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Deutsch Italienisch Interpretation:

Dreiundzwanzigster Gesang:
Zusammenfassung und Deutung

Allein jetzt wieder, einer hinterm anderen
Gehüllt in Schweigen, schritten wir dahin
Wie Minoriten ihres Weges gingen


Die Minoriten oder auch, nach der Farbe ihrer Kutte, schwarze Franziskaner, sind einer der der Franziskanerorden (Schwarze Franziskaner, braune Franziskaner und die Kapuziner).

Der Zwist der Teufel musste in den Sinn
Mir deutlich des Äsopius Fabel bringen
Von Frosch und Maus…


Äsop ist ein griechischer Fabeldichter (etwa 600 vor Christus, historisch präzises ist nichts bekannt). Von der Fabel „der Frosch und die Maus“ gibt es mehrere Varianten, der Kern der Geschichte ist aber immer derselbe. Ein Frosch beneidete eine Maus, weil die immer was zu knabbern hatte. Um sich zu rächen schlägt er vor, sie über einen See überzusetzen, indem er sie an seine Hinterbeine bindet, in der Hoffnung, dass sie dabei ertrinkt. Die Hoffnung erfüllte sich zwar, aber mit der toten Maus im Schlepptau geriet er in den Blickfang eines Falken. Der schnappte sich die Maus und damit auch den an die Maus gebundenen Frosch.

Wenn rechts die Ufer so sich abwärts ziehen
Dass man zum nächsten Unheilsgraben kann
So werden wir der Hetzjagd wohl entfliehen


Die Teufel sind jetzt sauer, weil indirekt waren Dante und Vergil an ihrem Malheur beteiligt. Dante und Vergil können ihnen nur entfliehen, wenn sie sich geschwind aus deren Einflußbereich bringen. Wir erhalten nun eine weitere Angabe zum Aussehen des achten Kreises. Dante und Vergil sind immer noch auf dem Damm zwischen fünften und sechsten Kreis, die Brücke, die es ihnen erlaubt hätte, direkt zum Damm zwischen dem sechsten und siebten Kreis zu gehen, ist zusammengebrochen. Vergil meint aber, dass irgendwann die Böschung des Dammes flacher wird, so dass man in den sechsten Kreis absteigen kann. Das ist dann auch der Fall. Sie können hinabsteigen in den sechsten Kreis und so den Teufeln entfiehen.

Von außen glänzten sie in goldener Pracht
Von innen Blei und schwer, dass Friedrichs Kragen
Dagegen schienen, wie aus Stroh gemacht


Gemeint ist Friedrich II, also der Enkel des Staufers Barbarossa, wir hatten ihn schon öfter. Über jenen waren Gerückt im Umlauf, dass er Verräter in einen Mantel aus Blei steckte und sie dann in einem Feuer verbrannte. In diesem sechsten Tal befinden sich die Heuchler, betrachtet man allerdings die vorgestellten Figuren, ist der Übergang zu Betrügern und Verrätern fließend:


Ich sprach:“ Mich hat am schönen Arnostrande
Die große Stadt geboren und erzogen
Und noch bin ich im irdischen Gewande


Also wer noch nie in Florenz war, Florenz liegt am Arno.

Lustige Brüder“ sind wir – vom gleichen Schlage
Bologner, der Lodria, ich, Catalan
Gewählt von deiner Stadt an einem Tage

Das steckt jetzt ein bisschen viel drin. Fangen wir mit den Lustigen Brüdern, den Frati Gaudenti, an.

Die Frati Gaudenti (Lustige Brüder) heißen eigentlich Frati della Beata Gloriosa Vergine Maria. Gegründet wurde der Orden 1233 in Parma von dem Dominikaner Bartolomeo di Breganze, gedacht war er vor allem für Angehörige des Hochadels. Mit dem mönchischen Leben nahm man es nicht so genau und schon die Ordensregeln erlauben es, auch nicht im Kloster zu leben. Ziel des Ordens, zumindest ursprünglich, war die Überwindung und Minderung der sich durch die ewigen Bürgerkriege sich ergebenden Probleme. Im Jahre 1586 wurde der Orden aufgelöst.

