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Deutsch Italienisch Interpretation:

Fünfzehnter Gesang: Zusammenfassung und Deutung

Dante und Vergil betreten nun den dritten Unterkreis des siebten Kreises, hier befinden sich die Sodomiten. Sodomie wurde im Mittelalter weiter gefasst als heute, bezeichnete alle Arten von Sexualpraktiken, die nicht „normal“ waren. Dante und Vergil wandeln entlang eines Flusses, über dem sich Dampf bildet, der sie vor dem Feuerregen schützt.

Heute nicht mehr rekonstruierbar ist der Zusammenhang zwischen den Figuren, die sich in diesem Kreis befinden und den dort zu büßenden Sünden, insbesondere ist unklar, warum Brunetto dort gelandet ist, den geschichtlichen Quellen lässt sich nicht entnehmen, dass Brunetto ein ausschweifendes Sexualleben geführt hätte. Brunetto gehörte einer angesehenen toskanischen Familie an, sein Geburtsdatum ist nur noch indirekt auf das Jahr 1220 datierbar, weil er 1254 Stadtschreiber von Florenz wurde, er musste als zu diesem Zeitpunkt schon älter gewesen sein. Weiter ergibt sich aus anderen Quellen, dass er teilweise als Guelfe wichtige politische Ämter bekleidete. Dokumentiert ist auch, dass er an den Hof Alfons X von Kastilien entsendet wurde um diesen zu bewegen, die Partei der Guelfen zu unterstützen. Als in der Schlacht von Montaperti unter dem Staufer Manfred von Sizilien am 4. September 1260 die Ghibellinen die Guelfen vernichtend schlugen, muss er nach Frankreich flüchten, wo er sieben Jahre lebt und als Notar tätig wird. Das Blatt wendet sich zu seinen Gunsten, als der Anhänger des Papstes Clemens IV
Karl von Anjou den Staufener Manfred von Sizilien in der Schlacht bei Benevento ( 26 Februar 1266, also ein Jahr nach Dantes Geburt ) vernichtend schlug und Manfred in dieser Schlacht stirbt. Hintergrund dieser Schlacht ist die Zuerkennung der Regentschaft über Sizilien, wo eigentlich, in Wahrnehmung der Rechte Konradins, Sohn Konrads IV und "rechtmäßiger" König von Sizilien, Manfred von Sizilien regiert an Karl von Anjou durch den Papst Clemens IV. Genau verstehen muss man da aber nicht, es ist halt das übliche unter den damaligen Königen übliche Gekeile um Macht, Ruhm und Geld. Brunetto auf jeden fall kehrt nach Florenz zurück, wo er Segretario del Consiglio della Republica wird, welche Aufgaben mit dieser Funktion genau verbunden sind, ist unklar, auf jeden Fall war es ein hohes politisches Amt. Er stirbt 1295 oder, nach anderen Quellen, 1296. Über ein ausschweifendes Sexualleben kann man nirgends etwas finden, aber er ist der Schöpfer des „Tesoro“ , in dem das mittelalterliche Wissen und die mittelalterlichen Vorstellungen zusammengefasst werden und das sich im zweiten Teil mit Ethik auseinandersetzt, woraus sich dann ergibt, dass er auch nicht wegen seiner Schriften in diesem Kreis der Hölle landen konnte denn dieser Teil fusst weitgehend auf der Nikomachische Ethik des Aristoteles, also eines für das Mittelalter maßgeblichen Philosophen. Wie dem auch immer sei, Dante kannte den Tesoro und hat sich von diesem auch inspirieren lassen. Lehrer allerdings ist nicht wörtlich zunehmen, Brunetto hat Dante nicht im eigentlichen Sinne unterrichtet. Brunetto weissagt Dante seine (also Dantes) Zukunft.

Schwierigkeiten bereiten noch diese Verse.

Doch jenes Volk von Schändlich Undankbaren
Das ehemals die von Fiesole gestiegen
Und noch des Felssteins Härte in sich trägt.

Angespielt wird auf die Tatsache, dass Florenz von Fiesole, heute 10 von Florenz entfernt, aus gegründet wurde. Des Felssteins Härte spielt auf die Tatsache an, dass Fiesole in den Bergen liegt.

Unklar ist auch diese Verse.

