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Deutsch Italienisch Interpretation:

Sechzehnter Gesang: Zusammenfassung und Deutung

So allmählich verlieren wir den Überblick, aber er befindet sich immer noch im zweiten Unterkreis des siebten Kreises, im dritten Unterkreis des siebten Kreises befindet sich das Ungeheuer Geryon (es wird im siebzehnten, also nächsten Gesang, beschrieben). Diese wird Dante und Vergil in den achten Höllenkreis tragen, der wiederum eingeteilt ist, in acht halbreisförmige Sacktäler, die sich zum neunten Kreis hin öffnen. Ein Sacktal ist ein Tal, dass am Ende geschlossen ist, also kein normales Tal, dass an durchschreiten kann, sondern ein Tal, das an einem Ende wieder durch einen Berg geschlossen wird. Da sie immer den Fluss entlang schreiten und dieser sich in den dritten Unterkreis des siebenten Kreises ergießt, als Wasserfall, hören sie allmählich das Rauschen dieses Wasserfalls.

Das Grundproblem ist das gleiche wie vorher. Alle Figuren, die hier auftreten und die eigentlich für die dort zu büßenden Sünden stellvertretend sein müssten, sind eben mit dieser Sünde aufgrund dessen, was heute über diese Figuren noch bekannt ist, nicht in Zusammenhang zu bringen. Die zweite Frage die man sich stellen kann, ist, ob den Zeitgenossen Dantes irgendetwas bekannt war, was diese Figuren mit dieser Sünde in Zusammenhang bringt. Was den im fünfzehnten Gesang erwähnten Priscian betrifft, der, der eine grundlegende Grammatik des Lateinischen verfasste, können wir dies auschließen, denn er lebte 800 Jahre früher, bezogen auf das Jahr 1300, und wir können davon ausgehen, dass die Faktenlage sich in diesen 800 Jahren nicht verbessert hat. In Anbetracht der Tatsache, dass der Katholizismus wohl ganz allgemein ein Problem mit Erotik hat, vor allem wenn sie nicht im Zusammenhang mit der Fortpflanzung steht, kann man auch davon ausgehen, dass Dante schlicht jeden dieser Sünde verdächtigt, inklusiv sich selbst, darauf weisen auch diese Verse hin.

Ich hatte einen Strick mir umgetan
Den bunten Panther in bedrängten Stunden
Damit zu fangen, sollt er nochmals nahn

Angespielt wird hierbei wohl auf die Überlieferung, dass Dante nach Beatricens Tod den Tertiariern beitrat, einer Untergruppe der Franziskaner, die einen Strick um die Lenden trugen, um damit den bunten Panther (die Wollust) zu bekämpfen, wenn diese naht. Es fehlt dann allerdings die Begründung, warum nicht schlicht die gesamte Menschheit dort landet. Was für skurrile Gedankengänge auch immer Dante zu seiner eigenartigen Personalauswahl bewogen mögen haben, er zeigt sich hier als tief im Mittelalter verankert. Andererseits ist seine Einstellung zu dieser Personengruppe sehr positiv und wie seine ersten Bewunderer, allen voran Boccaccio, scheinen das ihn da auch nicht sonderlich ernst genommen zu haben, denn in dessen Decamerone geht es ziemlich ordentlich und konkret zur Sache. Ein Hinweis, wie er die Angelegenheit sah, ergibt sich noch aus der Tatsache, gibt noch dieser Vers

Den strafte man hier nicht mit Feuerpfeilen
Wie es der Ort verlangt, ich würde sagen
Dir ziemte mehr als ihnen, so zu eilen

Mit den sind die drei Figuren gemeint, die nicht dem Feuer ausgesetzt sind.

Da sah ich drei, die trennten sich und gingen
Abseits den anderen, die vom Funkelbrand
Im Laufen manchen heißen Guss empfingen


Vergil meint also, dass es Dante noch mehr als jenen anstehen würde, in diesem Kreis zu schmoren (…dir ziemte mehr als ihnen, so zu eilen). Man könnte jetzt natürlich ganz schwere Geschütze auffahren und darauf verweisen, dass die Verdammung der Sexualität auf eine Schwächung des Ichs hinausläuft und damit ideologisch instrumentalisiert werden kann.

