Werbung ausblenden
 

Zu Favoriten...

  Als Startseite...
Deutsch Italienisch Interpretation:

Zehnter Gesang: Zusammenfassung und Deutung

Der Übergang zwischen dem fünften Kreis der Hölle, wo die Zornigen ihre Sünden büßen und dem sechsten Kreis der Hölle, wo die Gottlosen sühnen, ist fließend. Schon am Ende des neunten Gesanges wandelten Dante und Vergil in den sechsten Kreis hinüber.

O Herr, sprach ich, wer sind die Unglückssöhne
Die eingesargt in diesen glühnden Zwingern
Solch Wimmern hören lassen und Gestöhne

Von Ketzern starrt, von höhern und geringern
Sektierern dies Gefild – und solcherart
Gibt‘ s mehr hier, als du ahnst, von Irrtumsbringern


Überall stehen offene Särge, die erst am Tage des jüngsten Gerichts geschlossen werden, wenn die Körper von Josaphat, wo nach christlicher Überlieferung das jüngste Gericht stattfindet, zur Hölle gewandert sind.

Es tauchen nun gewichtige Ketzer auf, die aber offensichtlich bei Dante nicht soviel Ansehen genießen, wie Vergil. Epikur zum Beispiel hatte ähnlich wie Vergil auch keine Chance, den „wahren“ Glauben anzunehmen, denn er starb 270 vor Christus. Offensichtlich landet er deswegen im sechsten Kreis der Hölle, im Gegensatz zu Vergil, der ja im ersten gelandet ist, weil er ein philosophisches System entwickelte, das in wesentlichen Kernaussagen, dem Christentum widerspricht.

Auf dieser Seite der Begräbnisstadt
Liegt Epikur mit seiner Schüler Scharen
Der die Unsterblichkeit geleugnet hat


Die Begründung die Epikur gibt, ist einfach, aber überzeugend.

„Gewöhne dich daran zu glauben, dass der Tod keine Bedeutung für uns hat. Denn alles, was gut, und alles, was schlecht ist, ist Sache der Wahrnehmung. Der Verlust der Wahrnehmung aber ist der Tod. Daher macht die richtige Erkenntnis, dass der Tod keine Bedeutung für uns hat, die Vergänglichkeit des Lebens zu einer Quelle der Lust, indem sie uns keine unbegrenzte Zeit in Aussicht stellt, sondern das Verlangen nach Unsterblichkeit aufhebt. […] Das schauerlichste aller Übel, der Tod, hat also keine Bedeutung für uns; denn solange wir da sind, ist der Tod nicht da, wenn aber der Tod da ist, dann sind wir nicht da.“

Eine tiefere Auseinandersetzung mit Epikur findet aber nicht statt. Der nächste Häretiker, dem er begegnet ist sein Landsmann Farinata. Farinata degli Ulberti war der bedeutendste Anführer der Ghibellinen, als der Partei, die für das Kaisertum in Italien und gegen den Papst war. Der Vorwurf der Häresie, den Dante hier erhebt, war in Bezug auf die Ghibellinen allgemein naheliegend. Wer gegen den Papst war, war eben auch gegen die Religion. Man kann sich darüber wundern, dass Dante diese einfachen Denkschemata einfach übernommen hat, umso mehr, als er ja selber zahlreiche Wandlungen seiner politischen Anschauungen erfahren hat: Vom schwarzen Guelfen, zu der er aufgrund seiner Heirat mit einer Donati, einer der führenden Familien der schwarzen Guelfen in enger Beziehung stand, zum weißen Guelfen, die weder den Papst noch den Kaiser unterstützten sondern für eine neutralere Haltung plädierten, zum Anhänger des Kaisertums. Farinata spielte eine bedeutende Rolle bei der Schlacht Monteparti am 4. September 1260 (also fünf Jahre vor Dantes Geburt), bei der die Ghibellinen die Partei der Guelfen vernichtend schlugen (ohne dass dies das Auf und Ab der Machtverhältnisse grundlegend geändert hätte). Zur gleichen Zeit hielt er aber den radikalen Flügel der Partei der Ghibellinen davon ab, Florenz zu zerstören und seine Einwohner zu verschleppen. Darauf nimmt er hier Bezug.