Es strotzt von Hochmut, Habgier, Eifersucht
Ein altes Sprichwort nennt sie schon die Blinden Sei stets vor ihrem Beispiel auf der Flucht

Mit dem alten Sprichwort wird unter Umständen auf diesen Sachverhalt angespielt. Die Ostgoten konnten in Italien auch nach der Niederlage gegen das oströmische Reich noch einen Reststaat nördlich des Pos erhalten. In diesem Stieg Totila (gestorben 552) vom Heerführer zum König auf. In seinem Bestreben Italien zu einigen, insbesondere aber auch die Kluft zwischen den Ostgoten und den romanischen Völkern zu überbrücken, versprach er die Befreiung von übermäßigen Steuern und die Befreiung der Sklaven. Versprechen, die er nur teilweise hielt.

Und ziemlich unklar sind auch diese Verse.

Einander soll das Viehzeug sich verschlingen Von Fiesole, jedoch kein Kraut benagen
Wenn noch ihr Mist ein Kraut hervor kann bringen

Woraus der heilige Same neu soll schlagen
Der Römer, die geblieben an der Stätte
Die solch ein schändlich Bosheitsnest getragen


Höchstwahrscheinlich wird darauf angespielt, dass in Florenz ehemalige Legionäre Roms wohnten, wie auch Fiesolaner und letztere sollen eben aussterben, also keinen Mist mehr hervorbringen, der wiederum Dünger für Gras, Nahrung, ist. Wenn alle Fiesolaner tot sind, bleiben nur noch die Römer übrig, die in diesem Bosheitsnest ausgeharrt haben. Was uns der Dichter damit aber sagen will, ist reichlich unklar, denn immerhin liegen die beschriebenen historischen Geschehnisse zur Zeit als Dante sie schildert gut 1000 Jahre zurück.

Dante befragt Brunetto, wer noch alles in diesem Kreis der Hölle schmort und Brunetto nennt Franz von Accorso und Priscian. Auch über diese beiden kann man aufgrund der geschichtlichen Überlieferung nicht mit sexuellen Auschweifungen in Verbindung bringen. Francesco d' Accorso war der Sohn des fiorentinischen Rechtsgelehrten Accorsio da Bagnolo und wie sein Vater Rechtsgelehrter. Er unterrichtete bis zum Jahre 1273 an der Universität von Bologna bis er von Eduard I von England einen Ruf an die Universität Oxford erhielt, kehrte aber 1281 nach Bologna zurück, als die durch seine Zugehörigkeit zur Partei der Ghibellinen durchgeführte Enteignung zurück genommen wurde. Völlig unklar ist auch, wieso Priscian in diesem Kreis der Hölle gelandet ist. Priscian lebte etwa um 500 nach Christus und schrieb ein Standardwerk über die lateinische Grammatik (Institutiones grammaticae , Grammatikalische Grundlagen). Warum diese zwei beim Auswurf gelandet sind, versteht kein Mensch.

Franz von Accorso läuft hier in der Runde,
Priscian auch, und, falls dir‘ s nicht Ekel brächte,
Zu überschaun den Auswurf hier im Grunde

Ich wies dir den auch, den der Knecht der Knechte
Vom Arno schickte zum Vizenzer Lande,
Wo Missbrauch toller Brunst sein Sterben rächte


Der Knecht der Knechte ist Papst Nikolaus III, der Andrea de’Mozzi, Bischof von Florenz, nach Vicenza schickte. Für das Laster entwickeln wir nun ein ähnliches Interesse wie der glühendste Verehrer Dantes, Boccaccio, in dessen Decamerone es ja richtig zur Sache geht, doch leider werden wir nicht fündig. Auch von Andrea de‘ Mozzi sind keine erotischen Eskapaden bekannt, und da er auch noch Bischof war, befürchten wir eher das Schlimmste in die andere Richtung.

Was Dante veranlasst hat, zur Illustrierung derart unpassende Figuren auszuwählen wissen wir nicht, lassen es auf sich beruhen und stellen nur fest, dass die moralischen Prinzipien, die in der Divina Commedia zum Ausdruck kommen, seine glühendsten Verehrer irgendwie nicht interessant haben. Im Decamerone von Boccaccio finden wir sowas:

„Dieser erriet indes, entweder aus Alessandros Benehmen oder aus innerer Ahnung, diesen Verdacht, zog rasch das Hemd aus, das er noch anhatte, ergriff die Hand des jungen Mannes, legte sie auf seine Brust und sagte: »Alessandro, verbanne deinen törichten Wahn und erkenne hier, was ich bisher verbarg.« Alessandros Hand hatte inzwischen auf der Brust des Abtes zwei runde, feste und zarte Hügel entdeckt, die sich nicht anders anfühlten, als seien sie von Elfenbein, und kaum hatte er diese gefunden und sogleich erkannt, daß er neben einem Mädchen lag, so hatte er es auch, ohne eine weitere Aufforderung abzuwarten, in den Arm genommen und wollte es schon zu küssen anfangen, als es ihn mit folgenden Worten unterbrach:“

Und ein ganze Masse mehr. Das schließen wir dann, dass über einige Wirrheiten der Divina Comedia immer wieder gelassen hinweggeblättert wurde.