„In Freuds Werk aber reproduziert sich wider Willen die Doppelfeindschaft gegen Geist und Lust, deren gemeinsame Wurzel zu erkennen Psychoanalyse gerade das Mittel geliefert hat. Die Stelle aus der »Zukunft einer Illusion«, an der mit der nichtswürdigen Weisheit eines abgebrühten alten Herrn die Commis-voyageur-Sentenz vom Himmel zitiert wird, den wir den Engeln und den Spatzen überlassen, ist das Seitenstück zu jenem Passus aus den Vorlesungen, wo er die perversen Praktiken der Lebewelt schaudernd verdammt. Denen Lust und Himmel gleichermaßen verekelt wird, die taugen dann in der Tat am besten zu Objekten: das Leere und Mechanisierte, das an erfolgreich Analysierten so oft sich beobachten läßt, kommt nicht nur aufs Konto ihrer Krankheit, sondern auch auf das ihrer Heilung, die bricht, was sie befreit.“

Adorno, Minimale Moralia

Und in dieser Richtung könnte man noch viele, ganz, ganz schwere Geschütze auffahren, die darauf verweisen, dass alle Ideologien Sexualität verdammen, insbesondere eben die katholische Kirche. Wir sehen das aber lockerer, so locker wie Boccaccio und lesen über diese Stellen einfach hinweg und hoffen, dass auch an den Schulen Italiens diese Ansichten relativiert werden, denn sonst werden sich die Italiener von ihrem Dante verabschieden.

Schauen wir uns die Figuren an, mit denen sich Dante unterhält. Der erste der genannt wird ist Don Guido Guerra. Guido Guerra wurde ungefähr im Jahre 1220 in Florenz geboren und starb in Montevarchi 1272, entstammte der angesehenen Familie der Conti Guidi. Er hielt sich eine zeitlang am Hofe des Staufeners Friedrich II auf (den hatten wir schon, ein Enkel von Barbarossa) wird aber nach seiner Rückkehr nach Italien ein Guelfe, also ein Anhänger des Papstums und damit eine Gegner des Kaisers. Er nimmt auf der Seiten der Guelfen an der Schlacht von Montaperti (4. September 1260) teil, in der die Guelfen ja geschlagen wurden, wodurch er gezwungen wird, Florenz zu verlassen. Er tritt dann in den Dienst von Karl von Anjou, den hatten wir auch schon, das ist der, dem der Papst das Königrreich Sizilien versprochen hatte, obwohl es eigentlich noch von dem Staufener Manfred von Sizilien stellvertretend für seinen Neffen regiert wird. Nach der Schlacht bei Benevento (die hatten wir auch schon, 26. Februar 1266) gewinnt aber der Anhänger des Papstums Karl von Anjou, Manfred von Sizilien stirbt während der Schlacht, die Guelfen sind also wieder oben. In dieser Schlacht tat sich Guido Guerra besonders hervor. 1267 kehrt er nach Florenz zurück, wo er 1272 stirbt. Tegghiajo Aldobrandi ist ein angesehener Fiorentiner, ein Guelfe, der vom Krieg gegen Siena abriet, also von jener für die Guelfen ungünstigen Schlacht von Montaperti, die für die Guelfen verloren ging, auf dessen Rat aber nicht gehört wurde. Der dritte im Bunde die einen Reigen tanzen, wobei sie immer auf Dante schauen, so dass sie den Kopf ziemlich verdrehen müssen, ist Iacopo Rusticucci. Der genaue Geburts- und Todestag sind nicht bekannt, bekannt ist nur, dass er 1254 die Kommission anführte, die mit den anderen Kommunen der Toscana über die Art der zukünftigen Kooperation verhandelte. Über Borsiera, der später genannte wird, ist nichts bekannt.