Doch ich allein war‘ s, der als man den Rat
Einstimmig vorgebracht Florenz zu schleifen
Offnen Visiers dem Sturm entgegentrat
Auf historische Geschehnisse wird auch hier Bezug genommen.

Dann sprach er: Fürchterliche Gegner waren
Sie meinen Ahnen und auch der Partei
Und deshalb trieb ich zweimal sie zu Paaren

Drauf ich: Wenn auch verjagt, sie kehrten frei
Zweimal zurück und drum prüfe überlegend
Ob diese Kunst den deinen eigen sei


Die Guelfen wurden durch Farinata zweimal, 1248 und 1260, vertrieben, waren aber auch zweimal, 1250 und 1266, zurückgekehrt.

An dieser Stelle bricht der Dialog mit Farinata erstmal ab, weil sich ein anderer Schatten erhebt und Dante anspricht.

Hier hob sich neben ihm, sich langsam regend
Ein anderer Schatten aufrecht bis zum Knie


Um wen es sich dabei handelt, kann Dante der Art der Strafe (Ketzerei) und der Frage entnehmen, er schließt auf Guido.

Nicht eigener Wert hat mich hierher gebracht
Der dort, sprach ich, wies mir den Weg, den schweren
Dein Guido gab auf ihn wohl wenig acht

Guido Cavalcanti ist der Vater eines Freundes von Dante, wie jener selbst Dichter und wie jener ein Anhänger der Partei der weißen Guelfen (Dante wechselt ja einmal die Fronten, wird vom schwarzen Guelfen zum weißen Guelfen). Dante allerdings verbannt ihn 1300 als Angehöriger des Prioritats, also der Stadtregierung, aus der Stadt, weil er Unruhe stiftet. Der Bann wird noch im selben Jahr gelöst, Guido Cavalcanti (also der Sohn, der auch Farinatas Schwiegersohn ist) kehrt nach Florenz zurück, stirbt aber noch im selben Jahr im August an Malaria. Da Dante im April dieses Jahres mit der Divina Commedia begann, kann man darüber spekulieren, ob ihm zu diesem Zeitpunkt bereits bekannt war, dass Guido tot ist, oder nicht. Später sagt er dass Guido noch lebt. Warum konkret Guido Cavalcanti ein Ketzer ist wird nicht gesagt, als weißer Guelfe, die ähnlich wie die Ghibellinen ja auch gegen den Papst (aber im Gegensatz zu jenen auch gegen den Kaiser waren) handelt es sich wohl wieder um den Generalverdacht, wer gegen den Papst ist, wie Dante selbst zeitweise, ist auch gegen das Christentum.

Nachdem Guidos Vater wieder im Sarg abgetaucht ist, richtet Farinata wieder das Wort an ihn, noch in der Hölle von Hass gegen die Guelfen erfüllt.

Und neuverknüpfend seiner Wort Kette
Sprach er: Wenn Ihnen diese Kunst gebricht
Marterts mich mehr als dieses Flammenbette


Das heißt, wenn es die Ghibellinen nicht schaffen, die Guelfen ein für allemal zu vertreiben, dann martert ihn das mehr, als der glühende Sarg, indem er sich gerade befindet.

Er droht Dante, dass er die Kunst der Ghibellinen noch wird kennen lernen. Noch ehe „die Herrin dieser Nächte“ (gemeint ist Hekate / Prosperina, Göttin der Übergänge, der Nekromantie und des Spuks) fünfzigmal erscheint, das heißt nach fünfzig Mondphasen, erfährt Dante das Exil. Was tatsächlich zutrifft, denn 1304 wurde Dante dann tatsächlich verbannt (50 / 12 ~~~ 4). Eine andere Interpretation wäre, dass sich die 50 Monde auf das Jahr 1304 beziehen, als eine Einigung zwischen den weißen und schwarzen Guelfen scheiterte und damit Dantes Hoffnung auf Rückkehr nach Florenz für immer verloren ging.

Allerdings hofft auch Farinata auf Versöhnung.

Sprich: Willst du wieder zu den süßen Gründen
Muss gegen mein Geschlecht denn soviel Wut
Beim Volke sich in jeder Satzung finden?