DIE HÖLLE: XV Gesang Inferno: XV CANTO
So trägt uns fort des Ufers fester Rand,Und drüber wölbt des Wassers Dunst den Bogen,
Der Damm und Flut beschützt vor Feuersbrand.
Ora cen porta l'un de' duri margini;
e 'l fummo del ruscel di sopra aduggia,
sì che dal foco salva l'acqua e li argini.
Ganz wie in Flandern Deiche sind gezogen
Vor Brügge und Kadsant, dass bei der Flut
Das Bollwerk brechen soll die Kraft der Wogen;
Quali Fiamminghi tra Guizzante e Bruggia,
temendo 'l fiotto che 'nver' lor s'avventa,
fanno lo schermo perché 'l mar si fuggia;
Und wie des Paduaner Vorsicht tut:
Eh Lenzglut drückt auf Kärntens Gletscherkämme,
Nimmt Stadt und Burgen er in sichre Hut
e quali Padoan lungo la Brenta,
per difender lor ville e lor castelli,
anzi che Carentana il caldo senta:
Und schützt die Brenta durch Gestein und Stämme_
In gleicher Art, nur nicht so hoch, erbaute
Hier unbekannten Meisters Kunst die Dämme.
a tale imagine eran fatti quelli,
tutto che né sì alti né sì grossi,
qual che si fosse, lo maestro félli.
Bald waren wir vom Wald, der uns umgraute,
Soweit entfernt, dass, wo er nur gelegen,
Der rückgewandte Blick nicht mehr erschaute.
Già eravam da la selva rimossi
tanto, ch'i' non avrei visto dov' era,
perch' io in dietro rivolto mi fossi,
Da liefen Seelen uns am Damm entgegen,
Und jede sah, indem sie näher rückte,
Uns prüfend an, wie wir im Neumond pflegen.
quando incontrammo d'anime una schiera
che venian lungo l'argine, e ciascuna
ci riguardava come suol da sera
Blinzelnd das Augenlid zusammendrückte
Die ganze Schar; so tut ein greiser Schneider,
Bis ihm ins Nadelöhr zu treffen glückte.
guardare uno altro sotto nuova luna;
e sì ver' noi aguzzavan le ciglia
come 'l vecchio sartor fa ne la cruna.
So sah der Schwarm das Nahen unser beider,
Und wie sie alle gafften, da entdeckte
Mich einer, griff beim Saum mich meiner Kleider
Così adocchiato da cotal famiglia,
fui conosciuto da un, che mi prese
per lo lembo e gridò: «Qual maraviglia!».
Und rief: „Welch Wunder!“ – Da sein Arm sich reckte
Nach mir, sah ich ihm ins Gesicht, das schier
Verbrannt war; doch das bald-erkannte weckte
E io, quando 'l suo braccio a me distese,
ficcaï li occhi per lo cotto aspetto,
sì che 'l viso abbrusciato non difese
Vergangner Zeit Erinnerung in mir.
Da bog ich seinem Antlitz meins entgegen
Und rief: „Wie, Herr Brunetto, seid Ihr h i e r ?“
la conoscenza süa al mio 'ntelletto;
e chinando la mano a la sua faccia,
rispuosi: «Siete voi qui, ser Brunetto?».
Und er: „Mein Sohn, nicht sei dir’s ungelegen,
Wenn dein Latini umkehrt ein paar Schritte
Und nicht die andern kreuzt auf ihren Wegen.“
E quelli: «O figliuol mio, non ti dispiaccia
se Brunetto Latino un poco teco
ritorna 'n dietro e lascia andar la traccia».
Und ich: „Das ist’s, warum ich herzlich bitte!
Auch rast’ ich gern mit Euch zu kurzem Sitze,
Wenn Ihr es wünscht und dies mein Führer litte.“ –
I' dissi lui: «Quanto posso, ven preco;
e se volete che con voi m'asseggia,
faròl, se piace a costui che vo seco».
„Mein Sohn, wer sitzend ruht, muss in der Hitze,“
Sprach er, „zur Strafe hundert Jahre liegen,
Wehrlos, wie auch das Feuer ihn bespritze!
«O figliuol», disse, «qual di questa greggia
s'arresta punto, giace poi cent' anni
sanz' arrostarsi quando 'l foco il feggia.
Drum geh, ich will an dein Gewand mich schmiegen
Und dann zurück zur Wandersippschaft eilen,
Die über Qualen weint, die nie versiegen.“
Però va oltre: i' ti verrò a' panni;