Loderingo degli Andalò und Catalano dei Malavolti waren unter den ersten Mitgliedern dieses Ordens. Als in der Schlacht bei Benevento ( Manfred von Sizilien wird von Karl von Anjou geschlagen und stirbt auf dem Schlachtfeld; hatten wir auch schon) die Ghibellinen geschlagen wurden und in Florenz die Guelfen die Oberhand gewannen als Stadtoberhäupter von Florenz gewält. Da Loderingo degli Andalò der Partei der Ghibellinen angehörte, Catalano dei Malvolti den Guelfen, versprach man sich davon eine gewisse Neutralität. Tatsächlich machten aber beide eine Politik zugunsten der Guelfen, der Turm der ghibillinischen Familie Uberti wurde in Schutt und Asche gelegt. Dieser Turm hieß Torre del Gardingo und der zerstörte Turm dieser Familie erinnert die Florentiner an diese „Friedensstifter“.

Der hier hier gekreuzigt knirscht in Jammertönen
Verhalf einst seinem argen Rat zum Siege
Ein einziger soll durch Tod das Volk versöhnen


Der da liegt ist Kaiphas, angesprochen ist also die Erzählung von der Gefangennahme Jesu und der sich dann anschließende Prozess (Evangelium des Johannes, Kapitel 18, 12-14).

Die Schar aber und ihr Anführer und die Knechte der Juden nahmen Jesus und banden ihn und führten ihn zuerst zu Hannas; der war der Schwiegervater des Kaiphas, der in jenem Jahr Hoherpriester war.Kaiphas aber war es, der den Juden geraten hatte, es wäre gut, ein Mensch stürbe für das ganze Volk.

Im Prinzip haben wir jetzt aber ein Problem. Weil Kaiphas den Ausspruch zwar getanhat, „Ein einziger soll durch Tod das Volk versöhnen“, aber unklar ist, was er damit gemeint hat. Dante interpretiert ihn so, dass Kaiphas den Tod Jesu fordert, weil dieser das römische Reich herausforderte. Bevor als die Römer anmarschieren und alles platt machen, ist es besser man schafft den Unruhestifter aus der Welt. Tatsächlich ist die Textstelle, auf die im Evangelium des Johannes verwiesen wird, nämlich das Evangelium des Lukas, Kapitel 11, 46-54 komplizierter. Kaiphas verweist darauf, dass Jesus sterben muss, damit die Welt gerettet werde, also eher eine christliche Vorstellung.

Einige aber von ihnen gingen hin zu den Pharisäern und sagten ihnen, was Jesus getan hatte. Da aversammelten die Hohenpriester und die Pharisäer den Hohen Rat und sprachen: Was tun wir? Dieser Mensch tut viele Zeichen. Lassen wir ihn so, dann werden sie alle an ihn glauben, und dann kommen die Römer und nehmen uns Land und Leute. Einer aber von ihnen, Kaiphas, der in dem Jahr Hoherpriester war, sprach zu ihnen: Ihr wißt nichts; ihr bedenkt auch nicht: Es ist besser für euch, ein Mensch sterbe für das Volk, als daß das ganze Volk verderbe. Das sagte er aber nicht von sich aus, sondern weil er in dem Jahr Hoherpriester war, weissagte er. Denn Jesus sollte sterben für das Volk, und nicht für das Volk allein, sondern auch, um die verstreuten Kinder Gottes zusammenzubringen. Von dem Tage an war es für sie beschlossen, daß sie ihn töteten. Jesus aber ging nicht mehr frei umher unter den Juden, sondern ging von dort weg in eine Gegend nahe der Wüste, in eine Stadt mit Namen Ephraim, und blieb dort mit den Jüngern.

Dante interpretiert hier also gewaltig und die folgenden 7 Jahrhunderte nach seinem Tod, lassen de Verdacht aufkommen, dass er nicht in die richtige Richtung interpretiert hat.

Auf gleiche Art gepeinigt wird sein Schmäher
Und alle vom Synedrium, dort fiel
Des Unheils erste Saat für die Judäer

Synedrium war zur damaligen Zeit, also zur Zeit Christi, der oberste Gerichtshof. Sein Schwäher bezieht sich auf das Evangelium des Johannes 18, 13.