Dante und Vergil schreiten weiter, bis zu dem Punkt, wo das Wasser des Flusses sich in den dritten Unterkreis des siebten Kreises ergießt. In diesem Kreis wohnt Geyron. Was die Herkunft Geyrons angeht, wird es nun mächtig kompliziert. Geyron ist, wie sein Bruder Chrysaor, dem Kopf der Medusa entsprungen, als Perseus ihr selbigen abschlug. Schon das versteht man nicht auf Anhieb, das ist aber so. Die Schwangerschaft wurde im Kopf ausgetragen und Poseidon ist der Vater, da fragt man sich natürlich, wieso so ein hübscher junger Mann wie der Meeresgott Poseidon mit einer Frau in die Kiste steigt, um deren Kopf sich Schlangen winden und die gewaltige Eckzähne hat. So war das aber nicht, das Mädel war bildhübsch, so hässlich ist sie erst, seit Athene sie verwandelt hat, die wiederum sauer war, weil Poseidon den one night stand ausgerechnet in einem ihrer Tempel durchziehen musste. Wir schließen daraus, dass die griechischen Götter alle einen an der Waffel hatten. Was aber so verkorkst begann, das kann auch später nichts mehr werden. Geyron war ein Wesen mit drei Oberkörpern und betätigte sich irdgenwo im heutigen Spanien als Landwirt, hatte also hübsche Rindviecher. Diese wiederum sollte Herakles, dies war eine der zehn Aufgaben, die Eurystheus ihm stellte, dem er diente, weil ihm das Orakel zu Delphi dies empfohlen hatte, als Buse dafür, dass er seine Frau und seine Kinder erschlagen hatte (puh, das emotionale, sexuelle, soziale, philosophische Wirrnis der Griechen nimmt kein Ende) stehlen. Das schafft Herakles tatsächlich und deshalb ist Geyron, verständlicherweise, sauer und deswegen wird er von Herakles auch gleich hingemordert, mit einem Giftpfeil der Hera, was das ist egal, wahrscheinlich war Hera die Oma seiner Mutter, der er nächtlich beigewohnt hat, weil die Nichte seiner Tante ihm eine Droge einträufelte, die aus dem Zahn der Schlange stammt, die Zeus ans Bein gepinkelt hat, weil das Mischwesen aus Esel und Holunderbusch, das aus der Vermählung zwischen Aphrodite und Vulkanus hervorgegangen ist, nicht mit selbiger Schlange ins Kino gehen wollte. Wie auch immer. Der Geyron des Dante hat mit jenem Gyron nichts zu tun. Davon gleich mehr.