e poi rigiugnerò la mia masnada,
che va piangendo i suoi etterni danni».
Ich wagte nicht, zu ihm hinab der steilen
Abhang zu treten, doch ich hielt gesenkt
Das Haupt: in Ehrfurcht neben Ihm zu weilen.
Io non osava scender de la strada
per andar par di lui; ma 'l capo chino
tenea com' uom che reverente vada.
Und er: „Welch Schicksal oder Zufall lenkt
Dich vor dem Tode schon in diese Tale,
Wer hat zum Weg die Führung dir geschenkt?“ –
El cominciò: «Qual fortuna o destino
anzi l'ultimo dì qua giù ti mena?
e chi è questi che mostra 'l cammino?».
„Dort oben, über uns, im heitern Strahle
Des Lichts, verirrt ich mich im Tal der Schrecken,
Eh sich gefüllt noch meines Lebens Schale.
«Là sù di sopra, in la vita serena»,
rispuos' io lui, «mi smarri' in una valle,
avanti che l'età mia fosse piena.
Erst gestern früh ließ ich die öden Strecken
Und wandte mich zur Flucht, bis mein Begleiter
Erschien und mir den Herweg half entdecken!“
Pur ier mattina le volsi le spalle:
questi m'apparve, tornand' ïo in quella,
e reducemi a ca per questo calle».
Brunetto drauf: „Folg deinem Sterne weiter!
Nicht wirst du irregehn zum Port der Ehre,
Falls mich nicht trog das Leben hell und heiter.
Ed elli a me: «Se tu segui tua stella,
non puoi fallire a glorïoso porto,
se ben m'accorsi ne la vita bella;
Dein Tun hätt ich gestärkt durch Rat und Lehre,
Dir, dem die Sterne sich so günstig scharen, -
Zu früh kam ich zu diesem Jammerheere.
e s'io non fossi sì per tempo morto,
veggendo il cielo a te così benigno,
dato t'avrei a l'opera conforto.
Doch jenes Volk von Schändlich-Undankbaren,
Das ehemals von Fiesole gestiegen
Und noch des Felssteins Härte scheint zu wahren,
Ma quello ingrato popolo maligno
che discese di Fiesole ab antico,
e tiene ancor del monte e del macigno,
Dich wird’s ob deiner Tugend schwer bekriegen,
Und muss auch wohl: denn süßer Feigen Frucht
Wird nie am bittern Dornenstrauch sich wiegen.
ti si farà, per tuo ben far, nimico;
ed è ragion, ché tra li lazzi sorbi
si disconvien fruttare al dolce fico.
Es strotzt von Hochmut, Habgier, Eifersucht,
Ein altes Sprichwort nennt sie schon die Blinden –
Sei stets vor ihrem Beispiel auf der Flucht!
Vecchia fama nel mondo li chiama orbi;
gent' è avara, invidiosa e superba:
dai lor costumi fa che tu ti forbi.
Dein harrt der Ruhm! Gelüst nach dir empfinden
Wird jede der Partein in heißem Ringen –
Dies Kraut soll keins der beiden Mäuler finden!
La tua fortuna tanto onor ti serba,
che l'una parte e l'altra avranno fame
di te; ma lungi fia dal becco l'erba.
Einander soll das Viehzeug sich verschlingen
Von Fiesole, jedoch kein Kraut benagen,
Wenn noch ihr Mist ein Kraut hervor kann bringen,
Faccian le bestie fiesolane strame
di lor medesme, e non tocchin la pianta,
s'alcuna surge ancora in lor letame,
Woraus der heilge Same neu soll schlagen
Der Römer, die geblieben an der Stätte,
Die solch ein schädlich Bosheitsnest getragen!“ –
in cui riviva la sementa santa
di que' Roman che vi rimaser quando
fu fatto il nido di malizia tanta».
„Wenn Gott mein Hoffen ganz erfüllet hätte,“
Sprach ich, „gelöst hätt seine Hand noch nicht
Euch teures Glied aus der Naturen Kette.
«Se fosse tutto pieno il mio dimando»,
rispuos' io lui, «voi non sareste ancora
de l'umana natura posto in bando;
Doch euer gütig Vaterangesicht
Bleibt ewig vorm betrübten Geist mir schweben,
Der nie vergisst, wie Ihr im Erdenlicht
ché 'n la mente m'è fitta, e or m'accora,
