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Deutsch Italienisch Interpretation:

Zwanzigster Gesang: Zusammenfassung und Deutung

DER LÄUTERUNGSBERG: XX Gesang PURGATORIO: XX CANTO
Schlecht kämpft der Wille gegen stärkern Willen,
Und mir gefiel es schlecht, ihm zu Gefallen
Den Quell zu fliehn und nicht den Durst zu stillen.
Contra miglior voler voler mal pugna;
onde contra 'l piacer mio, per piacerli,
trassi de l'acqua non sazia la spugna.
Wir gingen hart entlang den Felsenhallen,
Wo frei der Weg, als wäre dies Gestade
Ein Festungsweg, den Mauern hoch umwallen.
Mossimi; e 'l duca mio si mosse per li
luoghi spediti pur lungo la roccia,
come si va per muro stretto a' merli;
Denn jenes Volk, das hier im Tränenbade
Das Laster fortwäscht, das regiert auf Erden,
Belagerte zu dicht die äußern Pfade. –
ché la gente che fonde a goccia a goccia
per li occhi il mal che tutto 'l mondo occupa,
da l'altra parte in fuor troppo s'approccia.
Verflucht, uralte Wölfin, sollst du werden,
Die mehr in ungestillter Fraßgier raubt,
Als sonst ein Raubtier Schaden bringt den Herden.
Maladetta sie tu, antica lupa,
che più che tutte l'altre bestie hai preda
per la tua fame sanza fine cupa!
O Himmel, dessen Kreislauf, wie man glaubt,
Wandlung bewirkt an allen Erdendingen,
Wann kommt, der niedertritt dein trotzig Haupt? –
O ciel, nel cui girar par che si creda
le condizion di qua giù trasmutarsi,
quando verrà per cui questa disceda?
Als wir gemessen so und langsam gingen,
Begann aufs neu das jammervolle Flehen
Betrübter Schatten auf mich einzudringen.
Noi andavam con passi lenti e scarsi,
e io attento a l'ombre, ch'i' sentia
pietosamente piangere e lagnarsi;
Der Zufall ließ mich einiges verstehen.
„Süße Maria“ – seufzte da ein Wesen
So schmerzlich wie ein Weib in Kindeswehen.
e per ventura udi' «Dolce Maria!»
dinanzi a noi chiamar così nel pianto
come fa donna che in parturir sia;
Und dann – „du warst zur Armut auserlesen,
Wie jene Herberg es uns lehren kann,
Drin du von deiner heilgen Last genesen –„
e seguitar: «Povera fosti tanto,
quanto veder si può per quello ospizio
dove sponesti il tuo portato santo».
Und endlich noch – „Fabricius, edler Mann,
Dich zog kein goldbetünchtes Lasterleben,
Tugend gepaart mit Anmut zog dich an!“
Seguentemente intesi: «O buon Fabrizio,
con povertà volesti anzi virtute
che gran ricchezza posseder con vizio».
Die Worte zeugten mir von edlem Streben
Und trieben mich, den Sprecher auszufinden,
Hoffend, er werde weitre Auskunft geben.
Queste parole m'eran sì piaciute,
ch'io mi trassi oltre per aver contezza
di quello spirto onde parean venute.
Er sprach indem noch von den Angebinden,
Die Nikolaus gemacht den Mägdelein,
Dass ihre Ehrbarkeit nicht möge schwinden.
Esso parlava ancor de la larghezza
che fece Niccolò a le pulcelle,
per condurre ad onor lor giovinezza.
„Der du so trefflich lobsingst,“ fiel ich ein,
„Wer bist du, Seele, und aus welchem Grunde
Erneust du altes Lob – und du allein?
«O anima che tanto ben favelle,
dimmi chi fosti», dissi, «e perché sola
tu queste degne lode rinovelle.
