Werbung ausblenden
 

Zu Favoriten...

  Als Startseite...
Deutsch Italienisch Interpretation:
   Achtzehnter Gesang:
   Zusammenfassung und Deutung

DIE HÖLLE: XVIII Gesang Inferno: XVIII CANTO
Ein Ort der Hölle, namens Unheilsbuchten,
Hat Eisenfarbe und ist ganz von Stein,
Wie auch der Damm, der einschließt diese Schluchten.
Luogo è in inferno detto Malebolge,
tutto di pietra di color ferrigno,
come la cerchia che dintorno il volge.
Inmitten dieses Ortes arger Pein
Gähnt tief ein Brunnen mit gewaltgem Schlunde,
Von dem erst später wird die Rede sein.
Nel dritto mezzo del campo maligno
vaneggia un pozzo assai largo e profondo,
di cui suo loco dicerò l'ordigno.
Vom Uferfels bis zu dem Brunnenrunde
Teilt sich das Feld durch Dämme s o , dass zehen
Abschnitte tief einkerben sich dem Grunde!
Quel cinghio che rimane adunque è tondo
tra 'l pozzo e 'l piè de l'alta ripa dura,
e ha distinto in dieci valli il fondo.
Wie Wassergräben gürtelartig gehen
Als Schutzwehr um die Mauern der Kastelle,
Belagerungen siegreich zu bestehen:
Quale, dove per guardia de le mura
più e più fossi cingon li castelli,
la parte dove son rende figura,
So ähnlich war der Anblick dieser Wälle.
Und wie den äußern Böschungsrand verbinden
Zugbrücken mit des Ausfallstores Schwelle,
tale imagine quivi facean quelli;
e come a tai fortezze da' lor sogli
a la ripa di fuor son ponticelli,
So waren hier Steinrippen auch zu finden,
Die Damm und Gräben regelrecht durchschnitten,
Den Brunnenkranz sternförmig zu umwinden.
così da imo de la roccia scogli
movien che ricidien li argini e ' fossi
infino al pozzo che i tronca e raccogli.
Als hierorts wir von Geryons Rücken glitten,
Begab der Dichter sich zur Linken stracks,
Ich aber folgte treulich seinen Schritten.
In questo luogo, de la schiena scossi
di Gerïon, trovammoci; e 'l poeta
tenne a sinistra, e io dietro mi mossi.
Rechts bildeten neuartigen Gezwacks
Und neuer Martern Schinder und Erfinder
Den vollen Inhalt dieses ersten Sacks.
A la man destra vidi nova pieta,
novo tormento e novi frustatori,
di che la prima bolgia era repleta.
Hier gab es Scharen nackter Leidenskinder;
Von ihnen kam die Hälfte uns entgegen,
Die andre ging wie wir, nur viel geschwinder,
Nel fondo erano ignudi i peccatori;
dal mezzo in qua ci venien verso 'l volto,
di là con noi, ma con passi maggiori,
Wie sie in Rom des großen Andrangs wegen,
Der sich zusammenstaut im Jubeljahr,
Den Brückenübergang zu regeln pflegen,
come i Roman per l'essercito molto,
l'anno del giubileo, su per lo ponte
hanno a passar la gente modo colto,
Dass rechts nur gehen darf die Menschenschar:
Wer nach Sankt Peter will, sieht zum Kastelle,
Doch wer zurückkommt, nimmt des Berges wahr!
che da l'un lato tutti hanno la fronte
verso 'l castello e vanno a Santo Pietro,
da l'altra sponda vanno verso 'l monte.
Und rechts und links vom Fels, ergrimmt und schnelle,
Gehörnte Teufel sprangen, die mit Hieben
Durchgerbten dieser Sünder nackte Felle.
Di qua, di là, su per lo sasso tetro
vidi demon cornuti con gran ferze,
che li battien crudelmente di retro.
Ei! Hat sie da schon eilig angetrieben
Der erste Schlag! dass, lüstern nach dem zweiten
Und dritten, nicht ein einzger stehn geblieben!
Ahi come facean lor levar le berze
a le prime percosse! già nessuno
le seconde aspettava né le terze.
Da zog mein Auge, wie ich so im Schreiten,
Ein Schatten auf sich, dass ich plötzlich dachte:
Den sahest du doch schon in frühern Zeiten?
Mentr' io andava, li occhi miei in uno
furo scontrati; e io sì tosto dissi:
«Già di veder costui non son digiuno».
Und als ich stehn blieb, dass ich ihn betrachte,
Hielt auch der Meister, der mir’s zugestand,
Dass ich umkehrend ein paar Schritte machte.
Per ch'ïo a figurarlo i piedi affissi;
e 'l dolce duca meco si ristette,
e assentio ch'alquanto in dietro gissi.
