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Deutsch Italienisch Interpretation:
   Vierzehnter Gesang:
   Zusammenfassung und Deutung

DER LÄUTERUNGSBERG: XIV Gesang PURGATORIO: XIV CANTO
„Wer ist es, der hier unsern Berg umschreitet,
Eh ihn der Tod beschwingt? der nach Behagen
Die Augen bald verschließt, bald wieder weitet?“ –
«Chi è costui che 'l nostro monte cerchia
prima che morte li abbia dato il volo,
e apre li occhi a sua voglia e coverchia?».
„Ich kann nur, dass er nicht allein ist, sagen,
Nicht, wer es ist; doch da er näher d i r ,
Magst du ihn, dass er rede, freundlich fragen.“
«Non so chi sia, ma so ch'e' non è solo;
domandal tu che più li t'avvicini,
e dolcemente, sì che parli, acco'lo».
So sprachen über mich zwei Geister hier;
Sie saßen rechts, das Haupt einander neigend,
Und hoben’ s nun zum Anruf auf zu mir.
Così due spirti, l'uno a l'altro chini,
ragionavan di me ivi a man dritta;
poi fer li visi, per dirmi, supini;
Ein Geist rief: „Die du himmelaufwärts-steigend
Hier weilst, o Seele, noch vom Staub umfangen,
Sprich mitleidsvoll, verhalte dich nicht schweigend:
e disse l'uno: «O anima che fitta
nel corpo ancora inver' lo ciel ten vai,
per carità ne consola e ne ditta
Wer bist du? und wer ließ dich hergelangen?
Als Wunder, nie erlebt, füllt uns die Gnade,
Die Gott dir gab, mit staunendem Erbangen.“
onde vieni e chi se'; ché tu ne fai
tanto maravigliar de la tua grazia,
quanto vuol cosa che non fu più mai».
Und ich: „Quer durch Toskana zieht die Pfade
Ein Flüsschen, das dem Falteron entspringt
Und hundert Meilen braucht bis zum Gestade.
E io: «Per mezza Toscana si spazia
un fiumicel che nasce in Falterona,
e cento miglia di corso nol sazia.
Dorther mein Leib stammt, der hier aufwärts dringt;
Doch unnütz wär’s, zu sagen, wer ich bin,
Weil noch bedeutend nicht mein Name klingt.“ –
Di sovr' esso rech' io questa persona:
dirvi ch'i' sia, saria parlare indarno,
ché 'l nome mio ancor molto non suona».
„Begreif ich richtig deiner Rede Sinn,
Meinst du den Arno“ – so hielt mir entgegen
Der Geist, der als der erste sprach vorhin,
«Se ben lo 'ntendimento tuo accarno
con lo 'ntelletto», allora mi rispuose
quei che diceva pria, «tu parli d'Arno».
Worauf der zweite flüsterte: „Weswegen
Vermied er’s nur, den Namen zu verkünden?
Kann solchen Abscheu ihm der Fluss erregen?“
E l'altro disse lui: «Perché nascose
questi il vocabol di quella riviera,
pur com' om fa de l'orribili cose?».
Und der Befragte sprach: „Wer will’s ergründen?
Doch wohlverdient wär’s, wenn der Name schwände
Des Tales; denn von dort an, wo sich ründen
E l'ombra che di ciò domandata era,
si sdebitò così: «Non so; ma degno
ben è che 'l nome di tal valle pèra;
Des Hochgebirges quellenfeuchte Wände
Und sich Pelor abtrennt im steilen Schusse,
Dass sonst kein Ort so wasserreich sich fände,
ché dal principio suo, ov' è sì pregno
l'alpestro monte ond' è tronco Peloro,
che 'n pochi luoghi passa oltra quel segno,
Bis dahin, wo er neuersetzt im Gusse,
Was aus der Meerflut sog der Himmel schon,
Von der die Nahrung herstammt jedem Flusse –
infin là 've si rende per ristoro
di quel che 'l ciel de la marina asciuga,
ond' hanno i fiumi ciò che va con loro,
Dort wird verfolgt die Tugend und geflohn
Gleich einer Viper, sei es, dass hier wirke
Des Ortes Fluch, sei’s arger Sitten Lohn.