DIE HÖLLE: XVI Gesang Inferno: XVI CANTO
Schon hörten wir des Wassers Flutgebrause
Zum nächsten Kreis im jähen Falle springen,
Dem Summen gleich in einem Bienenhause.
Già era in loco onde s'udia 'l rimbombo
de l'acqua che cadea ne l'altro giro,
simile a quel che l'arnie fanno rombo,
Da sah ich der, die trennten sich und gingen
Abseits den andern, die vom Funkenbrand
Im Laufen manchen heißen Guss empfingen.
quando tre ombre insieme si partiro,
correndo, d'una torma che passava
sotto la pioggia de l'aspro martiro.
Sie nahten schreiend: „Halt du! Am Gewand
Erkennen wir’s genau, dass im verderbten
Florenz auch deine Wiege einstmals stand!“ –
Venian ver' noi, e ciascuna gridava:
«Sòstati tu ch'a l'abito ne sembri
essere alcun di nostra terra prava».
Weh! Was für alt und neue Wunden kerbten
Die Flammen ätzend ein dem weichen Fleische-
Mich schmerzt noch heut das Los der Heilsenterbten.
Ahimè, che piaghe vidi ne' lor membri,
ricenti e vecchie, da le fiamme incese!
Ancor men duol pur ch'i' me ne rimembri.
Mein Lehrer lauschte diesem Schmerzgekreische,
Sah dann zu mir und sprach: „Hier lass uns weilen,
Bedenk, dass Höflichkeit die Schar erheische!
A le lor grida il mio dottor s'attese;
volse 'l viso ver' me, e «Or aspetta»,
disse, «a costor si vuole esser cortese.
Dann strafte man nicht hier mit Feuerpfeilen,
Wie es der Ort verlangt, ich würde sagen:
Dir ziemte mehr als ihnen, so zu eilen!“
E se non fosse il foco che saetta
la natura del loco, i' dicerei
che meglio stesse a te che a lor la fretta».
Ich stand und neu begann ihr altes Klagen;
Und als sie nahe, fassten sie zum Drehen
Sich an, gleich einem Rad umher zu jagen.
Ricominciar, come noi restammo, ei
l'antico verso; e quando a noi fuor giunti,
fenno una rota di sé tutti e trei.
Wie nackte ölgesalbte Ringer stehen
Und Griff und Blöße zu erspähen pflegen,
Eh sie mit Stoß und Puff zum Angriff gehen:
Qual sogliono i campion far nudi e unti,
avvisando lor presa e lor vantaggio,
prima che sien tra lor battuti e punti,
So mussten sie im Wirbeltanz sich regen,
Das Antlitz immer starr mir zugewandt,
Der Hals dem Fuß an Richtung sich entgegen,
così rotando, ciascuno il visaggio
drizzava a me, sì che 'n contraro il collo
faceva ai piè continüo vïaggio.
Und einer rief: „ Falls uns der heiße Sand
Und unser Anblick nicht verächtlich machte,
Sowie der Glieder Wundenmal und Brand –
E «Se miseria d'esto loco sollo
rende in dispetto noi e nostri prieghi»,
cominciò l'uno, «e 'l tinto aspetto e brollo,
Hör unsern Namen, unsers Nachruhms achte,
Dann nenne dich und sag, wie du gefunden
Den Weg, der lebend dich zur Hölle brachte.
la fama nostra il tuo animo pieghi
a dirne chi tu se', che i vivi piedi
così sicuro per lo 'nferno freghi.
Der, dem ich folg wie an den Fuß gebunden,
War höhern Ranges, als du ahnst, im Leben,
Läuft er auch nackt hier, elend und zerschunden.
Questi, l'orme di cui pestar mi vedi,
tutto che nudo e dipelato vada,
fu di grado maggior che tu non credi:
Wer wird Gualdradas Enkel nicht erheben,
Den Guidoguerra, der als wackrer Held
Von Geist und Schwert uns Proben oft gegeben?
nepote fu de la buona Gualdrada;
Guido Guerra ebbe nome, e in sua vita
fece col senno assai e con la spada.
Der hinter mir durchstampft das lockre Feld.
Tegghiajo ist’s, des Warnung man verachtet,
Die doch Gehör verdiente auf der Welt!
L'altro, ch'appresso me la rena trita,
è Tegghiaio Aldobrandi, la cui voce
nel mondo sù dovria esser gradita.
Ich selbst nun, der hier gleich den beiden schmachtet,
Bin Rusticucci, und mein Weib vor allen
Verschuldet’s, dass solch Elend mich umnachtet.“ –
E io, che posto son con loro in croce,
Iacopo Rusticucci fui, e certo
la fiera moglie più ch'altro mi nuoce».