Die Schar aber und der Oberhauptmann und die Diener der Juden nahmen Jesus und banden ihn und führten ihn aufs erste zu Hannas; der war des Kaiphas Schwäher (Schwiegervater), welcher des Jahrs Hoherpriester war.

Diese Verse haben dann wieder was mit der Topographie des achten Kreises zu tun und sind folglich wir.

Der Bruder sprach: „ Viel näher ist euch beiden,
Als ihr es ahnt, ein Felsen, der vom Kreise
Ausgeht, um alle Täler zu durchschneiden,

Nun ist er zerschellt, doch solcherweise,
Dass leicht ihr über das Geröll könnt steigen.
Es schrägt sich ab und hemmt nicht eure Reise.“


Das wiederum gibt Vergil zu denken (…Ich sah Virgil das Haupt ein wenig senken…) und veranlasst ihn zu der Aussage, dass die, die die Heuchler piesacken wohl selber nicht die Wahrheit sagen. Was ihm wohl zu denken gibt, ist dass jetzt von irgendwelchen Brücken gar nicht mehr die Rede ist, sondern nur noch von einem Felsen, der durch alle Täler läuft, woraus man dann schließen kann, dass alle Brücken kaputt sind und nicht nur die eine, die von den Teufeln genannt wurden.


DIE HÖLLE: XXIII Gesang Inferno: XXIII CANTO
Allein jetzt wieder, einer hinterm andern,
Gehüllt in Schweigen, schritten wir dahin,
Wie Minoriten ihres Weges wandern.
Taciti, soli, sanza compagnia
n'andavam l'un dinanzi e l'altro dopo,
come frati minor vanno per via.
Der Zwist der Teufel musste in den Sinn
Mir deutlich des Äsopus Fabel bringen
Von Frosch und Maus, denn Ende und Beginn,
Vòlt' era in su la favola d'Isopo
lo mio pensier per la presente rissa,
dov' el parlò de la rana e del topo;
Wie diese beiden Szenen vor sich gingen,
Sind völlig gleich, prüft man sie mit Bedacht;
Nicht ähnlicher kann j e t z t und j e t z o klingen.
ché più non si pareggia 'mo' e 'issa'
che l'un con l'altro fa, se ben s'accoppia
principio e fine con la mente fissa.
Indem spann weiter sich mein Denken sacht,
Um sich auf d e n Gedanken zu beschränken,
Der zwiefach Furcht und Schrecken mir gebracht.
E come l'un pensier de l'altro scoppia,
così nacque di quello un altro poi,
che la prima paura mi fé doppia.
Ich sagte mir: „Die sind bei ihren Schwänken
Durch uns mit Schaden und mit Schmach bedeckt,
Und großer Ärger muss sie drüber kränken.
Io pensava così: «Questi per noi
sono scherniti con danno e con beffa
sì fatta, ch'assai credo che lor nòi.
Wenn Zorn die Rachsucht außerdem erweckt,
So rüsten sie sich, um uns nachzusausen,
Wie hinterm Has der Hund die Läufe streckt.
Se l'ira sovra 'l mal voler s'aggueffa,
ei ne verranno dietro più crudeli
che 'l cane a quella lievre ch'elli acceffa».
Schon fühlt ich sträuben sich mein Haar vor Grausen,
Rückspähend bat ich: „ Herr, lass dich beschwören,
Dass wir uns bergen! Näher hör ich brausen
Già mi sentia tutti arricciar li peli
de la paura e stava in dietro intento,
quand' io dissi: «Maestro, se non celi
Die Teufelskralln, die sich gewiss empören,
Weil wir entwischt mit gutem Ungefähre –
Und meinEntsetzen glaubt sie schon zu hören!“
te e me tostamente, i' ho pavento
d'i Malebranche. Noi li avem già dietro;
io li 'magino sì, che già li sento».
Der Dichter sprach: „Wenn ich ein Spiegel wäre,
Nicht klarer könnte drin dein Bild erscheinen,
Als ich dein Innerstes mir leicht erkläre.
E quei: «S'i' fossi di piombato vetro,
l'imagine di fuor tua non trarrei