vertù così per nimica si fuga
da tutti come biscia, o per sventura
del luogo, o per mal uso che li fruga:
Der Völker Lebensart ward im Bezirke
Des Tales drob verderbt in solchem Maße,
Als weideten sie auf dem Feld der Kirke.
ond' hanno sì mutata lor natura
li abitator de la misera valle,
che par che Circe li avesse in pastura.
Zu wüsten Schweinen, die vom E i c h e l fraße
Sich nähren sollten, statt von M e n s c h e n speise,
Lenkt er zuerst die wasserarme Straße.
Tra brutti porci, più degni di galle
che d'altro cibo fatto in uman uso,
dirizza prima il suo povero calle.
Dann trifft er Kläffer, die in feiger Weise
Mehr bellen, als sie Mut zum Beißen haben,
Und kehrt verächtlich sich in weitem Kreise.
Botoli trova poi, venendo giuso,
ringhiosi più che non chiede lor possa,
e da lor disdegnosa torce il muso.
Nachdem ihm Nebenflüsse Zuwachs gaben,
Sieht im Gefälle Wölfe rings aus Hunden
Entstehn der fluchbeladne Unglücksgraben,
Vassi caggendo; e quant' ella più 'ngrossa,
tanto più trova di can farsi lupi
la maladetta e sventurata fossa.
Der sich nun abwärts bohrt in tiefen Schrunden,
Wo Füchse hausen, trügrisch von Gelüste,
Die noch kein fremder Witz hat überwunden.
Discesa poi per più pelaghi cupi,
trova le volpi sì piene di froda,
che non temono ingegno che le occùpi.
Nicht schweig ich, ob’s auch dieser hören müsste;
Was sich prophetisch meinem Geist enthüllt,
Ist lehrreich jedem Lauscher, dass er’s wüsste.
Né lascerò di dir perch' altri m'oda;
e buon sarà costui, s'ancor s'ammenta
di ciò che vero spirto mi disnoda.
Schon hör ich, wie der Wölfe Rudel brüllt,
Weil sie dein Enkel jagt im Zeitvertreibe
Am Unglücksstrom, dass alle Schreck erfüllt.
Io veggio tuo nepote che diventa
cacciator di quei lupi in su la riva
del fiero fiume, e tutti li sgomenta.
Ihr Fleisch verkauft er bei lebendgem Leibe,
Dann schlachtet er sie ab gleich altem Viehe,
Ob auch nur Schmach dem Massenschlächter bleibe.
Vende la carne loro essendo viva;
poscia li ancide come antica belva;
molti di vita e sé di pregio priva.
Den Wald verlässt er blutbespritzt – und siehe:
So kahl steht er, dass ihm in tausend Jahren
Das Laub wohl nimmer so wie einst gediehe!“ –
Sanguinoso esce de la trista selva;
lasciala tal, che di qui a mille anni
ne lo stato primaio non si rinselva».
Wie bei der Botschaft drohender Gefahren
Des Hörers Antlitz ängstlich sich verstört,
Woher auch sei der Angriff zu gewahren,
Com' a l'annunzio di dogliosi danni
si turba il viso di colui ch'ascolta,
da qual che parte il periglio l'assanni,
So stand der andre Schatten schmerzempört;
Durch sein Gesicht sah ich Bestürzung gehen,
Als er die Prophezeiung angehört.
così vid' io l'altr' anima, che volta
stava a udir, turbarsi e farsi trista,
poi ch'ebbe la parola a sé raccolta.
Was ich von d e m vernahm, von d e m gesehen,
Machte mir ihre Namen wissenswert,
Drum gab ich’ s ihnen höflich zu verstehen.
