Werbung ausblenden
 

Zu Favoriten...

  Als Startseite...
Deutsch Italienisch Interpretation:

Zweiunddreißigster Gesang:
Zusammenfassung und Deutung

DER LÄUTERUNGSBERG: XXXII Gesang PURGATORIO:XXXII CANTO
Den Durst von zehen langen bangen Jahren
Zu löschen, hing mein Blick so fest an ihr,
Dass taub mir alle andern Sinne waren.
Tant' eran li occhi miei fissi e attenti
a disbramarsi la decenne sete,
che li altri sensi m'eran tutti spenti.
Und ringsum schloss sie ab wie ein Spalier
Versunkenheit – und ach! die alten Schlingen
Des heiligen Lächeln s streckten sich nach mir,
Ed essi quinci e quindi avien parete
di non caler - così lo santo riso
a sé traéli con l'antica rete! -;
Bis mit Gewalt das Haupt zurückzubringen
Den Götterfrauen gelang an meiner Linken,
Denn „Maß gehalten!“ hört ich mahnend klingen.
quando per forza mi fu vòlto il viso
ver' la sinistra mia da quelle dee,
perch' io udi' da loro un «Troppo fiso!»;
Und wie der Sonnenpfeile grelles Blinken
Die Sehkraft lähmt, so stand ich erst geblendet
Und fühlte zitternd meine Lider sinken;
e la disposizion ch'a veder èe
ne li occhi pur testé dal sol percossi,
sanza la vista alquanto esser mi fée.
Doch als dem Blick ward mattrer Glanz gespendet,
(Ich sage matter: im Vergleich zum Lichte,
Von dem ich mich gewaltsam abgewendet) –
Ma poi ch'al poco il viso riformossi
(e dico 'al poco' per rispetto al molto
sensibile onde a forza mi rimossi),
Sah ich, dass sich rechtsschwenkend rückwärts richte
Das ruhmgekrönte Heer, der Sonne Strahl
Und den Septentrio im Angesichte.
vidi 'n sul braccio destro esser rivolto
lo glorïoso essercito, e tornarsi
col sole e con le sette fiamme al volto.
Wie unterm Schild vorsichtig beim Signal
Kehrt macht ein Trupp mit Fahnenschmuck und Zeichen
Und nicht die Stellung wechselt auf einmal –
Come sotto li scudi per salvarsi
volgesi schiera, e sé gira col segno,
prima che possa tutta in sé mutarsi;
So schob die himmlische Miliz desgleichen
Die Tete voran, eh sich die Deichsel legte
Und eh sich drehten eines Rades Speichen.
quella milizia del celeste regno
che procedeva, tutta trapassonne
pria che piegasse il carro il primo legno.
Die Frauen rechts und links: also bewegte
Der Greis anbetungswert den heiligen Wagen,
Dass ihm kein Federlein dabei sich regte.
Indi a le rote si tornar le donne,
e 'l grifon mosse il benedetto carco
sì, che però nulla penna crollonne.
Die Schöne, die durch Lethe mich getragen,
Statius und ich folgten mit ernstem Schritt
Am Rande, das den engern Kreis geschlagen,
La bella donna che mi trasse al varco
e Stazio e io seguitavam la rota
che fé l'orbita sua con minore arco.
Durch einen öden Forst – der bitter litt
Durch jene, die vom Wurm sich ließ besiegen –
Und Engelshymnen regelten den Tritt.
Sì passeggiando l'alta selva vòta,
colpa di quella ch'al serpente crese,
temprava i passi un'angelica nota.
Und als so weit, wie dreimal mag durchfliegen
Den Raum ein schneller Pfeil, der Wagen fuhr,
Sah ich, dass Beatrice ihm entstiegen.
Forse in tre voli tanto spazio prese
disfrenata saetta, quanto eramo
rimossi, quando Bëatrice scese.
Da seufzten alle „Adam“ – leise nur,
Indem sie einen Riesenbaum umstanden;
Der wies von Blatt und Blüte keine Spur.
Io senti' mormorare a tutti «Adamo»;
poi cerchiaro una pianta dispogliata
di foglie e d'altra fronda in ciascun ramo.
