Werbung ausblenden
 

Zu Favoriten...

  Als Startseite...
Deutsch Italienisch Interpretation:

Dreiunddreizigster Gesang:
Zusammenfassung und Deutung


DER LÄUTERUNGSBERG: XXIII Gesang PURGATORIO: XXIII CANTO
Noch zwang’ s mich, in das Laubgewirr zu stieren
Gleich Vogelstellern, die in Fangbegier
Kostbare Stunden pflegen zu verlieren,
Mentre che li occhi per la fronda verde
ficcava ïo sì come far suole
chi dietro a li uccellin sua vita perde,
Anrief mich da, der mehr als Vater mir:
„Mein Sohn! der Frist, die uns vergönnt, gebührte
Wohl besserer Gebrauch, drum fort von hier!“
lo più che padre mi dicea: «Figliuole,
vienne oramai, ché 'l tempo che n'è imposto
più utilmente compartir si vuole».
Ich wandte mich den beiden zu und rührte
Den Fuß geschwinder; ihr Gespräch erklang
So hold, dass ich des Wanderns Müh nicht spürte.
Io volsi 'l viso, e 'l passo non men tosto,
appresso i savi, che parlavan sìe,
che l'andar mi facean di nullo costo.
Horch, da ertönte Klage und Gesang!
„Domine labia mea“ scholl die Weise,
Die mir zu Lust und Leid ins Tiefste drang.
Ed ecco piangere e cantar s'udìe
'Labïa mëa, Domine' per modo
tal, che diletto e doglia parturìe.
„Was hör ich, teurer Vater?“ sprach ich leise,
Und er: „Die Schatten sind’ s, die von den Lasten
Der Buße sich losringen hier im Kreise.“
«O dolce padre, che è quel ch'i' odo?»,
comincia' io; ed elli: «Ombre che vanno
forse di lor dover solvendo il nodo».
Wie Pilger ihres Wegs nachdenklich hasten
Und, wenn sich im Begegnen Fremde zeigen,
Nach ihnen wohl sich umdrehn, doch nicht rasten,
Sì come i peregrin pensosi fanno,
giugnendo per cammin gente non nota,
che si volgono ad essa e non restanno,
So nahte hinter uns ein ganzer Reigen
Andächtigfrommer auf der Felsenklippe,
Die uns bestaunten in tiefernstem Schweigen.
così di retro a noi, più tosto mota,
venendo e trapassando ci ammirava
d'anime turba tacita e devota.
Hohläugig, wangenfahl, blutleer die Lippe,
Und alle ausgemergelt, dass die Haut
Ließ schlotternd sichtbar werden jede Rippe. –
Ne li occhi era ciascuna oscura e cava,
palida ne la faccia, e tanto scema
che da l'ossa la pelle s'informava.
Ob Erisichthon dürrer ausgeschaut,
Als der Verhungerte sich biss ins nackte
Gebein, obwohl ihm selbst davor gegraut?
Non credo che così a buccia strema
Erisittone fosse fatto secco,
per digiunar, quando più n'ebbe tema.
So sah das Volk aus, das Verzweiflung packte
Ob Zion (dacht ich), als auf’ s eigne Kind
Die Mutter wie mit einem Schnabel hackte. –
Io dicea fra me stesso pensando: 'Ecco
la gente che perdé Ierusalemme,
quando Maria nel figlio diè di becco!'.
Wer, weil die Augenhöhlen Ringe sind,
Ein OMO will im Menschenantlitz sehen,
Der fand das M hier deutlich und geschwind.
Parean l'occhiaie anella sanza gemme:
chi nel viso de li uomini legge 'omo'
ben avria quivi conosciuta l'emme.
Wer glaubte – wüsst er nicht, w i e es geschehen –
Dass sie der Duft der Früchte also schwächte?
Dass ihre Dürre ließ der Durst entstehen?
Chi crederebbe che l'odor d'un pomo
sì governasse, generando brama,
e quel d'un'acqua, non sappiendo como?
Ich staunte noch, was sie zum Fasten brächte,
Weil mir nicht kund, welch Unheil sie belade,
Das sich mit Schuppenhaut an ihnen rächte,
Già era in ammirar che sì li affama,
per la cagione ancor non manifesta
di lor magrezza e di lor trista squama,
Da blitzte her zu mir ein Auge grade
Aus abgrundtiefer Höhlung, und dann drang
Der Ausruf mir ans Ohr: „O welche Gnade!“
ed ecco del profondo de la testa
volse a me li occhi un'ombra e guardò fiso;
poi gridò forte: «Qual grazia m'è questa?».