Lo dir de l'una e de l'altra la vista
mi fer voglioso di saper lor nomi,
e dimanda ne fei con prieghi mista;
Und dessen Worte mich zuerst belehrt,
Begann: „Ich soll dir geben, wie du meinst,
Was du mir selbst vor kurzem erst verwehrt?
per che lo spirto che di pria parlòmi
ricominciò: «Tu vuo' ch'io mi deduca
nel fare a te ciò che tu far non vuo'mi.
Doch will ich nicht, da du erfüllt mir scheinst
Von Gottes Gnade, mit der Antwort kargen;
Vernimm: Guido del Duca hieß ich einst.
Ma da che Dio in te vuol che traluca
tanto sua grazia, non ti sarò scarso;
però sappi ch'io fui Guido del Duca.
Mein Blut war so verbrannt vom Neid, dem argen,
Dass meine Wangen, sah ich Menschen froh
Im Glück, der Missgunst Blässe nicht verbargen.
Fu il sangue mio d'invidia sì rïarso,
che se veduto avesse uom farsi lieto,
visto m'avresti di livore sparso.
Aus solcher Saat erwuchs mir solches Stroh;
Was hängt an Gütern, die nur immer e i n e r
Genießen kann, das Herz euch Menschen so?
Di mia semente cotal paglia mieto;
o gente umana, perché poni 'l core
là 'v' è mestier di consorte divieto?
Vom Hause Calboli siehst du hier Rainer;
Von dessen Jugend aber, dessen Ehre
Ererbte gleichen Ruhm und Adel keiner.
Questi è Rinier; questi è 'l pregio e l'onore
de la casa da Calboli, ove nullo
fatto s'è reda poi del suo valore.
Ach, zwischen Reno, Po, Gebirg und Meere
Ist nicht s e i n Haus allein beraubt zu schauen
All dessen, was zur Freude dient und Lehre.
E non pur lo suo sangue è fatto brullo,
tra 'l Po e 'l monte e la marina e 'l Reno,
del ben richesto al vero e al trastullo;
Von Wurzeln giftger Sträucher sind die Auen
Durchwuchert dort, und nutzlos wär’ s gehandelt,
Das Land zu roden und neu anzubauen.
ché dentro a questi termini è ripieno
di venenosi sterpi, sì che tardi
per coltivare omai verrebber meno.
Die Zeit, wo Lizio und Mainard gewandelt,
Carpigna, Traversar: sie ist vergangen,
Zum Bastard ist der Romagnol verschandelt!
Ov' è 'l buon Lizio e Arrigo Mainardi?
Pier Traversaro e Guido di Carpigna?
Oh Romagnuoli tornati in bastardi!
Kann heut ein Fabbro in Bologna prangen?
Kann in Faenzas Bann ein Bernardin (Doppelpunkt –Faenza – auf dem e)
Aus niederm Keim zum Glanze noch gelangen?
Quando in Bologna un Fabbro si ralligna?
quando in Faenza un Bernardin di Fosco,
verga gentil di picciola gramigna?
Nicht wundre dich’ s, dass Tränen mir entfliehn,
O Tuscier, wenn ich an Prata denke
Und, ach, an unsern teuern Ugolin,
Non ti maravigliar s'io piango, Tosco,
quando rimembro, con Guido da Prata,
Ugolin d'Azzo che vivette nosco,
Dann mein Gedächtnis auf Tignoso lenke,
Auf’ s Haus der Traversar und Anastage
Samt dem verderbten Nachwuchs – mich versenke
Federigo Tignoso e sua brigata,
la casa Traversara e li Anastagi
(e l'una gente e l'altra è diretata),
Erinnernd an die Zeit bewegter Tage
Mit Minnedienst, Turnier und Ritterpflicht,
Wo jetzt ob arger Herzen schallt die Klage.
le donne e ' cavalier, li affanni e li agi
che ne 'nvogliava amore e cortesia
là dove i cuor son fatti sì malvagi.
O Bertinor, warum entfliehst du nicht,
Da deine Edeln dir den Rücken kehren
Samt vielem Volk aus Furcht vorm Strafgericht?