Wenn irgendwas mich vor des Feuers Wallen
Bewahrt, gestürzt hätt ich mich gleich hernieder,
Denn meinem Lehrer hätt es nicht missfallen;
S'i' fossi stato dal foco coperto,
gittato mi sarei tra lor di sotto,
e credo che 'l dottor l'avria sofferto;
Doch weil ich schrecklich mir versengt die Glieder,
Ließ Furcht die schöne Absicht mich verwinden,
Ans Herz zu drücken die Verehrten wieder.
ma perch' io mi sarei brusciato e cotto,
vinse paura la mia buona voglia
che di loro abbracciar mi facea ghiotto.
„Verachtung nicht, nur Schmerz kann ich empfinden,“ –
Begann ich – „dass euch solche Marter quält,
Und nie wird mir das Mitleid mit euch schwinden!
Poi cominciai: «Non dispetto, ma doglia
la vostra condizion dentro mi fisse,
tanta che tardi tutta si dispoglia,
Dass ich hier Männer träfe, auserwählt
Gleich euch, ward mir schon aus den Worten klar,
Mit denen mir mein Meister es erzählt.
tosto che questo mio segnor mi disse
parole per le quali i' mi pensai
che qual voi siete, tal gente venisse.
Ich bin aus eurer Stadt! Und immerdar
Klingt eurer Taten ehrenvoll Gedenken,
Davon ich Hörer gern und Herold war.
Di vostra terra sono, e sempre mai
l'ovra di voi e li onorati nomi
con affezion ritrassi e ascoltai.
Den Wermut flieh ich; süßre Frucht zu schenken,
Hat mir des Meister Wahrwort prophezeit,
Nur muss ich erst zum Weltenkern mich senken!“ –
Lascio lo fele e vo per dolci pomi
promessi a me per lo verace duca;
ma 'nfino al centro pria convien ch'i' tomi».
„Solang den Gliedern noch Bewegung leiht
Dein Geist,“ sprach er, „solang in Erdenlanden
Dein Ruf noch leuchten soll in ferner Zeit,
«Se lungamente l'anima conduca
le membra tue», rispuose quelli ancora,
«e se la fama tua dopo te luca,
Sprich: ist noch Mannheit, Edelsinn vorhanden
In unsrer Stadt, wie einst in alten Tagen,
Ach! Oder ist es wahr, dass beide schwanden?
cortesia e valor dì se dimora
ne la nostra città sì come suole,
o se del tutto se n'è gita fora;
Denn Borsiera, der hier unsern Plagen
Vereint seit kurzem – sieh! Da läuft er hin
Im Schwarm! – er schreckt deswegen uns mit Klagen!“ –
ché Guiglielmo Borsiere, il qual si duole
con noi per poco e va là coi compagni,
assai ne cruccia con le sue parole».
„Volkszuzug und der plötzliche Gewinn
Hat dich zu Stolz und Übermut betört,
Florenz, dass du’s mit Herzleid schon warst inn!“
«La gente nuova e i sùbiti guadagni
orgoglio e dismisura han generata,
Fiorenza, in te, sì che tu già ten piagni».
Das Auge himmelwärts, rief ich’s empört. –
Starr, wortlos sahen drauf sich an die drei,
Wie jeder tut, der schlimme Wahrheit hört,
Così gridai con la faccia levata;
e i tre, che ciò inteser per risposta,
guardar l'un l'altro com' al ver si guata.
Dann riefen sie: „Wohl dir, wenn du so Freitag
Zu jedem sprechen darfst mit solchen Worten
Und ungefährdet bleiben noch dabei!
«Se l'altre volte sì poco ti costa»,
rispuoser tutti, «il satisfare altrui,
felice te se sì parli a tua posta!
Doch scheidest du von diesen finstern Orten
Zum Sternenlicht zurück, dem milden, süßen,
Wo dich’s beglückt, zu sagen: ich war d o r t e n ,
Però, se campi d'esti luoghi bui
e torni a riveder le belle stelle,
quando ti gioverà dicere "I' fui",
Vergiss dann nicht, die Welt von uns zu grüßen!“
Drauf lösten sie sich aus der Arme Schlingen
Und stiebten hin mit eilbeschwingten Füßen.
fa che di noi a la gente favelle».
Indi rupper la rota, e a fuggirsi
ali sembiar le gambe loro isnelle.
Kein Amen kann so rasch im Mund verklingen,
Als diese drei der Ferne Dunst verschlungen,
Daher gefiel’s Virgil, dass wir auch gingen.
Un amen non saria possuto dirsi
tosto così com' e' fuoro spariti;
per ch'al maestro parve di partirsi.
Und als wir etwas weiter vorgedrungen,
Erreichten wir den Strom, dess’ Lärmgebrülle