Gesträubten Haares stand er – und es fanden
Sich aufwärts immer breiter Zweig und Ast;
Fremd wäre solch Gigant selbst Indiens Landen!
La coma sua, che tanto si dilata
più quanto più è sù, fora da l'Indi
ne' boschi lor per altezza ammirata.
„Selig, o Greis, dass du beraubt nicht hast
Den Baum der Früchte, die Geschmack verleihen,
Indes den Bauch nachher ein Grimmen fasst!“
«Beato se', grifon, che non discindi
col becco d'esto legno dolce al gusto,
poscia che mal si torce il ventre quindi».
So klang es um den Baum geschart in Reihen;
„Wird s o verwahrt,“ rief jetzt das Doppeltier,
„Der Same jedes Rechts: er m u s s gedeihen!“
Così dintorno a l'albero robusto
gridaron li altri; e l'animal binato:
«Sì si conserva il seme d'ogne giusto».
Die Deichsel zog der Greis zum Baum – und hier
Band er sie fest an dem verwaisten Stamme,
Draus sie geschnitzt: gab neu die Heimat ihr!
E vòlto al temo ch'elli avea tirato,
trasselo al piè de la vedova frasca,
e quel di lei a lei lasciò legato.
Wie unsre Bäume – wenn die Sonnenflamme
Das Licht dem andern mischt, das sich ergossen
Im Bild der Fische – ihre wundersame
Come le nostre piante, quando casca
giù la gran luce mischiata con quella
che raggia dietro a la celeste lasca,
Verjüngungskraft bewähren, blühn und sprossen,
Sich färben bis ins kleinste Blätterteilchen,
Eh Sol den Stier einholt mit seinen Rossen –
turgide fansi, e poi si rinovella
di suo color ciascuna, pria che 'l sole
giunga li suoi corsier sotto altra stella;
So blühte auf der Baum nach einem Weilchen,
Der saftlos schien und tot: die Rose lieh
Ihr Rot ihm, dann sein kräftig Blau das Veilchen!
men che di rose e più che di vïole
colore aprendo, s'innovò la pianta,
che prima avea le ramora sì sole.
Verständlich war sie nicht, auch hab ich nie
Vorher gehört die Hymne, die sie sangen,
Und ich entschlief vorm Schluss der Melodie.
Io non lo 'ntesi, né qui non si canta
l'inno che quella gente allor cantaro,
né la nota soffersi tutta quanta.
Könnt ich beschreiben, wie den Argus zwangen,
Den mitleidlosen, in des Schlafes Bann
Der Syrinx Töne, die bezaubernd klangen:
S'io potessi ritrar come assonnaro
li occhi spietati udendo di Siringa,
li occhi a cui pur vegghiar costò sì caro;
Wie ich hier einschlief, leicht beschrieb ich’ s dann,
Indem ich’ s wie ein Musterzeichner machte –
Doch wie der Schlaf kommt, male wer da kann!
come pintor che con essempro pinga,
disegnerei com' io m'addormentai;
ma qual vuol sia che l'assonnar ben finga.
Drum sag ich lieber, wie ich jäh erwachte,
Wie mir ein Glanz durchriss das Band des Traumes
Und mich der Ruf „Steh auf!“ ins Leben brachte.
Però trascorro a quando mi svegliai,
e dico ch'un splendor mi squarciò 'l velo
del sonno, e un chiamar: «Surgi: che fai?».
Wie – um das Blühn zu sehn des Apfelbaumes,
Der Engeln spendet heißersehnte Speise
Zum Brautmahl in der Pracht des Sternenraumes,
Quali a veder de' fioretti del melo
che del suo pome li angeli fa ghiotti
e perpetüe nozze fa nel cielo,
Nach Jakobs, Petri und Johannis Weise,
Die wieder auferwachten nach dem Wort,
Das wohl noch tiefern Schlaf reißt aus dem Gleise,
Pietro e Giovanni e Iacopo condotti
e vinti, ritornaro a la parola
da la qual furon maggior sonni rotti,
Und vor sich sahn erstaunt am selben Ort
Den Heiland im veränderten Gewande,
Doch Moses und Elias waren fort -:
e videro scemata loro scuola
così di Moïsè come d'Elia,
e al maestro suo cangiata stola;
So stand ich da, zerriss des Schlummers Bande,
Und sah auf mich geneigt die Führerin,
Die bachhinüber mich gebracht zum Strande.
tal torna' io, e vidi quella pia
sovra me starsi che conducitrice
fu de' miei passi lungo 'l fiume pria.