O Bretinoro, ché non fuggi via,
poi che gita se n'è la tua famiglia
e molta gente per non esser ria?
Bagnacaval tut wohl, nicht zu vermehren
Sein Volk, doch Conio lässt und Castrocar
Die Zeugung solcher Grafen sich nicht wehren.
Ben fa Bagnacaval, che non rifiglia;
e mal fa Castrocaro, e peggio Conio,
che di figliar tai conti più s'impiglia.
Recht werden die Paganer tun – erst zwar
Verrecken muss ihr Satan; doch nicht einer
Bleibt übrig, der an Nachruhm rein und klar.
Ben faranno i Pagan, da che 'l demonio
lor sen girà; ma non però che puro
già mai rimagna d'essi testimonio.
Doch Ugolin von Cinsriguano,
Gedenkt man stolz! Denn deinen Ruf entehrt
Bis heut kein Sohn: weil dir beschieden keiner!
O Ugolin de' Fantolin, sicuro
è 'l nome tuo, da che più non s'aspetta
chi far lo possa, tralignando, scuro.
Doch geh, Toskaner, jetzt, mein Schmerz begehrt
Zu weinen und das andre zu verhehlen,
Weil ferneres Gespräch mein Herz beschwert.“
Ma va via, Tosco, omai; ch'or mi diletta
troppo di pianger più che di parlare,
sì m'ha nostra ragion la mente stretta».
Wir merkten, dass am Schritt die teuern Seelen
Uns fortgehn hörten, was uns – da sie schwiegen –
Bewies, dass wir des Wegs nicht würden fehlen.
Noi sapavam che quell' anime care
ci sentivano andar; però, tacendo,
facëan noi del cammin confidare.
Als wir nun beide einsam weiterstiegen,
Vernahmen wir, schnell wie ein Blitz entschwindet,
An uns vorüber diese Worte fliegen:
Poi fummo fatti soli procedendo,
folgore parve quando l'aere fende,
voce che giunse di contra dicendo:
„Totschlagen wird mich jeder, der mich findet!“
Die Stimme drauf dem Donner gleich verhallte,
Wenn er sich krachend durch die Wolken windet.
'Anciderammi qualunque m'apprende';
e fuggì come tuon che si dilegua,
se sùbito la nuvola scoscende.
Und als die erste kaum verklungen, schallte
Mit stärkerm Krach die zweite uns ans Ohr,
Als ob es Schlag auf Schlag gewitternd prallte.
Come da lei l'udir nostro ebbe triegua,
ed ecco l'altra con sì gran fracasso,
che somigliò tonar che tosto segua:
„Ich bin Aglauros, die zum Fels gefror!“
Und als ich an Virgil mich schmiegen wollte,
Wich ich erschreckt zurück anstatt nach vor.
«Io sono Aglauro che divenni sasso»;
e allor, per ristrignermi al poeta,
in destro feci, e non innanzi, il passo.
Als still die Luft und mehr kein Donner grollte,
Sprach der Poet: „Dies war der harte Zaum,
Der euch in euern Schranken halten sollte.
Già era l'aura d'ogne parte queta;
ed el mi disse: «Quel fu 'l duro camo
che dovria l'uom tener dentro a sua meta.
Doch ködert euch der Widersacher kaum,
So lasst ihr euch an seiner Angel fangen
Und gebt dem Zaum nicht, noch der Warnung Raum.
Ma voi prendete l'esca, sì che l'amo
de l'antico avversaro a sé vi tira;
e però poco val freno o richiamo.
Der Himmel ruft! doch statt, dass an dem Prangen
Der ewigen Schönheit euer Blick sich weidet,
Bleibt er tief unter euch am Staube hangen;
Chiamavi 'l cielo e 'ntorno vi si gira,
mostrandovi le sue bellezze etterne,
e l'occhio vostro pur a terra mira;
Drum züchtigt euch, der alles unterscheidet!“ onde vi batte chi tutto discerne».
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