Doch der Gestäupte mühte sich gewandt,
Ob sich zu bergen keine List ihm tauge,
Doch eitel war’s: ich hatt’ ihn längst erkannt.
E quel frustato celar si credette
bassando 'l viso; ma poco li valse,
ch'io dissi: «O tu che l'occhio a terra gette,
„He, du!“ rief ich, „ob du auch senkst dein Auge,
Du täuscht mich nicht, Venedigo! Doch sage,
Was tunkte dich in diese schwarze Lauge?“
se le fazion che porti non son false,
Venedico se' tu Caccianemico.
Ma che ti mena a sì pungenti salse?».
Und er: „Ob mir die Antwort missbehage,
Mich lockt der Menschenstimme heller Klang,
Der mir Gedächtnis wachruft alter Tage!
Ed elli a me: «Mal volontier lo dico;
ma sforzami la tua chiara favella,
che mi fa sovvenir del mondo antico.
Ich bin es, der in Schön-Ghisola drang,
Bis sie gefügig wurde dem Narchesen,
Ob andere Gerüchte auch im Schwang!
I' fui colui che la Ghisolabella
condussi a far la voglia del marchese,
come che suoni la sconcia novella.
Doch nicht als einziger der Bolognesen
Verzweifl ich hier; soviel find derer drinnen,
Als niemals Sipa-Sprecher sind gewesen
E non pur io qui piango bolognese;
anzi n'è questo loco tanto pieno,
che tante lingue non son ora apprese
Am Ort, wo Savena und Reno rinnen.
Nicht brauch ich dir die Wahrheit zu beschwören.
Willst du dich unsrer Habsucht nur entsinnen!“
a dicer 'sipa' tra Sàvena e Reno;
e se di ciò vuoi fede o testimonio,
rècati a mente il nostro avaro seno».
Da gab ihm schon, den Säumgen aufzustören,
Ein Teufel was auf’s Fell: „Fort, Kuppler, weiter!
Um Gold sind Frauen hier nicht zu betören!“
Così parlando il percosse un demonio
de la sua scurïada, e disse: «Via,
ruffian! qui non son femmine da conio».
Drauf schloss ich wieder mich an den Begleiter
Und ging mit ihm, bis wir dahin gekommen,
Wo eine Felsenrippe sich als Leiter
I' mi raggiunsi con la scorta mia;
poscia con pochi passi divenimmo
là 'v' uno scoglio de la ripa uscia.
Uns bot, die wir alsbald bequem erklommen.
Auf ihrem Joch ward rechtshin fortgegangen
Und Abschied von dem äußern Kreis genommen,
Assai leggeramente quel salimmo;
e vòlti a destra su per la sua scheggia,
da quelle cerchie etterne ci partimmo.
Bis wo die Felsen auseinander sprangen,
Um Durchlass den Gepeitschten zu gestatten.
Da sprach Virgil: „In gleicher Richtung drangen
Quando noi fummo là dov' el vaneggia
di sotto per dar passo a li sferzati,
lo duca disse: «Attienti, e fa che feggia
Voran mit unserm Schritt die andern Schatten,
Darum betrachte jetzt auch die Gesichter,
Die wir bislang noch nicht gesehen hatten!“
lo viso in te di quest' altri mal nati,
ai quali ancor non vedesti la faccia
però che son con noi insieme andati».
An unsrer Brücke zog nun das Gelichter
Schwarmweis vorüber von der andern Seite,
Gepeitscht von Teufeln. – „Siehe!“ sprach der Dichter
Del vecchio ponte guardavam la traccia
che venìa verso noi da l'altra banda,
e che la ferza similmente scaccia.
„Den Großen dort! Ob ihm auch Schmerz bereite
Der bittre Gang, sein Stolz erlaubt’s ihm nimmer,
Dass e i n e Träne aus der Wimper gleite!
E 'l buon maestro, sanza mia dimanda,
mi disse: «Guarda quel grande che vene,
e per dolor non par lagrime spanda:
Wie königlich geht er einher noch immer!
Held Jason ist’s, der einst mit List und Mut
Den Kolchiern geraubt den goldnen Schimmer
quanto aspetto reale ancor ritene!
Quelli è Iasón, che per cuore e per senno
li Colchi del monton privati féne.
Des Vlieses, als an Lemnos Strand die Wut
Erzürnter Weiber, eifersucht-entbrannt,
Erbarmungslos vergoss der Männer Blut.
Ello passò per l'isola di Lenno
poi che l'ardite femmine spietate
tutti li maschi loro a morte dienno.
Hypsipylen hat er das Herz entwandt
Mit Schmeichelein von süßem Liebesglücke!
