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Deutsch Italienisch Interpretation:
   Zweiunddreißigster Gesang:
   Zusammenfassung und Deutung

DIE HÖLLE: XXXII Gesang Inferno: XXXII CANTO
Fänd ich solch holprigrauhes Versgerölle,
Würdig zu schildern, wie der Schlund hier klafft,
Drauf lastend ruht all das Gebirg der Hölle,
S'ïo avessi le rime aspre e chiocce,
come si converrebbe al tristo buco
sovra 'l qual pontan tutte l'altre rocce,
In Fülle strotzend presst ich dann den Saft
Aus meinem Stoff; doch nur mit scheuem Bangen
Geh ich ans Werk, misstrauend schwacher Kraft.
io premerei di mio concetto il suco
più pienamente; ma perch' io non l'abbo,
non sanza tema a dicer mi conduco;
Kein Kinderspiel ist solch ein Unterfangen,
Des Weltalls tiefste Pforten zu entriegeln,
Unmündig Lallen kann dazu nicht langen.
ché non è impresa da pigliare a gabbo
discriver fondo a tutto l'universo,
né da lingua che chiami mamma o babbo.
Doch wollten d i e in meinem Reim sich spiegeln,
Die dem Amphion Theben halfen gründen,
Dann sollte Wahrheit meinen Sang besiegeln! –
Ma quelle donne aiutino il mio verso
ch'aiutaro Anfïone a chiuder Tebe,
sì che dal fatto il dir non sia diverso.
Könnt ich, o Volk, an diesem Ort der Sünden,
Den zu besingen Schmerz mir schafft und Trauern,
Von dir als Schaf und Ziege lieber künden!
Oh sovra tutte mal creata plebe
che stai nel loco onde parlare è duro,
mei foste state qui pecore o zebe!
Wie ich noch steh in dieses Abgrunds Schauern
Tief unterm Fuß des Riesen und empor
Die Blicke sende zu den Felsenmauern,
Come noi fummo giù nel pozzo scuro
sotto i piè del gigante assai più bassi,
e io mirava ancora a l'alto muro,
Mich warnend eine Stimme da beschwor:
„Tritt auf die Häupter nicht beim Weiterschreiten
Uns armen müden Brüdern – sieh dich vor!“
dicere udi'mi: «Guarda come passi:
va sì, che tu non calchi con le piante
le teste de' fratei miseri lassi».
Und als ich meinen Blick ließ abwärts gleiten,
Stand ich auf einem Teich, den Eis umzogen,
dass er wie Glas erschien von allen Seiten.
Per ch'io mi volsi, e vidimi davante
e sotto i piedi un lago che per gelo
avea di vetro e non d'acqua sembiante.
So hart gepflastert sind der Donau Wogen
Im Winter nicht – noch spinnt ein Kleid so dick
Dem Don der nördlichkalte Himmelsbogen:
Non fece al corso suo sì grosso velo
di verno la Danoia in Osterlicchi,
né Tanaï là sotto 'l freddo cielo,
Fiel selbst der Pietrapan und Tambernick
Auf dieses Eis mit ganzer Riesenwucht,
Am Rande gäb es nicht den kleinsten Knick! –
com' era quivi; che se Tambernicchi
vi fosse sù caduto, o Pietrapana,
non avria pur da l'orlo fatto cricchi.
Froschmäuler sieht man nachts aus sumpfger Bucht
Oft quakend ragen, wenn von Schlaf umfangen
Die Schnittrin träumt von reifer Ährenfrucht –
E come a gracidar si sta la rana
col muso fuor de l'acqua, quando sogna
di spigolar sovente la villana,
So stand hier – von des Eises scharfen Zangen
Fest bis zum Hals umklemmt, die Kiefern schlagend
Im Storchgeklapper, mit frostblauen Wangen,
livide, insin là dove appar vergogna
eran l'ombre dolenti ne la ghiaccia,
mettendo i denti in nota di cicogna.
den Kopf gesenkt – ein Volk: verzweifelt, zagend,
Von Kälte zeugend mit des Mundes Beben,
Von Seelenqual mit feuchten Wimpern sagend!
Ognuna in giù tenea volta la faccia;
da bocca il freddo, e da li occhi il cor tristo
tra lor testimonianza si procaccia.
Nach kurzem Umblick sah ich zwei – eng-neben-
Einander, dicht-verfugt, ins Eis gebettet –
Verfilzt mit ihrem Schopf zusammenkleben.
Quand' io m'ebbi dintorno alquanto visto,
volsimi a' piedi, e vidi due sì stretti,
che 'l pel del capo avieno insieme misto.
„Wer seid ihr?“ rief ich, „Brust-an-Brust gekettet?“
Und als den Kopf erhoben die Genossen,
Sah ich die Augenwimpern eisverklettet,
«Ditemi, voi che sì strignete i petti»,
diss' io, «chi siete?». E quei piegaro i colli;
e poi ch'ebber li visi a me eretti,
weil sich die Tränen, die von innen flossen
Aus warmen Lidern, an der Luft, der kalten,
Zu krustigem Eise gleich zusammenschlossen.
li occhi lor, ch'eran pria pur dentro molli,
gocciar su per le labbra, e 'l gelo strinse
le lagrime tra essi e riserrolli.