la cara e buona imagine paterna
di voi quando nel mondo ad ora ad ora
Mich lehrtet, ewgem Ruhme nachzustreben.
Wie hoch ich’s schätze, will ich lebenslange
Mit Worten dankbar zu erkennen geben,
m'insegnavate come l'uom s'etterna:
e quant' io l'abbia in grado, mentr' io vivo
convien che ne la mia lingua si scerna.
Und was Ihr spracht von meinem Zukunftsgange
Will ich beherzgen, bis ich d i e darf schauen,
Die alle Rätsel löst dem Zweifeldrange.
Ciò che narrate di mio corso scrivo,
e serbolo a chiosar con altro testo
a donna che saprà, s'a lei arrivo.
Doch sei’s gesagt! Und fest sollt Ihr drauf bauen:
Gibt das Gewissen mir kein mahnend Zeichen,
Dann bringt kein Schicksalsschlag mir feiges Grauen!
Tanto vogl' io che vi sia manifesto,
pur che mia coscïenza non mi garra,
ch'a la Fortuna, come vuol, son presto.
Ich weiß es wohl, solch Angeld muss ich reichen;
Mag seine Hacke drum der Bauer schwingen,
Mag drehn Fortuna ihres Rades Speichen!“ –
Non è nuova a li orecchi miei tal arra:
però giri Fortuna la sua rota
come le piace, e 'l villan la sua marra».
Auf mich zurück, indem wir weitergingen,
Wandte Virgil sein Aug und sprach dies Wort:
„Gut hörten, die Gehörtes gut vollbringen!“
Lo mio maestro allora in su la gota
destra si volse in dietro e riguardommi;
poi disse: «Bene ascolta chi la nota».
Doch ungestört fuhr ich im Gehen fort,
Zu bitten Herrn Brunett, mir d i e zu nennen,
Die am berühmtesten an diesem Ort.
Né per tanto di men parlando vommi
con ser Brunetto, e dimando chi sono
li suoi compagni più noti e più sommi.
„Ist’s lehrreich,“ sprach er, „einige zu kennen,
Andre zu übergehn wird löblich scheinen;
Kurz ist die Zeit – bald müssen wir uns trennen.
Ed elli a me: «Saper d'alcuno è buono;
de li altri fia laudabile tacerci,
ché 'l tempo saria corto a tanto suono.
Von Ruf und Ruhm sind alle, und es einen
Gelehrte hier sich Gestlichen Zum Bunde
Ob jenes Fehls, den wir alle beweinen.
In somma sappi che tutti fur cherci
e litterati grandi e di gran fama,
d'un peccato medesmo al mondo lerci.
Franz von Accorso läuft hier in der Runde,
Priscian auch; und – falls dir’s nicht Ekel brächte,
Zu überschaun den Auswurf hier im Grunde –
Priscian sen va con quella turba grama,
e Francesco d'Accorso anche; e vedervi,
s'avessi avuto di tal tigna brama,
Ich wies dir d e n auch, den der Knecht der Knechte
Vom Arno schickte zum Vizenzer Lande,
Wo Missbrauch toller Brunft sein Sterben rächte.
colui potei che dal servo de' servi
fu trasmutato d'Arno in Bacchiglione,
dove lasciò li mal protesi nervi.
Gern spräch ich mehr, doch mitgehn hier am Rande
Darf ich nicht länger, denn schon ballt sich dicht
Ein Qualmgewölk empor vom heißen Sande,
Di più direi; ma 'l venire e 'l sermone
più lungo esser non può, però ch'i' veggio
là surger nuovo fummo del sabbione.
Auch nahen andre, die zu fliehn mir Pflicht!
Nur mein ‚Tesoro’ sei dir noch empfohlen,
Der mich verewgen soll – mehr wünsch ich nicht!“ –
Gente vien con la quale esser non deggio.
Sieti raccomandato il mio Tesoro,
nel qual io vivo ancora, e più non cheggio».
Fort lief er, die Genossen einzuholen,
Als ob er zu Veronas Volk gehöre,
Dem Wettlauf spornt uns grüne Tuch die Sohlen,
Poi si rivolse, e parve di coloro
che corrono a Verona il drappo verde
per la campagna; e parve di costoro
Als ob er hier gewönne, statt verlöre! quelli che vince, non colui che perde.
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