più tosto a me, che quella dentro 'mpetro.
Just mischte dein Gedanke sich dem meinen,
Weil gleicher Ursprung gleichen Weg verliehen,
Dass beide selbigem Entschluss sich einen.
Pur mo venieno i tuo' pensier tra ' miei,
con simile atto e con simile faccia,
sì che d'intrambi un sol consiglio fei.
Wenn rechts die Ufer so sich abwärts ziehen,
Dass man zum nächsten Unheilsgraben kann,
So werden wir der Hetzjagd wohl entfliehen.“
S'elli è che sì la destra costa giaccia,
che noi possiam ne l'altra bolgia scendere,
noi fuggirem l'imaginata caccia».
Kaum riet er dies, als auch die Hatz begann:
Sie stiebten mit weit ausgespreitzten Schwingen,
Um uns zu fangen, näher schon heran.
Già non compié di tal consiglio rendere,
ch'io li vidi venir con l'ali tese
non molto lungi, per volerne prendere.
Des Führers Arme fühlt ich mich umschlingen!
Der Mutter gleich, die – vom Geräusch erwacht –
Schon knisternd sich die Flammen sieht umringen,
Lo duca mio di sùbito mi prese,
come la madre ch'al romore è desta
e vede presso a sé le fiamme accese,
Geschwind den Säugling fasst und, mehr bedacht
Für ihn als sich, nicht länger wagt zu säumen
Und lieber bloßen Hemds eilt in die Nacht -:
che prende il figlio e fugge e non s'arresta,
avendo più di lui che di sé cura,
tanto che solo una camiscia vesta;
So ließ von dort, wo schroff sich Felsen bäumen,
Er rücklings sich abgleiten überm Hange,
Der einführt zu des nächsten Sackes Räumen.
e giù dal collo de la ripa dura
supin si diede a la pendente roccia,
che l'un de' lati a l'altra bolgia tura.
Nie durch’s Gerinne schoss in schnellerm Drange
Der Bach auf’s oberschlächtge Rad der Mühle,
Wenn rauschend er die Schaufeln treibt zum Gange,
Non corse mai sì tosto acqua per doccia
a volger ruota di molin terragno,
quand' ella più verso le pale approccia,
Wie hier Virgil herniederglitt vom Bühle,
Mich mirt sich tragend, eng zur Brust gepresst,
Als ob statt Freund den Sohn er in mir fühle.
come 'l maestro mio per quel vivagno,
portandosene me sovra 'l suo petto,
come suo figlio, non come compagno.
Kaum stand er unten auf dem Talgrund fest,
Als die Verfolger über uns erschienen,
Ihm aber bangte nicht: denn niemals lässt
A pena fuoro i piè suoi giunti al letto
del fondo giù, ch'e' furon in sul colle
sovresso noi; ma non lì era sospetto:
Erhabne Vorsicht Macht und Freiheit ihnen,
Sich zu entfernen aus dem fünften Tal,
Das ihnen anbefohlen zu bedienen.
ché l'alta provedenza che lor volle
porre ministri de la fossa quinta,
poder di partirs' indi a tutti tolle.
Da unten aber zog in müder Qual
Betünchtes Volk mit langsam schweren Schritten,
Den Kopf gesenkt und weinend allzumal,
Là giù trovammo una gente dipinta
che giva intorno assai con lenti passi,
piangendo e nel sembiante stanca e vinta.
Mit Kutten, nach dem Muster zugeschnitten,
Wie sie in Köln am Rhein der Mönche Tracht,
Die keinen Blick durch die Kapuzen litten.
Elli avean cappe con cappucci bassi
dinanzi a li occhi, fatte de la taglia
che in Clugnì per li monaci fassi.
Von außen glänzten sie in goldner Pracht,
Von innen Blei und schwer: dass Friedrichs Kragen
Dagegen schienen wie aus Stroh gemacht.
Di fuor dorate son, sì ch'elli abbaglia;
ma dentro tutte piombo, e gravi tanto,
che Federigo le mettea di paglia.
O Mäntel, schwer in Ewigkeit zu tragen! –
Wir schritten gleichfalls linkshin wie die Schatten