So eng hat nie ein Schraubstock Holz gehalten,
Drob sie, zwei Widdern gleich, durch steten Reiz
Zum Zorn gestachelt, aneinander prallten.
Con legno legno spranga mai non cinse
forte così; ond' ei come due becchi
cozzaro insieme, tanta ira li vinse.
Ein andrer, dem die Ohren beiderseits
Der Frost abfraß, rief ohne aufzusehen:
„Du weidest dich am Anblick unsers Leids?
E un ch'avea perduti ambo li orecchi
per la freddura, pur col viso in giùe,
disse: «Perché cotanto in noi ti specchi?
Soll ich betreffs der zwei dir Rede stehen?
Vom Vater Albert erbten sie das Tal,
Aus dessen Flur Bisenzios Fluten gehen.
Se vuoi saper chi son cotesti due,
la valle onde Bisenzo si dichina
del padre loro Alberto e di lor fue.
E i n Leib gebar sie! Keinen in der Zahl,
Die aus Kaina hier im Gallert weinen,
Trifft so mit Fug und Recht die eisge Qual.
D'un corpo usciro; e tutta la Caina
potrai cercare, e non troverai ombra
degna più d'esser fitta in gelatina:
Nicht den, dem Brust und Schattenbild durch einen
Speerstoß einst König Artus jäh durchstieß,
Focaccia nicht noch den, des Kopf vor meinen
non quelli a cui fu rotto il petto e l'ombra
con esso un colpo per la man d'Artù;
non Focaccia; non questi che m'ingombra
Sich drängt, dass er mir nimmer Ausblick ließ!
Bist Tusker du, brauch ich dir nur zu sagen,
dass der einst Sasol Mascheroni hieß.
col capo sì, ch'i' non veggio oltre più,
e fu nomato Sassol Mascheroni;
se tosco se', ben sai omai chi fu.
Und ich (dass du mich nicht mehr quälst mit Fragen)
Bin Camiccion und harre auf Carlin –
Der wird mich noch als Schurke überragen!“
E perché non mi metti in più sermoni,
sappi ch'i' fu' il Camiscion de' Pazzi;
e aspetto Carlin che mi scagioni».
Da sah ich tausend Hundsgrimassen ziehn
Vor Frost: seitdem wird stets mir Abscheu rege
Vor Pfützen, wenn Eisblumen drauf gediehn. –
Poscia vid' io mille visi cagnazzi
fatti per freddo; onde mi vien riprezzo,
e verrà sempre, de' gelati guazzi.
Zur Mitte leiteten uns nun die Wege,
Zu der sich hinsenkt jedes Schwergewicht;
Zitternd ging ich in ewger Nacht Gehege.
E mentre ch'andavamo inver' lo mezzo
al quale ogne gravezza si rauna,
e io tremava ne l'etterno rezzo;
Ob’s Absicht, Zufall, Schickung, weiß ich nicht,
Doch wie entlang wir all den Köpfen schritten,
traf derb mein Fuß dem einen ins Gesicht,
se voler fu o destino o fortuna,
non so; ma, passeggiando tra le teste,
forte percossi 'l piè nel viso ad una.
Der schmerzlich schrie: „Was quälst du mich mit Tritten?
Willst Montapertis Schlacht du an mir rächen?
Wenn nicht, weshalb hätt’ ich den Stoß erlitten?“
Piangendo mi sgridò: «Perché mi peste?
se tu non vieni a crescer la vendetta
di Montaperti, perché mi moleste?».
Und ich: „Lass, Meister, mich mit diesem sprechen,
Dass ich durch ihn mir einen Zweifel löse;
Hernach will ich nicht zögern aufzubrechen.“
E io: «Maestro mio, or qui m'aspetta,
sì ch'io esca d'un dubbio per costui;
poi mi farai, quantunque vorrai, fretta».
Der Führer stand, der andre schalt noch böse
Und fluchte derb. – „Der du im Zorne gärst,
Wer bist du?“ sprach ich, „warum dies Getöse?“ –
Lo duca stette, e io dissi a colui
che bestemmiava duramente ancora:
«Qual se' tu che così rampogni altrui?».
„Und du? Der du hier Antenor durchfährst,“
Schrie er, „ s o grob zu schinden andrer Wangen,
Z u grob sogar, selbst wenn du lebend wärst?“ –
«Or tu chi se' che vai per l'Antenora,
percotendo», rispuose, «altrui le gote,
sì che, se fossi vivo, troppo fora?».
„Noch leb’ ich! Kann noch deinen Dank empfangen,“
Sprach ich, „füg ich den Namen, hell an Ehre,
Den deinen zu, falls Nachruhm dein Verlangen!“ –
«Vivo son io, e caro esser ti puote»,
fu mia risposta, «se dimandi fama,
ch'io metta il nome tuo tra l'altre note».