Vergelten lass mich’ s dir durch diese Kunde:
Kehr ich zur Heimat, will ich dir’ s gedenken
Vor meines flüchtgen Lebens letzter Stunde.“ –
Non fia sanza mercé la tua parola,
s'io ritorno a compiér lo cammin corto
di quella vita ch'al termine vola».
„Nicht der Verspruch von irdischen Geschenken,“
Sprach er, „löst mir den Mund; vielmehr die Gnade,
Die Gott sich ließ auf den Lebendgen senken.
Ed elli: «Io ti dirò, non per conforto
ch'io attenda di là, ma perché tanta
grazia in te luce prima che sie morto.
Ich bin des Giftbaums Wurzel, der die Pfade
Des Christenlands beschattet weit und breit,
Dass ihm erwächst statt guter F r u c h t nur Schade!
Io fui radice de la mala pianta
che la terra cristiana tutta aduggia,
sì che buon frutto rado se ne schianta.
Doch wäre längst der Rachestrahl bereit,
Wär Lille, Gent, Brügge und Douais zur Hand -:
Von Gott erfleh ich dies mit Brünstigkeit!
Ma se Doagio, Lilla, Guanto e Bruggia
potesser, tosto ne saria vendetta;
e io la cheggio a lui che tutto giuggia.
Ich wurde Hugo Capet einst genannt;
Die Ludwigs und die Philipps, meine Sprossen,
Sind Könige neuerdings im Frankenland.
Chiamato fui di là Ugo Ciappetta;
di me son nati i Filippi e i Luigi
per cui novellamente è Francia retta.
Von einem Fleischer aus Paris entsprossen,
Sah ich der Könige altes Stammhaus enden;
Den letzten hielt ein Mönchsgewand umschlossen.
Figliuol fu' io d'un beccaio di Parigi:
quando li regi antichi venner meno
tutti, fuor ch'un renduto in panni bigi,
Da griff ich nach dem Zaum mit festen Händen!
Durch Freundschaft stark, erfolgreich im Erwerben,
Kam ich empor und wusst es s o zu wenden,
trova'mi stretto ne le mani il freno
del governo del regno, e tanta possa
di nuovo acquisto, e sì d'amici pieno,
Dass die verwaiste Krone meinem Erben
Zuteil ward; und aus dessen Samen sprossen
All die ‚G e s a l b t e n’ – mag sie Gott verderben!
ch'a la corona vedova promossa
la testa di mio figlio fu, dal quale
cominciar di costor le sacrate ossa.
Seit sie die Mitgift der Provence genossen,
Schwand den Bedeutungslosen bald die Scham,
Bis dass ihr Übermut ins Kraut geschossen.
Mentre che la gran dota provenzale
al sangue mio non tolse la vergogna,
poco valea, ma pur non facea male.
Nun hielt sich das Geschlecht nicht länger zahm,
Log, trog und raubte dreist, bis es – z u r B u ß e !
Ponthieu, Gascogne und Normandie sich nahm.
Lì cominciò con forza e con menzogna
la sua rapina; e poscia, per ammenda,
Pontì e Normandia prese e Guascogna.
Herabkam Karl nach Welschland und – z u r B u ß e !
Ließ Konradin er sterben, schickte dann
Ins Paradies Sankt Thomas – auch z u r B u ß e !
Carlo venne in Italia e, per ammenda,
vittima fé di Curradino; e poi
ripinse al ciel Tommaso, per ammenda.
Schon seh ich einen andern Karl heran
Aus Frankreich ziehn, ach! und wie d e r beschaffen
Und seine Schar, man bald erkennen kann!
Tempo vegg' io, non molto dopo ancoi,
che tragge un altro Carlo fuor di Francia,
per far conoscer meglio e sé e ' suoi.
Wehrlos kommt er und führt sonst keine Waffen,
Ischariots Lanze nur schwingt seine Hand,
Doch s o , dass dir, Florenz, die Flanken klaffen.