Und lauschten achtsam ihren Jammerklagen.
Oh in etterno faticoso manto!
Noi ci volgemmo ancor pur a man manca
con loro insieme, intenti al tristo pianto;
Doch konnten unter ihrer Last die Matten
Nur schleichen, dass bei jeden Fußes Heben
Wir neben uns stets neue Sünder hatten.
ma per lo peso quella gente stanca
venìa sì pian, che noi eravam nuovi
di compagnia ad ogne mover d'anca.
Ich sprach: „O Herr, war einer wohl im Leben
Durch Name oder Wirksamkeit bekannt?
Naht solcher, willst du einen Wink mir geben?“
Per ch'io al duca mio: «Fa che tu trovi
alcun ch'al fatto o al nome si conosca,
e li occhi, sì andando, intorno movi».
Ein Geist, der wohl Toskanas Laut verstand,
Rief da uns nach: „Hemmt etwas eure Schritte,
Die ihr’s so eilig habt im dunkeln Land,
E un che 'ntese la parola tosca,
di retro a noi gridò: «Tenete i piedi,
voi che correte sì per l'aura fosca!
Ich kann vielleicht erfüllen deine Bitte!“
Der Meister sprach: „So mäßge deinen Gang
Und bleibe neben ihm im gleichen Tritte.“
Forse ch'avrai da me quel che tu chiedi».
Onde 'l duca si volse e disse: «Aspetta,
e poi secondo il suo passo procedi».
Ich hielt und sah den mühevollen Drang,
Mit dem sich zwei uns nahzukommen plagten,
Mit engem Weg und Last in Zwist und Zwang.
Ristetti, e vidi due mostrar gran fretta
de l'animo, col viso, d'esser meco;
ma tardavali 'l carco e la via stretta.
Doch scheu, als ob sie nicht zu sprechen wagten,
Sah ich die Angekommnen schel verdrehen
Den Blick, worauf sie leis einander fragten.
Quando fuor giunti, assai con l'occhio bieco
mi rimiraron sanza far parola;
poi si volsero in sé, e dicean seco:
„Der lebt, denn wie er atmet, kann man sehen;
Doch sind sie tot, welch Recht gestattet ihnen,
Hier ohne lastenden Talar zu gehen?“
«Costui par vivo a l'atto de la gola;
e s'e' son morti, per qual privilegio
vanno scoperti de la grave stola?».
Drauf laut zu mir: „Tusker, der du erschienen
Hier in der Heuchler traurigem Verbande,
Lass, wer du seiest, uns zur Antwort dienen.“
Poi disser me: «O Tosco, ch'al collegio
de l'ipocriti tristi se' venuto,
dir chi tu se' non avere in dispregio».
Ich sprach: „Mich hat am schönen Arnostrande
Die große Stadt geboren und erzogen,
Und noch bin ich im irdischen Gewande.
E io a loro: «I' fui nato e cresciuto
sovra 'l bel fiume d'Arno a la gran villa,
e son col corpo ch'i' ho sempre avuto.
Doch wer seid ihr, aus deren Aug in Wogen
Ein schmerzerpresster Strom von Tränen rinnt,
Was hat euch Gleißende um’s Heil betrogen?“
Ma voi chi siete, a cui tanto distilla
quant' i' veggio dolor giù per le guance?
e che pena è in voi che sì sfavilla?».
Und einer sprach: „Die goldnen Kutten sind
An Blei so wuchtig, trüg sie eine Wage,
Sie knarrte unter solcher Last geschwind.
E l'un rispuose a me: «Le cappe rance
son di piombo sì grosse, che li pesi
fan così cigolar le lor bilance.
‚Lustge Brüder’ sind wir – vom gleichen Schlage,
Bologner; der: Lodria, ich: Catalan,
Gewählt von deiner Stadt an e i n e m Tage,
Frati godenti fummo, e bolognesi;
io Catalano e questi Loderingo
nomati, e da tua terra insieme presi
Weil sich die Bürger Ledige gern ersahn
Zu Friedensstiftern; und es fühlt noch immer
Gardingos Stadtteil unsern scharfen Zahn!“
come suole esser tolto un uom solingo,
per conservar sua pace; e fummo tali,
ch'ancor si pare intorno dal Gardingo».