Ich sprach: Die Schlacht verschuldet‘ s und das Blut
Das überspurpurt hat der Arbia Wogen
Weshalb der Tempel solche Sprüche tut


Den Ghibellinen waren weder die weißen noch die schwarzen Guelfen wohl gesonnen. Im Fall von Farinata ist es aber noch extremer, denn beide Parteien verfolgen diese Familie mit einem ganz besonderen Hass, das meint „mein Geschlecht“. Der Tempel ist die Kirche, wo üblicherweise auch weltliche Versammlungen stattfanden. L‘ Arbia ist ein Fluss in der Nähe von Monteparti, wo die Ghibellinen die Guelfen vernichtend schlugen, was jene eben nie vergasen.

Die nächsten Verse sind etwas dunkel. Die Verdammten sehen zwar, was in der Ferne liegt, aber nicht das, was in der Nähe stattfindet.

Weitsichtigen ähnlich sehn wir von den Dingen
Nur die, sprach er, die noch im Fernen liegen
Soweit lässt unser Blick der Höchste dringen

Betrachtet man die Gesamtstruktur, in der die Strafen immer zur Sünde passen, dann wäre eine mögliche Interpretation, dass die, die auf der Erde nur im Hier und Jetzt lebten, ohne auf die Zukunft zu schauen, in der Hölle dazu verdammt sind, nur noch in die Zukunft zu schauen. Gibt es nach dem Jüngsten Gericht keine Zukunft mehr, sehen sie gar nichts mehr.

Vergil fordert ihn auf, weiterzugehen. Er fragt Farinata noch, wer sich sonst hier aufhalte. Farinata nennt Friedrich II und den Kardinal. Auch bei Friedrich II, ein Enkel des Staufers Barbarossa, erschließt sich einem nicht zwingend, wieso dieser als Ketzer in der Hölle landet. Zwar war er tatsächlich vom Papst Honorius III mit dem Bann belegt worden, doch das allein rechtfertigt noch nicht, ihn als Ketzer hinzustellen. Eine ausführliche Biographie Friedrich II findet sich hier http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_II._(HRR). Der Kardinal ist Ottaviano degli Ubaldini (1214-1273), der einer ghibellinischen Familien entstammt. Offensichtlich reicht das schon aus, ihn als Ketzer zu bezeichnen, obwohl er sich in der Auseinandersetzung zwischen dem Papst und Friedrich II auf die Seite des Papstes stellte und damit gegen die Staufener und somit gegen die Ghibellinen und für die Guelfen. Man kann manchmal finden, dass in der Divina Commedia die historischen Fakten nicht angemessen berücksichtigt werden.

Dante ist durch die Prophezeiungen des Farinata, dieser prophezeit ihm ja das Exil, etwas geknickt, aber Vergil tröstet ihn damit, dass Beatrice ihm noch mehr prophezeien wird.