Sanz' arme n'esce e solo con la lancia
con la qual giostrò Giuda, e quella ponta
sì, ch'a Fiorenza fa scoppiar la pancia.
Er erntet Schuld und Schande, doch kein Land,
Das drückt ihn einst mit um so größrer Schwere,
Je mehr er heut den Schaden hält für Tand.
Quindi non terra, ma peccato e onta
guadagnerà, per sé tanto più grave,
quanto più lieve simil danno conta.
Der dritte Karl, gefangen jüngst am Meere,
Verkauft sein Kind – so schachern die Korsaren
Um Sklavenmädchen – ohne Scham und Ehre!
L'altro, che già uscì preso di nave,
veggio vender sua figlia e patteggiarne
come fanno i corsar de l'altre schiave.
O Habgier, kannst du ärger noch verfahren,
Seit du mein Blut bezwangst, dir anzuhangen,
Dass es mit Kindern handelt wie mit Waren!
O avarizia, che puoi tu più farne,
poscia c'ha' il mio sangue a te sì tratto,
che non si cura de la propria carne?
Ich seh die Lilien in Alagna prangen
Und, künftge Übeltaten auszustechen,
Im Stellvertreter Jesuschrift gefangen.
Perché men paia il mal futuro e 'l fatto,
veggio in Alagna intrar lo fiordaliso,
e nel vicario suo Cristo esser catto.
Von Spöttern seh ich ihn umringt, von frechen,
Und Essig kosten wiederum und Galle,
Seh zwischen Schächern dann sein Auge brechen,
Veggiolo un'altra volta esser deriso;
veggio rinovellar l'aceto e 'l fiele,
e tra vivi ladroni esser anciso.
Seh auch des neueren Pilatus Kralle
Nach Kirchengut sich strecken, seh ihn tragen
Der Habgier Banner in die Tempelhalle.
Veggio il novo Pilato sì crudele,
che ciò nol sazia, ma sanza decreto
portar nel Tempio le cupide vele.
O Herr, wann hör ich froh die Stunde schlagen,
Die du zur Sänftigung des Zorns verschoben,
Die Stunde, wo da wird die Rache tagen?
O Segnor mio, quando sarò io lieto
a veder la vendetta che, nascosa,
fa dolce l'ira tua nel tuo secreto?
Was du mich an der B r a u t hast hören loben
Des heilgen Geistes, drauf der Wunsch in dir
Entstand, bei mir Erklärung zu erproben.
Ciò ch'io dicea di quell' unica sposa
de lo Spirito Santo e che ti fece
verso me volger per alcuna chiosa,
Das bildet der Gebete Inhalt hier
Bei Tag – doch steigt die Nacht vom Sternenäther,
So klagen von den Gegensätzen wir:
tanto è risposto a tutte nostre prece
quanto 'l dì dura; ma com' el s'annotta,
contrario suon prendemo in quella vece.
Dann wird Pygmalion, der Übeltäter,
Betrachtet, den die Gier nach Gold zum Dieb,
Zum Brudermörder machte und Verräter;
Noi repetiam Pigmalïon allotta,
cui traditore e ladro e paricida
fece la voglia sua de l'oro ghiotta;
Dann Midas, dem der gleiche schmutzge Trieb
Solch lächerliches Elend eingetragen,
Dass er bis heute ein Gespötte blieb.
e la miseria de l'avaro Mida,
che seguì a la sua dimanda gorda,
per la qual sempre convien che si rida.
Auch weiß vom Achan jeder hier zu sagen,
Der frech die Beute stahl, dass Josuas Hand
Noch heut ihn zürnend scheint hier zu erschlagen.
Del folle Acàn ciascun poi si ricorda,
come furò le spoglie, sì che l'ira
di Iosüè qui par ch'ancor lo morda.