„Das Gegenteil ist’s just, was ich begehre!“
Schrie er, „drum geh zum Henker, lästger Tropf!
In Schmeicheln gab man dir hier schlechte Lehre.“
Ed elli a me: «Del contrario ho io brama.
Lèvati quinci e non mi dar più lagna,
ché mal sai lusingar per questa lama!».
Da griff ich beim Genick ihn in den Schopf
Und rief: „Zum Namen musst du dich bequemen,
Sonst bleibt dir auch kein Härchen auf dem Kopf.“
Allor lo presi per la cuticagna
e dissi: «El converrà che tu ti nomi,
o che capel qui sù non ti rimagna».
„Zerzause dreist mein Haar nur,“ rief der Schemen,
„Ich nenne d o c h mich nicht! verrat’ auch nichts!
Und magst du tausendmal beim Flausch mich nehmen.“ –
Ond' elli a me: «Perché tu mi dischiomi,
né ti dirò ch'io sia, né mosterrolti
se mille fiate in sul capo mi tomi».
Umwickelt mit dem Schopf des Bösewichts,
Riss meine Hand ihm aus manch Büschel Haar.
Er heulte laut, gebeugten Angesichts.
Io avea già i capelli in mano avvolti,
e tratti glien' avea più d'una ciocca,
latrando lui con li occhi in giù raccolti,
Da rief ein andrer: „Bocca, ei fürwahr!
Ist’s nicht genug, mit Zähnen Takt zu schlagen?
Nun bellst du noch? Plagt dich der Teufel gar?“
quando un altro gridò: «Che hai tu, Bocca?
non ti basta sonar con le mascelle,
se tu non latri? qual diavol ti tocca?».
„Ha, du Verräter,“ rief ich, „mehr zu sagen
Brauchst du jetzt nicht. - Als Zeugnis deiner Schmach
Will ich zur Nachwelt deinen Namen tragen.“
«Omai», diss' io, «non vo' che più favelle,
malvagio traditor; ch'a la tua onta
io porterò di te vere novelle».
„Nur zu. Sag alles, was du willst, mir nach,“
Rief er, „nur trachte, d e n auch nicht zu schonen,
Der eben mit so glatter Zunge sprach!
«Va via», rispuose, «e ciò che tu vuoi conta;
ma non tacer, se tu di qua entro eschi,
di quel ch'ebbe or così la lingua pronta.
Er heult um die französischen Dublonen;
Sag nur: du lerntest auch Duera kennen
Dort wo ‚auf-Eis-gelegt’ die Sünder wohnen.
El piange qui l'argento de' Franceschi:
"Io vidi", potrai dir, "quel da Duera
là dove i peccatori stanno freschi".
Und dass du andre Größen noch kannst nennen,
Sieh Beccaria hier mir zum Begleiter;
Ihm ließ Florenz den Kopf vom Rumpfe trennen!
Se fossi domandato "Altri chi v'era?",
tu hai dallato quel di Beccheria
di cui segò Fiorenza la gorgiera.
Hier Soldanier, dort Ganelon, und weiter
Zurück liegt Tribaldello, der durch’s Tor
Faenzas einließ nachts feindliche Streiter.“
Gianni de' Soldanier credo che sia
più là con Ganellone e Tebaldello,
ch'aprì Faenza quando si dormia».
Wir schieden, ihm zu weigern unser Ohr,
Und sahn vereist in e i n e m Loch zwei Nackte:
E i n Kopf kam wie des andern Hut mir vor!
Noi eravam partiti già da ello,
ch'io vidi due ghiacciati in una buca,
sì che l'un capo a l'altro era cappello;
Wie man ins Brot vor Hunger beißt, so hackte
Der oberste den Zahn dem untern ein
Am Nackenwirbel, dass der Knochen knackte.
e come 'l pan per fame si manduca,
così 'l sovran li denti a l'altro pose
là 've 'l cervel s'aggiugne con la nuca:
So zornwutschnaubend mochte Tydeus sein,
Als er die Schläfe Menalipps zernagte,
Wie der hier Wirbel fraß und Schädelbein.
non altrimenti Tidëo si rose
le tempie a Menalippo per disdegno,
che quei faceva il teschio e l'altre cose.
„O du, der so bestialisch sich behagte,“
Rief ich, „aus Hass den andern anzufressen,
Sag an: was dich in diese Zornwut jagte?
«O tu che mostri per sì bestial segno
odio sovra colui che tu ti mangi,
dimmi 'l perché», diss' io, «per tal convegno,
Ich will, wenn du gerechten Grund besessen,
Kenn ich beim Namen euch und sein Verbrechen,
Der Nachwelt dich zu melden nicht vergessen,
che se tu a ragion di lui ti piangi,
sappiendo chi voi siete e la sua pecca,
nel mondo suso ancora io te ne cangi,
Wenn die nicht dorrt, die mir verliehn zum Sprechen!“ se quella con ch'io parlo non si secca».
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