DIE HÖLLE: X Gesang Inferno: X CANTO
So ging es in der engen Gasse weiter,
Zwischen den Mauern und den Martern allen,
Ich folgte meinem Führer und Begleiter.
Ora sen va per un secreto calle,
tra 'l muro de la terra e li martìri,
lo mio maestro, e io dopo le spalle.
„O hohe Kraft,
die durch die sündgen Hallen
Mich führt,“ begann ich, „sprich und gib Bescheid
Auf meiner Wünsche Fragen nach Gefallen!
«O virtù somma, che per li empi giri
mi volvi», cominciai, «com' a te piace,
parlami, e sodisfammi a' miei disiri.
Die in den Särgen liegen weit und breit,
Darf man sie sehen? – Sind doch abgehoben
Die Deckel, und kein Wächter steht bereit.“
La gente che per li sepolcri giace
potrebbesi veder? già son levati
tutt' i coperchi, e nessun guardia face».
Und er: „Der Särge Schließung bleibt verschoben,
Bis sie zurückgekehrt von Josaphat
Mit ihren Körpern, die sie ließen droben.
E quelli a me: «Tutti saran serrati
quando di Iosafàt qui torneranno
coi corpi che là sù hanno lasciati.
Auf dieser Seite der Begräbnisstadt
Liegt Epikur mit seiner Schüler Scharen,
Der die Unsterblichkeit geleugnet hat.
Suo cimitero da questa parte hanno
con Epicuro tutti suoi seguaci,
che l'anima col corpo morta fanno.
Dort wirst du bald Befriedigung erfahren,
Auch kannst du dort den Wunsch ganz ohne Sorgen,
Den mir dein Herz verheimlicht, offenbaren.“
Però a la dimanda che mi faci
quinc' entro satisfatto sarà tosto,
e al disio ancor che tu mi taci».
„Mein treuer Meister,“ sprach ich, „nicht verborgen
Bleib dir mein Herz; es ist nur Schweigsamkeit,
Die du mir anempfahlst erst diesen Morgen.“ –
E io: «Buon duca, non tegno riposto
a te mio cuor se non per dicer poco,
e tu m'hai non pur mo a ciò disposto».
„Tusker! Der in die Flammenstadt zu zweit
In ehrendem Gespräch und lebend kam,
Verweil, ich bitte dich, hier kurze Zeit.
«O Tosco che per la città del foco
vivo ten vai così parlando onesto,
piacciati di restare in questo loco.
Denn deine Mundart, traut und wonnesam,
Zeigt dich in selber edeln Stadt geboren,
Der ich zu oft dereinst die Ruhe nahm!“
La tua loquela ti fa manifesto
di quella nobil patrïa natio,
a la qual forse fui troppo molesto».
So scholl’s aus einem Sarge mir zu Ohren,
Plötzlich, dass an den Führer enger ich
Mich schloss, weil ich beinah den Mut verloren.
Subitamente questo suono uscìo
d'una de l'arche; però m'accostai,
temendo, un poco più al duca mio.
Und er zu mir: „Was hast du? Wende dich!
Sieh Farinata doch, der hoch sich richtet;
Vom Haupte bis zum Gürtel zeigt er sich.“
Ed el mi disse: «Volgiti! Che fai?
Vedi là Farinata che s'è dritto:
da la cintola in sù tutto 'l vedrai».
Ich hielt schon meinen Blick auf ihn gerichtet,
Der trotziglich mit Brust und Stirn zutage
Sich hob, ob ihn die Hölle auch vernichtet.
Io avea già il mio viso nel suo fitto;
ed el s'ergea col petto e con la fronte
com' avesse l'inferno a gran dispitto.
Dann schoben durch die Reihn der Sarkophage
Dicht zu ihm hin mich meines Führers Hände,
Der flüsterte: „Sei kurz in Wort und Frage!“
E l'animose man del duca e pronte
mi pinser tra le sepulture a lui,
dicendo: «Le parole tue sien conte».
Als ich ihm nahe, war es mir, ich fände
Die Stirn ihm einen leichten Zorn umschweben.
„Nenn deine Ahnen!“ fragt er mich am Ende.
Com' io al piè de la sua tomba fui,
guardommi un poco, e poi, quasi sdegnoso,
mi dimandò: «Chi fuor li maggior tui?».
Und ich, dem Wunsch des Meisters nachzustreben,
Begann , ihm alles treu zu offenbaren;
Drauf sah ich seine Brauen leicht ihn heben.
Io ch'era d'ubidir disideroso,
non gliel celai, ma tutto gliel' apersi;
ond' ei levò le ciglia un poco in suso;
Dann sprach er: „Fürchterliche Gegner waren
Sie meinen Ahnen und auch der Partei,
Und deshalb trieb ich zweimal sie zu Paaren!“