Ausrief ich: „ O ihr Brüder, euer schlimmer –„
Doch da erstarb mein Wort: denn an drei Pfählen
Gekreuzigt sah ich einen mit Gewimmer
Io cominciai: «O frati, i vostri mali... »;
ma più non dissi, ch'a l'occhio mi corse
un, crucifisso in terra con tre pali.
Am Boden krümmen sich und schmerzhaft quälen;
Und wie er ächzte in den Bart mit Stöhnen,
Fing Bruder Catalan an zu erzählen:
Quando mi vide, tutto si distorse,
soffiando ne la barba con sospiri;
e 'l frate Catalan, ch'a ciò s'accorse,
„Der hier gekreuzigt knirscht in Jammertönen,
Verhalf einst seinem argen Rat zum Siege:
Ein einzger soll durch Tod das Volk versöhnen!
mi disse: «Quel confitto che tu miri,
consigliò i Farisei che convenia
porre un uom per lo popolo a' martìri.
Du siehst, dass nackt er überm Wege liege,
Damit der hinterlistge Pharisäer
Am Fußtritt fühle, was ein jeder wiege.
Attraversato è, nudo, ne la via,
come tu vedi, ed è mestier ch'el senta
qualunque passa, come pesa, pria.
Auf gleiche Art gepeinigt wird sein Schmäher
Und alle vom Synedrium; dort fiel
Des Unheils erste Saat für die Judäer!“
E a tal modo il socero si stenta
in questa fossa, e li altri dal concilio
che fu per li Giudei mala sementa».
Verwundert starren sah ich den Virgil,
Dass einer hier gekreuzigt lag am Orte,
Schmachvoll verbannt zum ewgen Exil.
Allor vid' io maravigliar Virgilio
sovra colui ch'era disteso in croce
tanto vilmente ne l'etterno essilio.
Drauf sprach er zu dem Froh-Mönch diese Worte:
„wenn ihr es dürft, gefall es Euch, zu sagen,
Ob rechts sich öffnet eine Felsenpforte,
Poscia drizzò al frate cotal voce:
«Non vi dispiaccia, se vi lece, dirci
s'a la man destra giace alcuna foce
Die ungehemmt uns lässt den Ausgang wagen,
So dass die schwarzen Engel wir vermeiden,
Die sonst aus dieser Schlucht uns müssten tragen?“
onde noi amendue possiamo uscirci,
sanza costrigner de li angeli neri
che vegnan d'esto fondo a dipartirci».
Der Bruder sprach: „Viel näher ist euch beiden,
Als ihr es ahnt, ein Felsen, der vom Kreise
Ausgeht, um alle Täler zu durchschneiden;
Rispuose adunque: «Più che tu non speri
s'appressa un sasso che da la gran cerchia
si move e varca tutt' i vallon feri,
Nur hier ist er zerschellt, doch solcherweise,
dass leicht ihr über das Geröll könnt steigen.
Es schrägt sich ab und hemmt nicht eure Reise.“
salvo che 'n questo è rotto e nol coperchia;
montar potrete su per la ruina,
che giace in costa e nel fondo soperchia».
Ich sah Virgil das Haupt ein wenig neigen,
Dann sprach er: „Übel musste als Berater
Sich der, der die Bepichten harkt, uns zeigen!“ –
Lo duca stette un poco a testa china;
poi disse: «Mal contava la bisogna
colui che i peccator di qua uncina».
„Schon in Bologna,“ sprach der Frohsinns – Pater,
„Hieß es von Satans Listen unbestritten,
Er sei als Lügner aller Lügen Vater.“
E 'l frate: «Io udi' già dire a Bologna
del diavol vizi assai, tra ' quali udi'
ch'elli è bugiardo e padre di menzogna».
Mein Meister ging davon in großen Schritten,
Indes die Stirn ein Zornblitz überfuhr;
Auch ich verließ, die bleibeladen litten,
Appresso il duca a gran passi sen gì,
turbato un poco d'ira nel sembiante;
ond' io da li 'ncarcati mi parti'
Und schloss mich an des Teuern Sohlenspur. dietro a le poste de le care piante.
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