Bang rief ich: „Wo schwand Beatrice hin?“ –
„Dort ist ihr,“ sprach sie, „wo die Wurzeln breitet
Der Baum, dem neues Laub ward zum Gewinn,
E tutto in dubbio dissi: «Ov' è Beatrice?».
Ond' ella: «Vedi lei sotto la fronda
nova sedere in su la sua radice.
In ihrer Nymphen Schar der Sitz bereitet,
Die andern hat schon, unter süßem Sange
Von tieferm Sinn, der Greis emporgeleitet.“
Vedi la compagnia che la circonda:
li altri dopo 'l grifon sen vanno suso
con più dolce canzone e più profonda».
Nicht weiß ich, ob sie mehr noch und wielange
Gesprochen, weil vorm Auge d i e mir stand,
Die meinen Sinn verschloss all anderm Klange.
E se più fu lo suo parlar diffuso,
non so, però che già ne li occhi m'era
quella ch'ad altro intender m'avea chiuso.
Es hütete, allein, auf heiligem Land,
Den Wagen Beatrice unterm Stamme,
Woran das Zwittertier die Deichsel band,
Sola sedeasi in su la terra vera,
come guardia lasciata lì del plaustro
che legar vidi a la biforme fera.
Und sie umgab gleich einem glühnden Damme
Das Siebenleuchtersternbild; nie vermisst
Sich irdscher Wind, zu löschen seine Flamme!
In cerchio le facevan di sé claustro
le sette ninfe, con quei lumi in mano
che son sicuri d'Aquilone e d'Austro.
„Hier bist du Fremdling nur für kurze Frist,
Um ewig Bürger dann mit mir zu bleiben
In jenem Rom, drin Christus Römer ist.
«Qui sarai tu poco tempo silvano;
e sarai meco sanza fine cive
di quella Roma onde Cristo è romano.
Blick auf den Wagen! denn du sollst beschreiben,
Was du jetzt wahrnimmst, (aber nichts verhehle)
Zum Heil der Welt, wo sie es böslich treiben.“
Però, in pro del mondo che mal vive,
al carro tieni or li occhi, e quel che vedi,
ritornato di là, fa che tu scrive».
So Beatrice. – Ich, von ganzer Seele
Stets ihrem Wort mich beugend auf der Stelle,
Sah jetzt zum Wagen, folgsam dem Befehle.
Così Beatrice; e io, che tutto ai piedi
d'i suoi comandamenti era divoto,
la mente e li occhi ov' ella volle diedi.
Nie raste je der Blitz mit solcher Schnelle
Herab aus Wolken, wenn sie rauschend gossen
Aus höchster Luft des Regens wilde Welle,
Non scese mai con sì veloce moto
foco di spessa nube, quando piove
da quel confine che più va remoto,
Als Jovis Adler kam zum Baum geschossen,
Sich in die Rinde, sie zersplitternd, krallte
Und wild zerhackte Blatt und Blütensprossen,
com' io vidi calar l'uccel di Giove
per l'alber giù, rompendo de la scorza,
non che d'i fiori e de le foglie nove;
Worauf er heftig auf den Wagen prallte,
Dass er sich bog, wie im empörten Meer
Ein Fahrzeug schwankend sucht nach einem Halte.
e ferì 'l carro di tutta sua forza;
ond' el piegò come nave in fortuna,
vinta da l'onda, or da poggia, or da orza.
Drauf schlich ein Füchslein sohlenleis daher,
Sich einzunisten in den Siegeswagen –
Am Fett trug der Verhungerte nicht schwer!