poi disse: «Fieramente furo avversi
a me e a miei primi e a mia parte,
sì che per due fïate li dispersi».
Drauf ich: „Wenn auch verjagt, sie kehrten frei
Zweimal zurück, drum prüfe überlegend:
Ob diese Kunst den Deinen eigen sei?“
«S'ei fur cacciati, ei tornar d'ogne parte»,
rispuos' io lui, «l'una e l'altra fïata;
ma i vostri non appreser ben quell' arte».
Hier hob sich neben ihm, sich langsam regend,
Ein andrer Schatten aufrecht bis zum Kinne,
Sich scheinbar auf den Knien hochbewegend.
Allor surse a la vista scoperchiata
un'ombra, lungo questa, infino al mento:
credo che s'era in ginocchie levata.
Er sah um mich herum, in seinem Sinne
Wohl glaubend, dass mich jemand noch begleite;
Sobald er aber seines Irrtums inne,
Dintorno mi guardò, come talento
avesse di veder s'altri era meco;
e poi che 'l sospecciar fu tutto spento,
Rief weinend er: „Wenn du dies nachtgeweihte
Verlies durchwallst aus hohen Geistes Nacht,
Warum ist nicht mein Sohn an deiner Seite?“
piangendo disse: «Se per questo cieco
carcere vai per altezza d'ingegno,
mio figlio ov' è? e perché non è teco?».
„Nicht eigner Wert hat mich hierhergebracht,
Der dort,“ sprach ich, „wies mir den Weg , den schweren;
Dein Guido gab auf ihn wohl wenig acht?“
E io a lui: «Da me stesso non vegno:
colui ch'attende là, per qui mi mena
forse cui Guido vostro ebbe a disdegno».
Die Strafart nämlich, wie auch sein Begehren,
ließ rasch mich seines Namens sicher sein,
Und bündge Antwort konnt ich ihm bescheren.
Le sue parole e 'l modo de la pena
m'avean di costui già letto il nome;
però fu la risposta così piena.
Doch er, hochschnellend, rief mit lautem Schrein:
„Er g a b ? sagst du? Ist er nicht mehr am Leben?
Trinkt nicht sein Auge mehr den süßen Schein?“
Di sùbito drizzato gridò: «Come?
dicesti "elli ebbe"? non viv' elli ancora?
non fiere li occhi suoi lo dolce lume?».
Ihm schien’s, da ich nicht Antwort gleich gegeben,
Als wollt ich sie bedenklich ihm verschieben.
Da sank er um, sich nie mehr zu erheben.
Quando s'accorse d'alcuna dimora
ch'io facëa dinanzi a la risposta,
supin ricadde e più non parve fora.
Doch dem, um den ich stehen hier geblieben,
Ihm blieb auch in des Angesichtes Glätte
Starrsinn und Trotz gleichmäßig eingeschrieben.
Ma quell' altro magnanimo, a cui posta
restato m'era, non mutò aspetto,
né mosse collo, né piegò sua costa;
Und neuverknüpfend seiner Worte Kette
Sprach er: „Wenn ihnen diese Kunst gebricht,
Martert’s mich mehr als dieses Flammenbette.
e sé continüando al primo detto,
«S'elli han quell' arte», disse, «male appresa,
ciò mi tormenta più che questo letto.
Doch ehe fünfzigmal sich das Gesicht
Der Herrin dieser Nächte wird entzünden,
Sollst selbst du fühlen dieser Kunst Gewicht.
Ma non cinquanta volte fia raccesa
la faccia de la donna che qui regge,
che tu saprai quanto quell' arte pesa.
Sprich: willst du wieder zu den süßen Gründen,
Muss gegen mein Geschlecht denn s o v i e l Wut
Beim Volke sich in jeder Satzung künden?“ –
E se tu mai nel dolce mondo regge,
dimmi: perché quel popolo è sì empio
incontr' a' miei in ciascuna sua legge?».
Ich sprach: „Die Schlacht verschuldet’s und das Blut,
Das überpurpurt hat der Arbia Wogen,
Weshalb der Tempel solche Sprüche tut!“
Ond' io a lui: «Lo strazio e 'l grande scempio
che fece l'Arbia colorata in rosso,
tal orazion fa far nel nostro tempio».
Das Haupt er seufzend schüttelte: „Vollzogen
Hab ich allein nicht diese grause Tat,
Und triftge Gründe hasben uns bewogen.
Poi ch'ebbe sospirando il capo mosso,
«A ciò non fu' io sol», disse, «né certo
sanza cagion con li altri sarei mosso.
Doch ich allein war’s, der – als man den Rat
Einstimmig vorgebracht, Florenz zu schleifen –
Offnen Visiers dem Sturm entgegentrat!“ –