Und sie, die selbst zu heucheln gut verstand,
Ivi con segni e con parole ornate
Isifile ingannò, la giovinetta
che prima avea tutte l'altre ingannate.
Ließ er in Mutterhoffnung schnöd zurücke.
Hier büßt er dies, wie auch die an Medeen
Verübte Schuld und buhlerische Tücke;
Lasciolla quivi, gravida, soletta;
tal colpa a tal martiro lui condanna;
e anche di Medea si fa vendetta.
So trieben’s alle, die hier mit ihm gehen.
Von den Gegeißelten im ersten Tal
Genüg dir dies zu wissen und zu sehen!“ –
Con lui sen va chi da tal parte inganna;
e questo basti de la prima valle
sapere e di color che 'n sé assanna».
Wir standen auf dem Grate nun, der schmal
Den zweiten Damm durchkreuzt als Widerlage
Und Stützpunkt für das nächste Felsportal.
Già eravam là 've lo stretto calle
con l'argine secondo s'incrocicchia,
e fa di quello ad un altr' arco spalle.
Hier hörten wir Gestöhn und dumpfe Klage
Im zweiten Sack, wo sich ein Volk zerfetzte
Den eignen Leib mit grobem Puff und Schlage.
Quindi sentimmo gente che si nicchia
ne l'altra bolgia e che col muso scuffa,
e sé medesma con le palme picchia.
Der Schimmel, der die Wände rings besetzte,
Ward durch Verdunstung schon zur zähen Kruste,
Die Aug und Nase widerlich verletzte.
Le ripe eran grommate d'una muffa,
per l'alito di giù che vi s'appasta,
che con li occhi e col naso facea zuffa.
Mein Blick die Nacht nicht zu durchdringen wusste,
Die überm Abgrund spann ihr schwarzes Laken,
So dass ich erst zur Höhe klimmen musste,
Lo fondo è cupo sì, che non ci basta
loco a veder sanza montare al dosso
de l'arco, ove lo scoglio più sovrasta.
Um zu erkennen, wie im Unrat staken
Die Leute dort, dass sie beinah erstickte
Der Kot, der scheinbar stammte aus Kloaken.
Quivi venimmo; e quindi giù nel fosso
vidi gente attuffata in uno sterco
che da li uman privadi parea mosso.
Und da ich forschte, einen ich erblickte,
So kotig, dass es zu erkennen schwierig,
Ob auch für ihn einst die Tonsur sich schickte?
E mentre ch'io là giù con l'occhio cerco,
vidi un col capo sì di merda lordo,
che non parëa s'era laico o cherco.
Er schrie mich an: „Was lässt du so begierig
Den Blick auf m i c h als einzgen Schmutzbold gehen?“
Ich sprach: „Weil ich dich einst, zwar minder-schmierig
Quei mi sgridò: «Perché se' tu sì gordo
di riguardar più me che li altri brutti?».
E io a lui: «Perché, se ben ricordo,
Und trocknen Haares, sicher schon gesehen!
Interminei, Luccas Spross bist du,
Drum blieb ich aufmerksamer vor dir stehen!“
già t'ho veduto coi capelli asciutti,
e se' Alessio Interminei da Lucca:
però t'adocchio più che li altri tutti».
Und er, den Hohlkopf schlagend, rief mir zu:
„Die Schmeichelsucht hat mich hierher entrückt,
Die meiner Zunge nie ließ Rast noch Ruh!“
Ed elli allor, battendosi la zucca:
«Qua giù m'hanno sommerso le lusinghe
ond' io non ebbi mai la lingua stucca».
Jetzt riet mein Führer: „Halte dich gebückt
Und strecke vor den Kopf, so kannst du schauen
Die Dirne dort, die in den Mist gedrückt
Appresso ciò lo duca «Fa che pinghe»,
mi disse, «il viso un poco più avante,
sì che la faccia ben con l'occhio attinghe
Das Haar zerzaust hat und sich wie mit Klauen
Zerkratzt, die Nägel tief ins Fleisch geschlagen,
Bald steht, bald wälzt im Unrat gleich den Sauen,
di quella sozza e scapigliata fante
che là si graffia con l'unghie merdose,
e or s'accoscia e ora è in piedi stante.
Die Thais ist’s!“ – Auf ihres Buhlers Fragen:
‚Bist du mir, Liebste, nun zu Dank verpflichtet?’
Ließ sie ‚unsäglich’ ihm tzur Antwort sagen. –
Taïde è, la puttana che rispuose
al drudo suo quando disse "Ho io grazie
grandi apo te?": "Anzi maravigliose!".
Nun sei auf weitre Schaulust hier verzichtet!“ E quinci sian le nostre viste sazie».
<<< zurück
weiter >>>
Andrés Ehmann | Stephanstraße 11 | D-10559 Berlin