Poscia vidi avventarsi ne la cuna
del trïunfal veiculo una volpe
che d'ogne pasto buon parea digiuna;
Doch wusste ihn die H e r r i n zu verjagen
Mit seines Unrechts Vorwurf eiligst wieder
Soweit, als das Geripp ihn mochte tragen.
ma, riprendendo lei di laide colpe,
la donna mia la volse in tanta futa
quanto sofferser l'ossa sanza polpe.
Jetzt stob noch einmal auf den Wagen nieder
Der Adler, und als er nach oben kehrte,
Blieb ganz bedeckt der Wagen vom Gefieder.
Poscia per indi ond' era pria venuta,
l'aguglia vidi scender giù ne l'arca
del carro e lasciar lei di sé pennuta;
Und wie die Seele stöhnt, die gramverzehrte,
Klagend vom Himmel eine Stimme sprach:
„Welch böse Last, mein Schifflein, dich beschwerte.“
e qual esce di cuor che si rammarca,
tal voce uscì del cielo e cotal disse:
«O navicella mia, com' mal se' carca!».
Und siehe, zwischen beiden Rädern brach
Die Erde, draus ein Drache kam gekrochen,
Der durch den Wagen mit dem Schwanze stach
Poi parve a me che la terra s'aprisse
tr'ambo le ruote, e vidi uscirne un drago
che per lo carro sù la coda fisse;
Und ihn, wie eine Wespe, die gestochen,
Zurückbog; taumelnd zog er dann vom Flecke,
Mitschleppend, was er vom Gestell zerbrochen,
e come vespa che ritragge l'ago,
a sé traendo la coda maligna,
trasse del fondo, e gissen vago vago.
Worauf – vielleicht zu gutem, reinen Zwecke –
Des Wagens Rest mit Federn sich bespann,
Wie saftgem Erdreich wächst die Rasendecke.
Quel che rimase, come da gramigna
vivace terra, da la piuma, offerta
forse con intenzion sana e benigna,
Und schneller, als vom Mund ein Seufzer rann,
Vom Rad zum Deichselbaum des Wagens Breite
Und Länge solch ein Federkleid gewann.
si ricoperse, e funne ricoperta
e l'una e l'altra rota e 'l temo, in tanto
che più tiene un sospir la bocca aperta.
Verwandelt stand das Fahrzeug, das geweihte;
Da wuchsen Häupter ihm – seltsame Zier!
D r e i auf der Deichsel, e i n s an jeder Seite.
Trasformato così 'l dificio santo
mise fuor teste per le parti sue,
tre sovra 'l temo e una in ciascun canto.
Doppeltgehörnt die ersten gleich dem Stier,
Eins wuchs den andern vieren auf der Stirne –
Nie fand man solch ein scheußlich Wundertier!
Le prime eran cornute come bue,
ma le quattro un sol corno avean per fronte:
simile mostro visto ancor non fue.
Und sieh! gleich einer Burg auf hoher Firne
Thront oben stolz ein Weib! Die Augen wendet
Schamlos nach rechts und links die feile Dirne.
Sicura, quasi rocca in alto monte,
seder sovresso una puttana sciolta
m'apparve con le ciglia intorno pronte;
Und, gleichsam ihr zum Schutz und Schirm entsendet,
Seh neben ihr ich einen Riesen stehen –
Der sie umbuhlt, die Kuss auf Kuss ihm spendet.
e come perché non li fosse tolta,
vidi di costa a lei dritto un gigante;
e basciavansi insieme alcuna volta.
Doch als auf mich sich ihre Augen drehen,
Lüstern und dreist, lässt grausam der Gigant
Ihr übern Rücken Geißelhiebe gehen,
Ma perché l'occhio cupido e vagante
a me rivolse, quel feroce drudo
la flagellò dal capo infin le piante;
Worauf er, lösend ihrer Fessel Band,
Mit eifersüchtgem Zorn die Schmerzbedrückte
Tief in den Wald trieb, dessen grüne Wand
poi, di sospetto pieno e d'ira crudo,
disciolse il mostro, e trassel per la selva,
tanto che sol di lei mi fece scudo
Die zwei Unholde gnädig mir entrückte! a la puttana e a la nova belva.
<<< zurück
weiter >>>
Andrés Ehmann | Stephanstraße 11 | D-10559 Berlin