fuor che ne l'aspetto!
tre volte dietro a lei le mani avvinsi,
e tante mi tornai con esse al petto.
Staunend verfärbten sich mir wohl die Wangen,
Denn rückwärts sah den Geist ich lächelnd schweben,
Dass mich ihm nachzog törichtes Verlangen;
Di maraviglia, credo, mi dipinsi;
per che l'ombra sorrise e si ritrasse,
e io, seguendo lei, oltre mi pinsi.
Doch als er rief, zu zügeln mein Bestreben,
Erkannt ich ihn und bat ihn inniglich,
Freundlich-verweilend Antwort mit zu geben.
Soavemente disse ch'io posasse;
allor conobbi chi era, e pregai
che, per parlarmi, un poco s'arrestasse.
Er sprach: „Wie ich geliebt im Fleische dich,
So lieb ich dich, befreit vom irdschen Zwange,
Drum steh ich still – doch warum du nicht? sprich.“ –
Rispuosemi: «Così com' io t'amai
nel mortal corpo, così t'amo sciolta:
però m'arresto; ma tu perché vai?».
„Casella mein, dass man mich hier empfange
Ein zweites Mal betrat ich diese Bahn,“
Sprach ich, „doch wo warst du indes so lange?“
«Casella mio, per tornar altra volta
là dov' io son, fo io questo vïaggio»,
diss' io; «ma a te com' è tanta ora tolta?».
Und er: „Mir ward kein Unrecht angetan,
Als jener, der hier landet die er kürte,
Mir mehrmals weigerte den Seelenkahn,
Ed elli a me: «Nessun m'è fatto oltraggio,
se quei che leva quando e cui li piace,
più volte m'ha negato esto passaggio;
Da er gerechten Willen nur vollführte.
Doch seit drei Monden nahm er ohne Säumen
In Frieden auf, wer Reiselust verspürte.
ché di giusto voler lo suo si face:
veramente da tre mesi elli ha tolto
chi ha voluto intrar, con tutta pace.
Da ich nun harrte, wo die Wogen schäumen,
Und sich den salzgen mengt des Tibers Welle,
Ließ er mich ein zu seines Schiffes Räumen.
Ond' io, ch'era ora a la marina vòlto
dove l'acqua di Tevero s'insala,
benignamente fu' da lui ricolto.
Schon lenkt er wieder hin mit Windesschnelle
Und sammelt freudig dort zu seinen Borden,
Was nicht hinabstürzt zu der Urnacht Quelle.! –
A quella foce ha elli or dritta l'ala,
però che sempre quivi si ricoglie
qual verso Acheronte non si cala».
„Wenn dir nicht untreu durch Gesetz geworden,“
Bat ich, „Kunst und Gedächtnis all der Lieder,
Die oft mit ihren schmelzenden Akkorden
E io: «Se nuova legge non ti toglie
memoria o uso a l'amoroso canto
che mi solea quetar tutte mie doglie,
Mein Herz getröstet, so erhebe wieder
Die Seele, die der schwere Leib umflicht,
Und die sich hier in Schmerzen beugt danieder.“ –
di ciò ti piaccia consolare alquanto
l'anima mia, che, con la sua persona
venendo qui, è affannata tanto!».
„D i e L i e b e , d i e m i t m i r i m G e i s t e s p r i c h t”
So sang er nun – und ach! die sanfte Weise
Verklingt noch heute mir im Herzen nicht!
'Amor che ne la mente mi ragiona'
cominciò elli allor sì dolcemente,
che la dolcezza ancor dentro mi suona.
Mein Herr und ich mitsamt dem ganzen Kreise
Der Geister fühlten uns so tiefbeglückt,
Dass uns die Umwelt schwand unmerklich-leise
Lo mio maestro e io e quella gente
ch'eran con lui parevan sì contenti,
come a nessun toccasse altro la mente.
Und wir lustwandelnd lauschten hochentzückt
Dem Sange. – Sieh! da hörten wir den Alten,
Der mahnend rief: „Was ist’s, das euch berückt,
Noi eravam tutti fissi e attenti
a le sue note; ed ecco il veglio onesto
gridando: «Che è ciò, spiriti lenti?
Nachlässge, und den Eifer lässt erkalten?
Eilt auf den Berg, die Rinden abzustreifen,
Die Gottes Anblick euch noch vorenthalten!“ –
qual negligenza, quale stare è questo?
Correte al monte a spogliarvi lo scoglio
ch'esser non lascia a voi Dio manifesto».
Wie Tauben emsig trippeln, um die reifen
Feldkörner oder Sämlinge zu picken,
Einträchtig, ohne keck sich aufzusteifen,
Come quando, cogliendo biado o loglio,
li colombi adunati a la pastura,
queti, sanza mostrar l'usato orgoglio,
Jedoch, sobald ein Schrecknis sie erblicken,
Fortschwirren jäh, preisgebend Feld und Speise,
Weil größre Sorgen sie mit Furcht umstricken -:
se cosa appare ond' elli abbian paura,
subitamente lasciano star l'esca,
perch' assaliti son da maggior cura;
So trennte von Casellas süßer Weise
Die Schar sich schnell, zum Felsenhang zu eilen,
Wie jemand läuft, dem fremd das Ziel der Reise –
così vid' io quella masnada fresca
lasciar lo canto, e fuggir ver' la costa,
com' om che va, né sa dove rïesca;
Und wir auch eilten ohne zu verweilen. né la nostra partita fu men tosta.
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