Da prüfte ich den Rufer ernst und lang,
Doch seine Züge wurden mir nicht kenntlich,
Bis die Erinnrung durch der Stimme Klang
Mai non l'avrei riconosciuto al viso;
ma ne la voce sua mi fu palese
ciò che l'aspetto in sé avea conquiso.
Mir wachgerufen ward, bis dann verständlich
Das Äußre sprach des, der voll grindger Flecken,
Bis ich in ihm Donat erkannte endlich.
Questa favilla tutta mi raccese
mia conoscenza a la cangiata labbia,
e ravvisai la faccia di Forese.
„Lass diese trocknen Schuppen dich nicht schrecken,“
Nahm Freund Forese kläglich drauf das Wort,
„Noch dass mich Fleisch und Muskeln nicht mehr decken!
«Deh, non contendere a l'asciutta scabbia
che mi scolora», pregava, «la pelle,
né a difetto di carne ch'io abbia;
Sag mir, wer sind die beiden Seelen dort?
Und wie geschieht’ s, dass ihnen du vereint?
O sage mir’ s – nicht schweigend gehe fort!“ –
ma dimmi il ver di te, dì chi son quelle
due anime che là ti fanno scorta;
non rimaner che tu non mi favelle!».
„Dein Antlitz, das ich längst als tot beweint,“
Versetzt ich, „zwingt nicht minder mich zu Klagen,
Da mir das blühnde so entstellt erscheint.
«La faccia tua, ch'io lagrimai già morta,
mi dà di pianger mo non minor doglia»,
rispuos' io lui, «veggendola sì torta.
Beim Himmel, sprich! Was hat euch so geschlagen?
Nicht m i c h lass sprechen, weil erstaunt ich stehe –
Ungern gibt Antwort, wen es drängt zu Fragen.“
Però mi dì, per Dio, che sì vi sfoglia;
non mi far dir mentr' io mi maraviglio,
ché mal può dir chi è pien d'altra voglia».
Er sprach: „Der Ewge schickt uns solches Wehe!
Dies Wasser lässt er eine Kraft durchdringen
Und diesen Baum, durch die ich so vergehe.
Ed elli a me: «De l'etterno consiglio
cade vertù ne l'acqua e ne la pianta
rimasa dietro, ond' io sì m'assottiglio.
Uns allen, die hier weinend Psalmen singen,
Soll diese Kraft nach wüstem Schlemmerleben
Durch Durst und Hungersqual Erlösung bringen.
Tutta esta gente che piangendo canta
per seguitar la gola oltra misura,
in fame e 'n sete qui si rifà santa.
Der Früchte Duft, die dort verlockend schweben,
Der muntre Sprudel lässt in uns entbrennen
Nach Speis und Trank ein unbezähmbar Streben,
Di bere e di mangiar n'accende cura
l'odor ch'esce del pomo e de lo sprazzo
che si distende su per sua verdura.
Das uns, so oft wir diesen Kreis durchrennen,
Zu neuer Qual wird: aber ich getröste
Mich des, denn Labsal muss die Qual ich nennen,
E non pur una volta, questo spazzo
girando, si rinfresca nostra pena:
io dico pena, e dovria dir sollazzo,
Weil uns zum Baum führt Sehnsucht, drob der Größte
Des Himmels, Jesuschrift, mit frohem Munde
Sein Eli rief, als uns sein Blut erlöste.“
ché quella voglia a li alberi ci mena
che menò Cristo lieto a dire 'Elì',
quando ne liberò con la sua vena».
Ich sprach: „Forese, bis zur heutgen Stunde,
Seit dich der Herr zur bessern Welt erwählte
Sank noch kein Lustrum hin im Zeitengrunde.
E io a lui: «Forese, da quel dì
nel qual mutasti mondo a miglior vita,
cinqu' anni non son vòlti infino a qui.
Wenn nun der sündge Trieb dich nicht mehr quälte,
Wenn dir die Kraft gebrach, eh Reue kam,
Die dich aufs neu mit unserm Gott vermählte,
Se prima fu la possa in te finita
di peccar più, che sovvenisse l'ora
del buon dolor ch'a Dio ne rimarita,
Wer war’ s denn, sprich, der hier hinauf dich nahm?
Dass du noch tiefer weiltest, sollt ich meinen,
Wo Zeitverlust man sühnt durch Wartensgram!“ –
come se' tu qua sù venuto ancora?
Io ti credea trovar là giù di sotto,
dove tempo per tempo si ristora».
„Ich dank es meiner Nella Flehn und Weinen,
Dass ich hierher entrückt ward vor der Zeit,
Wo süß mir diese Wermuttropfen scheinen.
Ond' elli a me: «Sì tosto m'ha condotto
a ber lo dolce assenzo d'i martìri
la Nella mia con suo pianger dirotto.