Saphira und ihr Gatte wird genannt
Mit Schimpf, mit Lob der Sturz des Heliodor –
Und schmachbedeckt wird rings dem Berg bekannt
Indi accusiam col marito Saffira;
lodiam i calci ch'ebbe Elïodoro;
e in infamia tutto 'l monte gira
Des Polymnestors Mord an Polydor.
Dann rufen wir am Schlusse: ‚Krassus, sprich:
Wie schmeckt das Gold? Du weißt es, armer Tor.’
Polinestòr ch'ancise Polidoro;
ultimamente ci si grida: "Crasso,
dilci, che 'l sai: di che sapore è l'oro?".
So laut und leise pflanzt hier weiter sich
Abscheu und Lob, ganz wie uns überkommen
Bald heftig das Gefühl, bald sänftiglich.
Talor parla l'uno alto e l'altro basso,
secondo l'affezion ch'ad ir ci sprona
ora a maggiore e ora a minor passo:
Und nicht nur i c h war’s, der vorhin die frommen
Beispiele pries, ich tat mit lauterm Klang
Dies nur, drum hast du m i c h allein vernommen.“ –
però al ben che 'l dì ci si ragiona,
dianzi non era io sol; ma qui da presso
non alzava la voce altra persona».
So eifrig als es unsrer Kraft gelang,
Dass bald nichts mehr vom Geiste war zu sehen,
Beschleunigten wir unsrer Schritte Gang.
Noi eravam partiti già da esso,
e brigavam di soverchiar la strada
tanto quanto al poder n'era permesso,
Da zitterte, als wollt er untergehen,
Der Berg im Tiefsten; Furcht durchgraute mich
Wie einen, der den Tod sieht vor sich stehen.
quand' io senti', come cosa che cada,
tremar lo monte; onde mi prese un gelo
qual prender suol colui ch'a morte vada.
So heftig schüttelte nicht Delos sich,
Eh, beide Himmelsaugen zu gebären,
Latona dort ins sichre Nest entwich;
Certo non si scoteo sì forte Delo,
pria che Latona in lei facesse 'l nido
a parturir li due occhi del cielo.
Und lauter Ruf erklang durch alle Sphären.
Beruhigt aber ward ich da durch ihn:
„Ich führe dich – nicht brauchst du Furcht zu nähren.“
Poi cominciò da tutte parti un grido
tal, che 'l maestro inverso me si feo,
dicendo: «Non dubbiar, mentr' io ti guido».
Und „gloria in excelsis deo“ schrien
Sie alle, wenn mein Ohr das recht verstanden,
Was nur in nächster Nähe deutlich schien.
'Glorïa in excelsis' tutti 'Deo'
dicean, per quel ch'io da' vicin compresi,
onde intender lo grido si poteo.
Wir standen reglos lauschend wie in Banden,
Den Hirten gleich, die dies zuerst vernommen,
Bis dass der Erdstoß und die Stimmen schwanden.
No' istavamo immobili e sospesi
come i pastor che prima udir quel canto,
fin che 'l tremar cessò ed el compiési.
Als auf den Heilsweg wir zurück gekommen,
Sahn wir am Boden mit gewohnten Tränen
Die Schatten wieder leid- und furchtbeklommen.
Poi ripigliammo nostro cammin santo,
guardando l'ombre che giacean per terra,
tornate già in su l'usato pianto.
Trübt mein Gedächtnis nicht ein irrig Wähnen,
So stritt Unwissenheit und Wissbegier
Sich nie in meiner Brust mit schärfern Zähnen,
Nulla ignoranza mai con tanta guerra
mi fé desideroso di sapere,
se la memoria mia in ciò non erra,
Und niemals heftger war mein Durst als hier.
Doch da er eilte, wagt ich keine Fragen,
Und wusste dennoch keinen Aufschluss mir –
quanta pareami allor, pensando, avere;
né per la fretta dimandare er' oso,
né per me lì potea cosa vedere:
So schritt ich in Gedanken und voll Zagen. così m'andava timido e pensoso.
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