Kaum überschrie die Kraft der stärksten Lungen.
Io lo seguiva, e poco eravam iti,
che 'l suon de l'acqua n'era sì vicino,
che per parlar saremmo a pena uditi.
Gleich jenem Fluss: - der eignen Gangs die Fülle
Als erster ostwärts lässt vom Viso toben
Am linken Apenninenhang ( das stille
Come quel fiume c'ha proprio cammino
prima dal Monte Viso 'nver' levante,
da la sinistra costa d'Apennino,
Gewässer wird er nur genannt dort oben,
Eh er talniederstürzt ins tiefe Bette,
Und bei Forli des Namens wird enthoben),
che si chiama Acquacheta suso, avante
che si divalli giù nel basso letto,
e a Forlì di quel nome è vacante,
Dann braust auf Benedettos heilge Stätte,
Dem Alpengrat entstürzend mit Zerstäuben,
Der Raum genug für tausend Siedler hätte -.
rimbomba là sovra San Benedetto
de l'Alpe per cadere ad una scesa
ove dovea per mille esser recetto;
So brach, die Ohren schmerzhaft zu betäuben,
Die trübe Flut sich trotz der Klippe Bahn,
Die es gewagt, dem Anprall sich zu sträuben. –
così, giù d'una ripa discoscesa,
trovammo risonar quell' acqua tinta,
sì che 'n poc' ora avria l'orecchia offesa.
Ich hatte einen Strick mir umgetan,
Den bunten Panther in bedrängten Stunden
Damit zu fangen, sollt er nochmals nahn, -
Io avea una corda intorno cinta,
e con essa pensai alcuna volta
prender la lonza a la pelle dipinta.
Sobald ich diesen Gurt nun abgebunden,
Wie es Virgil gebot, gab ich den Strick
In seine Hand, zu einem Knaul gewunden.
Poscia ch'io l'ebbi tutta da me sciolta,
sì come 'l duca m'avea comandato,
porsila a lui aggroppata e ravvolta.
Da trat Virgil nach rechts im Augenblick
Unweit zum Rand und warf vom klippenreichen
Das Bündel in den Abgrund mit Geschick.
Ond' ei si volse inver' lo destro lato,
e alquanto di lunge da la sponda
la gittò giuso in quell' alto burrato.
Ei! dacht ich mir: entsprechend diesem Zeichen
Muss Unbekanntes, Neues jetzt geschehen,
Weil nicht von ihm des Dichters Augen weichen. –
«E' pur convien che novità risponda»,
dicea fra me medesmo, «al novo cenno
che 'l maestro con l'occhio sì seconda».
Wie vorsichtsvoll muss man zu Werk doch gehen
Bei denen, die nicht nur die Tat gewahren,
Nein, auch Gedanken lesen und verstehen!
Ahi quanto cauti li uomini esser dienno
presso a color che non veggion pur l'ovra,
ma per entro i pensier miran col senno!
Er sprach: „Bald wird nun hoch vom Grunde fahren,
Was ich erhofft! und was dein Sinn erwägt,
Wird deinem Blicke schnell sich offenbaren!“ –
El disse a me: «Tosto verrà di sovra
ciò ch'io attendo e che il tuo pensier sogna;
tosto convien ch'al tuo viso si scovra».
Der Wahrheit, die der Lüge Antlitz trägt,
Soll möglichst sich des Menschen Mund verschließen,
Sonst wird nur Scham ihm schuldlos aufgeprägt –
Sempre a quel ver c'ha faccia di menzogna
de' l'uom chiuder le labbra fin ch'el puote,
però che sanza colpa fa vergogna;
Doch hier zu schweigen, würde mich verdrießen!
Bei der Komödie Versen sei’s beteuert,
Soll sie auch spätern Beifall noch genießen:
ma qui tacer nol posso; e per le note
di questa comedìa, lettor, ti giuro,
s'elle non sien di lunga grazia vòte,
Hier, Leser, hätt’ umsonst sein Herz befeuert
Der Kühnste, der wie ich im Zwielicht stand
Vor diesem Untier! – Aufwärts schwimmt’s und steuert,
ch'i' vidi per quell' aere grosso e scuro
venir notando una figura in suso,
maravigliosa ad ogne cor sicuro,
Als ob von Sandbank oder Klippenrand
Ein Mann den Anker unterhalb der Wogen
Gelöst hat und nun alle Kräfte spannt
sì come torna colui che va giuso
talora a solver l'àncora ch'aggrappa
o scoglio o altro che nel mare è chiuso,
Und aufwärts ringt, den Fuß fest angezogen. che 'n sù si stende e da piè si rattrappa.
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