Durch Seufzen und inbrünstig Herzeleid
Hat sie dem Strand des Harrens mich entzogen
Und von den untern Kreisen mich befreit.
Con suoi prieghi devoti e con sospiri
tratto m'ha de la costa ove s'aspetta,
e liberato m'ha de li altri giri.
Und meiner Witwe umso mehr gewogen
Ist Gott, ihr, die mir höchste Wonne hieß,
Als sie der Tugend fast allein gepflogen.
Tanto è a Dio più cara e più diletta
la vedovella mia, che molto amai,
quanto in bene operare è più soletta;
Denn die Sardinische Barbagia wies
Nie Frauen auf, so schamlos anzuschauen,
Als d i e Barbagia, wo ich sie verließ.
ché la Barbagia di Sardigna assai
ne le femmine sue più è pudica
che la Barbagia dov' io la lasciai.
O teurer Bruder, darf ich dir’ s vertrauen?
Ich seh – nicht allzu fern den heutgen Tagen –
Ich seh den Morgen für Florenz schon grauen,
O dolce frate, che vuo' tu ch'io dica?
Tempo futuro m'è già nel cospetto,
cui non sarà quest' ora molto antica,
Wo von den Kanzeln man wird untersagen,
Dass frecher Mode sich die Frauen fügen
Und tiefenthüllt zur Schau die Brüste tragen.
nel qual sarà in pergamo interdetto
a le sfacciate donne fiorentine
l'andar mostrando con le poppe il petto.
Erließen Staat und Kirche jemals Rügen
Und Strafandrohung, dass nicht Heidenfrauen
Und Türkenmädchen nackt den Busen trügen?
Quai barbare fuor mai, quai saracine,
cui bisognasse, per farle ir coperte,
o spiritali o altre discipline?
O könnten doch die Schamvergessnen schauen,
Was sich am Himmel drohend für sie ballt,
Sie heulten offnen Mundes schon vor Grauen.
Ma se le svergognate fosser certe
di quel che 'l ciel veloce loro ammanna,
già per urlare avrian le bocche aperte;
Und täuscht mich nicht mein Seherblick, so schallt
Die Klage schon, eh sich beflaumt die Wange
Des Säuglings, der jetzt Eipopei noch lallt!
ché, se l'antiveder qui non m'inganna,
prima fien triste che le guance impeli
colui che mo si consola con nanna.
Doch, Bruder, sprich und birg dich nicht so lange,
Du siehst, wie alle herzuschaun beginnen,
Weil du die Sonne deckst am Felsenhange.“ –
Deh, frate, or fa che più non mi ti celi!
vedi che non pur io, ma questa gente
tutta rimira là dove 'l sol veli».
„O Freund,“ sprach ich, „willst du dich noch besinnen,
Wie dir und mir so mancher Tag entschwand,
So wirst du schwerlich Freude dran gewinnen.
Per ch'io a lui: «Se tu riduci a mente
qual fosti meco, e qual io teco fui,
ancor fia grave il memorar presente.
Doch kürzlich hat von solchem nichtgen Tand,
Der vor mir hergeht, abgelenkt mich wieder,
Als deren Bruder voll am Himmel stand –
Di quella vita mi volse costui
che mi va innanzi, l'altr' ier, quando tonda
vi si mostrò la suora di colui»,
(Zur Sonne wies ich) – er hat mich hernieder
Geleitet durch die wahre Todesnacht,
Und willig folgten diese Menschenglieder.
e 'l sol mostrai; «costui per la profonda
notte menato m'ha d'i veri morti
con questa vera carne che 'l seconda.
Hilfreich hat er mich dann emporgebracht,
Um hier den Berg der Läutrung zu umkreisen,
Der die Gebeugten wieder aufrecht macht.
Indi m'han tratto sù li suoi conforti,
salendo e rigirando la montagna
che drizza voi che 'l mondo fece torti.
Den Weg verhieß er mir so lang zu weisen,
Bis ich in Beatricens Glanze bin –
Dann muss ich ohne ihn zwar weiterreisen.
Tanto dice di farmi sua compagna
che io sarò là dove fia Beatrice;
quivi convien che sanza lui rimagna.
Der mir bis dahin tröstet Herz und Sinn,
Das ist V i r g i l - der andre ist der Schatten,
Um den erbebte euer Berg vorhin,
Virgilio è questi che così mi dice»,
e addita'lo; «e quest' altro è quell' ombra
per cuï scosse dianzi ogne pendice
Als eure Reiche ihn entlassen hatten.“ lo vostro regno, che da sé lo sgombra».
<<< zurück
weiter >>>
Andrés Ehmann | Stephanstraße 11 | D-10559 Berlin