Ma fu' io solo, là dove sofferto
fu per ciascun di tòrre via Fiorenza,
colui che la difesi a viso aperto».
„Soll euer Stamm nicht heimatlos mehr schweifen,
So löset,“ bat ich ihn, „mir das Geflecht,
Drin mir verstrickt sind Urteil und Begreifen:
«Deh, se riposi mai vostra semenza»,
prega' io lui, «solvetemi quel nodo
che qui ha 'nviluppata mia sentenza.
Zu wissen scheint ihr doch, versteh’ ich’s recht,
Und vorzusehn, was künftge Zeiten bringen,
Doch für das Jetzt scheint euer Blick geschwächt?“
El par che voi veggiate, se ben odo,
dinanzi quel che 'l tempo seco adduce,
e nel presente tenete altro modo».
„Weitsichtgen ähnlich, sehn wir von den Dingen
Nur die,“ sprach er, „die noch im Fernen liegen –
Soweit lässt unsern Blick der Höchste dringen –
«Noi veggiam, come quei c'ha mala luce,
le cose», disse, «che ne son lontano;
cotanto ancor ne splende il sommo duce.
Doch werden sie zur Gegenwart, versiegen
Die Sinne uns; und bringt uns niemand Kunde,
Bleibt uns der Erdendinge Gang verschwiegen.
Quando s'appressano o son, tutto è vano
nostro intelletto; e s'altri non ci apporta,
nulla sapem di vostro stato umano.
Drum wisse: dröhnt des Weltgerichtes Stunde,
Die einst auf ewig schließt der Zukunft Tor,
Dann stirbt all unser Wissen uns im Munde.“
Però comprender puoi che tutta morta
fia nostra conoscenza da quel punto
che del futuro fia chiusa la porta».
Betrübt, weil mich vorhin umsonst beschwor
Des Guido Vater, bat ich: „Sag dem Alten,
Dass seinen Sohn der Tod noch nicht erkor,
Allor, come di mia colpa compunto,
dissi: «Or direte dunque a quel caduto
che 'l suo nato è co' vivi ancor congiunto;
Und dass die Antwort ich zurückgehalten,
Weil jenem Wahn, von dem dein Wort mich heilte,
Vorhin noch zweifelnd die Gedanken galten.“
e s'i' fui, dianzi, a la risposta muto,
fate i saper che 'l fei perché pensava
già ne l'error che m'avete soluto».
Da rief mich schon Virgil, dass ich mich eilte,
Und schnell beschwor ich drum den Geist vor mir
Um Auskunft: wer noch außer ihm hier weilte?
E già 'l maestro mio mi richiamava;
per ch'i' pregai lo spirto più avaccio
che mi dicesse chi con lu' istava.
Er sprach: „Mit mehr als Tausend brenn ich hier;
Dort liegt auch neben Friederich dem Zweiten
Der kardinal! – Von andern schweig ich dir!“
Dissemi: «Qui con più di mille giaccio:
qua dentro è 'l secondo Federico
e 'l Cardinale; e de li altri mi taccio».
Drauf barg er sich. Doch ich, beim Rückwärtsschreiten
Zum alten Dichter, prüfte überdenkend
Die Worte, die wohl Unheil prophezeiten.
Indi s'ascose; e io inver' l'antico
poeta volsi i passi, ripensando
a quel parlar che mi parea nemico.
Virgil brach auf, die Schritte vorwärtslenkend
Und sprach: „Du bist verlegen? Bist beklommen?“
Ich sagte ihm den Grund, gern Antwort schenkend.
Elli si mosse; e poi, così andando,
mi disse: «Perché se' tu sì smarrito?».
E io li sodisfeci al suo dimando.
„Bewahre, was du Bittres hier vernommen,“
Sprach er; dann zeigte himmelan der Weise:
„Merk auf! Bist du dereinst dorthin gekommen
«La mente tua conservi quel ch'udito
hai contra te», mi comandò quel saggio;
«e ora attendi qui», e drizzò 'l dito:
Und weilst in i h r e m holden Strahlenkreise,
Die mit den Augen darf das All umschließen,
Wird klar durch sie dir deine Lebensreise!“
«quando sarai dinanzi al dolce raggio
di quella il cui bell' occhio tutto vede,
da lei saprai di tua vita il vïaggio».
Nun bog er links hinunter; wir verließen
Den Mauerwall, verfolgten bis zur Mitte
Den Weg, der talherabsank und stießen
Appresso mosse a man sinistra il piede:
lasciammo il muro e gimmo inver' lo mezzo
per un sentier ch'a una valle fiede,
Auf ekeln Mißduft hier bei jedem Schritte. che 'nfin là sù facea spiacer suo lezzo.
<<< zurück
weiter >>>